Auf der Straße Pfeifenofen und auf der Burgstraße kommt es gerade in den Stoßzeiten zu Rückstaus. Ein Kreisverkehr könnte Abhilfe schaffen. © Markus Gehring
Neuer Kreisverkehr

Kreisverkehr am Kaufhaus Berken ist machbar und verkürzt Rückstaus

An Stadtlohns meistbefahrener Kreuzung am Kaufhaus Berken gibt es zu oft Rückstaus. Eine Studie zeigt, dass ein Kreisverkehr den Verkehrsfluss verbessern würde. Aber der Kreisel braucht Platz.

Hartmut Leiking ist Diplom-Ingenieur für Verkehrswesen. Als Experte hat er einen besonderen Blick auf den neuralgischen Knotenpunkt in Stadtlohn: die Kreuzung am Kaufhaus Berken. Hartmut Leiking ist aber auch Berufspendler. Seit über 20 Jahren passiert der Vredener zwei Mal täglich auf dem Weg von und nach Münster die meistbefahrene Kreuzung in Stadtlohn. Einer von täglich über 13.000 Autofahrern, die sich nicht selten mit längeren Wartezeiten abfinden müssen.

So könnte der Kreisverkehr am Berken-Kaufhaus einmal aussehen. Die Variante 4 ist ein eine der favorisierten Lösungsmöglichkeiten.
So könnte der Kreisverkehr am Berken-Kaufhaus einmal aussehen. Die Variante 4 ist ein eine der favorisierten Lösungsmöglichkeiten. © NTS-Ingenieurgesellschaft © NTS-Ingenieurgesellschaft

„Ich bin mit meiner Familie auch oft mit dem Fahrrad unterwegs. Ich kenne die Probleme der Kreuzung auch aus dieser Perspektive sehr gut“, sagt der Verkehrsexperte am Dienstag. Mit Hilfe der NTS-Ingenieurgesellschaft aus Münster, für die Hartmut Leiking arbeitet, will die Stadt Stadtlohn die Probleme bei der Wurzel packen.

Politik will den Kreisverkehr – Studie zeigt: Er ist auch machbar

Schon im November 2019 hat der Bauausschuss sich einstimmig dafür ausgesprochen, die Problemkreuzung in einen Kreisverkehr umzuwandeln. Aber verbessert das die Situation wirklich? Und ist der Bau eines Kreisverkehrs an dieser Stelle überhaupt möglich? Diese Fragen sollte eine Machbarkeitsstudie klären. Am Dienstagabend hat Hartmut Leiking die Ergebnisse dem Wirtschaftsförderungs-, Infrastruktur- und Stadtentwicklungsausschuss präsentiert.

Der Kreuzungsbereich aus der Vogelperspektive - offenbar außerhalb der Rushhour fotografiert .
Der Kreuzungsbereich aus der Vogelperspektive – offenbar außerhalb der Rush Hour fotografiert . © Geodaten Kreis Borken © Geodaten Kreis Borken

In seiner Machbarkeitsstudie hat er detailliert die Verkehrsströme untersucht und Wartezeiten ausgewertet. Ein Beispiel: Allein in der Nachmittagsspitze passieren über 2000 Autofahrer die Kreuzung. Viele von ihnen müssen bis zu 70 Sekunden Wartezeit in Kauf nehmen. Leiking: „Vor allem zwischen 16.30 und 17 Uhr bilden sich lange Rückstaus, die Autofahrer müssen zwei bis drei Ampelphasen abwarten.“ Für einen Berufspendler kann sich die Wartezeit rein rechnerisch auf fast fünf Stunden im Jahr summieren – nur an dieser einen Kreuzung.

Entlastung durch Umgehungsstraßen keine Perspektive mehr

Eine Besserung ist nicht in Sicht. Am Mittwochabend hat der Rat endgültig nach jahrelangem Stillstand die Umgehungsstraßenpläne beerdigt. Und weil die Mühlenbrücke im Rahmen des Programms „natürlich Berkel“ für den Auto- und Busverkehr gesperrt wird, wird der Knotenpunkt tendenziell eher noch stärker belastet werden.

Das hohe Verkehrsaufkommen ist aber nicht die einzige Schwäche dieses Knotenpunkts. Hartmut Leiking nennt unklare Verkehrsregelungen und fehlende Aufstellungsflächen für Radfahrer insbesondere an der Mühlenstraße im Bereich der Zufahrt zum Kaufhausgelände und am Pfeifenofen in Höhe der Tankstelle.

Einmütig haben sich die Stadtlohner Politiker bereits 2019 für den Bau eines Kreisverkehrs am Knotenpunkt Pfeifenofen/Grabenstraße ausgesprochen. Eine Studie zeigt jetzt, dass der Kreisverkehr auch machbar ist.
Einmütig haben sich die Stadtlohner Politiker bereits 2019 für den Bau eines Kreisverkehrs am Knotenpunkt Pfeifenofen/Grabenstraße ausgesprochen. Eine Studie zeigt jetzt, dass der Kreisverkehr auch machbar ist. © Markus Gehring © Markus Gehring

Die gute Nachricht: Ein Kreisverkehr wird nach den Untersuchungen von Hartmut Leiking den Verkehrsfluss verbessern. Und ein Kreiselbau ist an dieser Stelle möglich. Leiking stellte in der Sitzung sogar vier verschiedene Varianten vor, mal rund mal oval und mit verschiedenen Umsteigepunkten für die Buslinien R61 (Ost-West-Verbindung und R76 (Nord-Süd-Verbindung).

In einer Abwägung, in der Verkehrsqualität, Aufenthaltsqualität, Flächenverbrauch, Baumbestand und andere Faktoren eine Rolle spielten, sammelte die Variante 4 die meisten Pluspunkte. Diese ovale Variante platziert die Umstiegspunkte der beiden Buslinien gegenüberliegend an der Burgstraße. Der Verkehrsexperte empfahl noch eine weitere, kreisrunde Variante in den Blick zu nehmen.

Baukostenprognose: 1,45 Millionen Euro

Die Baukosten für diese Lösung prognostizierte Hartmut Leiking auf 1,45 Millionen Euro. Darin ist der notwendige Grunderwerb noch nicht enthalten. Weichen muss zum Beispiel das griechische Restaurant an der Grabenstraße. Das Grundstück hat die Stadt Stadtlohn bereits erworben.

Mit den anderen betroffenen Grundstückseigentümern wurden erste Gespräche geführt. „Jetzt brauchen wir erst einmal Zeit, um die Grundstücksverhandlungen in Ruhe durchführen zu können“, so Mathias Pennekamp, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen der Stadt Stadtlohn. Auch weitere Abstimmungen mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW als Straßenbaulastträger und Vertretern des ÖPNV sind vor einer Entscheidung noch notwendig.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Vor Ort und nah dran für den Leser, hört gerne auch die andere Seite
Zur Autorenseite
Stefan Grothues

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.