Die stolzen Gründer der Stadtlohner Kolpingsfamilie 1895: Zum Gruppenfoto nach der Gründung versammelten sich 26 Handwerksgesellen. Das ist in diesem Jahr 125 Jahre her. © Kolpingsfamilie Stadtlohn
Lange Tradition

Kolpingsfamilie feiert abgespecktes Jubiläum zum 125-jährigen Bestehen

Die Stadtlohner Kolpingsfamilie feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Doch aus dem großen Familienfest wird nichts. Ein Gottesdienst soll zumindest ein kleiner Ersatz sein.

Auf 125 Jahre bewegte Vereinsgeschichte kann die Stadtlohner Kolpingsfamilie in diesem Jahr zurückblicken. Eigentlich sollte das mit einem großen Feiertag Ende August geschehen. Familientag, Festgottesdienst, ein großer Empfang mit allen kirchlichen Vereinen und Verbänden – die Kolpingsfamilie wollte das ganz große Programm aufgefahren.

Marianne Heming, Alfred Kramer, Dieter Boll, Heinz Segbers und Otger Möllers (v.l.) vom Vorstand der Kolpingsfamilie Stadtlohn freuen sich auf die Feier zum 125-jährigen Bestehen – auch wenn die natürlich einmal ganz anders geplant war.
Marianne Heming, Alfred Kramer, Dieter Boll, Heinz Segbers und Otger Möllers (v.l.) vom Vorstand der Kolpingsfamilie Stadtlohn freuen sich auf die Feier zum 125-jährigen Bestehen – auch wenn die natürlich einmal ganz anders geplant war. © Stephan Rape © Stephan Rape

Wie bei so vielen anderen Veranstaltungen machte natürlich auch in Stadtlohn das Coronavirus alle Planungen zunichte. Auch die Idee, die große Feier am Kolpinggedenktag Anfang Dezember nachzuholen, ist das Papier nicht wert, auf das sie niedergeschrieben wurde: „Der zweite Lockdown hat uns auch da einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Stadtlohn Alfred Kramer.

Gefeiert wird nun im ganz kleinen Rahmen: Im und um den Gottesdienst am 6. Dezember um 11 Uhr in der St. Otgerkirche. Dort sollen zumindest die Jubilare der Kolpingsfamilie geehrt werden. „Feierstunde darf man das ja auch nicht nennen“, sagt Alfred Kramer. Natürlich müsse der Gottesdienst und die Ehrung allen Vorgaben entsprechen.

Handwerksgesellen gründeten Kolpingsfamilie 1895

Gegründet wurde die Kolpingsfamilie 1895 von 26 Handwerksgesellen. „Damals waren die Kolpingsfamilie für die Handwerker und die KAB für die Arbeiter ja noch ganz strikt getrennt“, erzählt Alfred Kramer. Diese Aufteilung wurde dann irgendwann aufgeweicht. Seit 1990 können in Stadtlohn auch Frauen Mitglied der Kolpingsfamilie werden.

Besinnungsradtour 2020: Regelmäßige Radtouren gehören bei der Kolpingsfamilie Stadtlohn zum Programm. Auch diese nach Coesfeld fand im Sommer unter Coronabedingungen statt.
Besinnungsradtour 2020: Regelmäßige Radtouren gehören bei der Kolpingsfamilie Stadtlohn zum Programm. Auch diese nach Coesfeld fand im Sommer unter Coronabedingungen statt. © Kolpingsfamilie Stadtlohn © Kolpingsfamilie Stadtlohn

Heute hat die Kolpingsfamilie Stadtlohn noch 180 Mitglieder. Darunter rund 60 Mitglieder in drei Familienkreisen, sowie je ein Männer-, Frauen- und Seniorenkreis. Gemeinsame Fahrradtouren, das jährliche Kegelturnier, Bastelnachmittag und -kurse, die Kleidersammlung oder die jährliche Radwallfahrt nach Kevalaer sind nur ein Teil des Jahresprogramms.

Nachwuchsmangel und schwieriges Ehrenamt

Auch abseits der Folgen des Coronavirus ist die Arbeit der Kolpingsfamilie nicht leichter geworden. „Da geht es uns so wie vielen Vereinen und Verbänden“, erklärt Alfred Kramer. Das Ehrenamt insgesamt sei ja sehr schwierig geworden. Und auch wenn es die drei Familienkreise noch gebe, wollen sich viele Familien nicht langfristig an den Verband binden.

„Bei Einzelveranstaltungen haben wir eine gute Resonanz“, erklärt er. Die Mitgliedschaft in der Kolpingsfamilie mit der Verpflichtung am Vereinsleben teilzunehmen, sei da schon eine andere Größenordnung.

Ein Treffen eines Familienkreises vor den Corona-Beschränkungen.
Ein Treffen eines Familienkreises vor den Corona-Beschränkungen. Auch wenn es drei Familienkreise in Stadtlohn gibt, hat die Kolpingsfamilie ein großes Problem: Junge Mitglieder kommen kaum in die Reihen der Kolpingsfamilie. “Unsere Mitglieder werden im Durchschnitt immer älter”, sagt Otger Möllers. © Kolpingsfamilie Stadtlohn © Kolpingsfamilie Stadtlohn

Ganz klar fehlen der Kolpingsfamilie die Mitglieder zwischen 25 und 55 Jahren. Die Kolpingjugend gibt es in Stadtlohn schon seit 2007 nicht mehr. „Aber soweit, dass wir darüber nachdenken, uns mit anderen Verbänden zusammenzulegen, sind wir noch nicht“, erklärt Otger Möllers, der stellvertretende Vorsitzende. Auch das habe es in anderen Gemeinden schon gegeben. In Stadtlohn liege die Hoffnung da auf der Zukunft und den drei Familienkreisen.

Breites Vereinsangebot in Stadtlohn macht es Kolpingsfamilie schwer

Gleichzeitig konkurriere die Kolpingsfamilie in Stadtlohn aber auch mit einer großen Bandbreite an ganz verschiedenen Vereinen. „Wir kennen Kolpingsfamilien mit 500 oder 600 Mitgliedern“, sagt Alfred Kramer. Die befänden sich aber oft in kleinen Gemeinden, in denen fast das gesamte Vereinsleben von der Kolpingsfamilie gestaltet werde.

Ob es eine große Nachfeier des Jubiläums geben wird, wenn die Beschränkungen durch das Coronavirus einmal nicht gelten, möchten die Vorstandsmitglieder an diesem Vormittag im Otgerus-Haus nicht eindeutig beantworten. Man habe darüber nachgedacht. „Aber so ein Jubiläum im nächsten Jahr nachzufeiern, passt eigentlich nicht“, sagt Otger Möllers. Dann solle eher die Feier zum 130-jährigen Bestehen größer gefeiert werden.

Kurzer Blick in die Chronik der Stadtlohner Kolpingsfamilie

  • 1895: Gründung durch 26 Handwerksgesellen
  • 1946: 50. Stiftungsfest und Wiederaufnahme der Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg
  • 1954: Gründung des Krippenbauvereins, der jedes Jahr die Krippe in der St.-Otgerkirche gestaltet
  • 1964: Gründung der ersten Jungkolpinggruppe
  • 1981: Erster Besuch der Catholic Kolping Society aus Cincinatti/USA in Stadtlohn. Daraus entwickeln sich eine Reihe von Besuchen und Gegenbesuchen in Stadtlohn und den USA
  • 1982: Erste Radwallfahrt nach Kevelaer
  • 1990: Die erste Frauengruppe unter Leitung von Maria Lonsing wird gegründet.
  • 1995: Erstes Nachbarschafts-Kegelturnier. Bis heute konnten durch die jährlichen Turniere 78.270 Euro an soziale Einrichtungen gespendet werden. Jedes Jahr kegeln 30 bis 40 Gruppen, Nachbarschaften und Familien mit.
  • 2007: Die Kolpingjugend wird eingestellt.
  • 2017: Die Seniorengruppe wird gegründet.
Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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