Im Kreißsaal des Krankenhauses Maria-Hilf in Stadtlohn wird es still werden. Hier werden ab Mitte 2019 keine Babys mehr ihren ersten Schrei tun. Welchen Grund hat diese Entscheidung?

Stadtlohn

, 22.10.2018, 18:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fast 500 Geburten wurden im Jahr 2017 im Stadtlohner Krankenhaus gezählt. In diesem Jahr werden die Zahlen wohl ähnlich hoch sein. Damit ist es bald vorbei. Die geburtshilflichen Abteilungen Stadtlohn und Ahaus werden im Jahr 2019 in Ahaus zusammengelegt. Darüber hat das Klinikum in den vergangenen Tagen und Wochen die Mitarbeiter informiert.

Seit Montag ist es offiziell. Tobias Rodig, Pressesprecher des Klinikums Westmünsterland, bestätigte auf Anfrage der Münsterland Zeitung: „Die beiden geburtshilflichen Abteilungen des Klinikums Westmünsterland im Nordkreis in Ahaus und Stadtlohn werden zukünftig am Standort Ahaus gebündelt“.

Aktuell, so Rodig, erarbeite eine standortübergreifende Arbeitsgruppe bestehend aus beiden Hebammenteams, den Kinderkrankenschwestern, den Ahauser Krankenhausärzten sowie den am Krankenhaus Stadtlohn tätigen Belegärzten Dr. Ralf Horstmann, Dr. Josef Klemens Bauer und Dr. Oksana Grütter ein gemeinsames Konzept.

Die Zusammenlegung der geburtshilflichen Abteilungen ist die erste Auswirkung des Zusammenschlusses des Stadtlohner Krankenhauses mit dem Klinikum Westmünsterland, die im Juni bekanntgegeben worden war. Bereits damals wurden Änderungen im Zuschnitt des Leistungsspektrums aller Standorte nicht ausgeschlossen.

„Keine Kündigungen“

Klinikum-Sprecher Rodig: „Das Klinikum Westmünsterland hat sich zu diesem Schritt entschlossen, um den gerechtfertigten Forderungen der Politik hinsichtlich sachlicher und personeller Strukturen wie Mindestmengen, Qualitätskennzahlen, Strukturvorgaben für Fachpersonal bereits heute entgegen zu kommen, bevor das Handlungsgeschehen allein durch ökonomische Zwänge bestimmt wird.“ Nach Rodigs Angaben werde die Nachfrage in der Geburtshilfe aufgrund des demographischen Wandels in den kommenden Jahren sinken.

Die Geburtenzahl im Stadtlohner Krankenhaus ist gegenwärtig leicht höher als die im Ahauser Krankenhaus. Warum werden die Abteilungen dann nicht in Stadtlohn gebündelt? In Stadtlohn, so Tobias Rodig, gebe es nur eine Belegabteilung, während in Ahaus bereits eine Hauptabteilung angesiedelt sei. „Wir machen aus zwei geburtshilflichen Abteilungen eine große Abteilung“, so Tobias Rodig.

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Das Krankenhaus Maria-Hilf in Stadtlohn wird ab 2019 keine Entbindungsstation mehr haben. © Markus Gehring

In Stadtlohn arbeiten nach Angaben des Klinikums neben den Belegärzten rund 20 Krankenschwestern und Hebammen. Der Sprecher des Klinikums betonte am Montag, dass es weder in Stadtlohn noch in Ahaus betriebsbedingte Kündigungen geben werde. „Da wir keine Doppelstrukturen mehr vorhalten, haben wir mehr Spielraum, um in Qualität, medizinische Infrastruktur und vor allem Personal zu investieren und so die Qualität in der Behandlung der Frauen und Neugeborenen zu erhöhen.“

„Standortsicherung“

Stadtlohns Bürgermeister Helmut Könning war als Kuratoriumsmitglied bereits im Vorfeld über die geplante Verlegung der Geburtshilfe nach Ahaus informiert. „Es ist einerseits nicht schön, dass wir eine wichtige Abteilung abgeben werden. Andererseits ist das ein wichtiger Schritt, den Erhalt des Krankenhauses in Stadtlohn zu sichern und die anderen Abteilungen zu stärken“, erklärte Helmut Könnig auf Anfrage der Münsterland Zeitung.

Am 31. Oktober will das Klinikum im Rahmen einer Pressekonferenz detaillierter über das medizinstrategische Konzept und die Verteilung der Aufgaben an den sechs Standorten des Klinikums in Ahaus, Bocholt, Borken, Stadtlohn, Rhede und Vreden informieren.

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