Die Geschäftsführer des Klinikums Westmünsterland Holger Winter und Ludger Hellmann (v.l.) beantworteten die Fragen der Besucher. © Victoria Garwer
Krankenhaus

Kritische Fragen, aber nur wenige klare Antworten zur Krankenhaus-Schließung

Beim Infoabend zur Krankenhaus-Schließung in Stadtlohn stellten die Verantwortlichen die Pläne noch einmal vor. Auf einige Fragen konnten sie aber noch keine Antworten geben.

Emotional und kritisch äußerten sich die Stadtlohner bei einer Infoveranstaltung des Klinikums Westmünsterland zur bevorstehenden Schließung des Krankenhauses. Die Geschäftsführer Holger Winter und Ludger Hellmann bemühten sich, die Fragen der Besucher zu beantworten, mussten aber auch manches Mal eingestehen, dass sie noch keine Antworten haben.

Wie sollen Patienten, Besucher und Mitarbeiter künftig nach Ahaus zum Krankenhaus kommen?

Diese Frage wurde gleich mehrmals gestellt. Schließlich fährt gerade früh morgens kein Bus. „Wir bringen uns gerne ein bei der Suche nach einer Lösung. Aber die Einrichtung einer neuen Buslinie zum Beispiel ist nicht unsere Aufgabe“, sagte Holger Winter.

Bürgermeister Berthold Dittmann betonte, dass diese Frage auch im Aufsichtsrat diskutiert wurde. Er habe zudem schon Gespräche mit dem Landrat geführt. Für das Problem soll nun gemeinsam eine Lösung gesucht werden.

Bleibt der Notarzt in Stadtlohn?

„Ja, daran ändert sich nichts“, sagte Holger Winter. Zumindest, solange es nach dem Klinikum Westmünsterland gehe. Denn die Entscheidung über die Notarztstandorte liegt letztendlich beim Kreis Borken.

Knapp 55 Menschen waren zur Infoveranstaltung des Klinikums Westmünsterland gekommen.
Knapp 55 Menschen waren zur Infoveranstaltung des Klinikums Westmünsterland gekommen. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Angelika Kessels (FDP) fragte nach: „Wo soll der denn sitzen, wenn es kein Krankenhaus mehr gibt?“ Holger Winter antwortete: „In einem Zimmer in der Feuer- und Rettungswache.“ Das sei in Ahaus zurzeit auch so. Der Notarzt hält sich dort auf und springt auf den Wagen, wenn es einen Einsatz gibt.

Wie genau soll das neue medizinische Versorgungszentrum am Standort Stadtlohn aussehen?

Die bestehenden Praxen der Fachärzte sollen vor Ort bleiben. Hinzu sollen weitere Fach- und Hausärzte kommen. Wie genau das aussehen kann, ist aber noch unklar. „Wir können erst jetzt auf die Ärzte zugehen und mit ihnen sprechen. Wir können uns viele Modelle vorstellen“, sagte Holger Winter.
Eine Idee ist, dass die Ärzte die Räumlichkeiten mieten, eine andere, dass sie sich dem Klinikum anschließen.

Sind die Nachnutzungspläne für Stadtlohn schon beschlossene Sache?

„Intern auf jeden Fall“, sagte dazu Ludger Hellmann. Der Aufsichtsrat habe einen klaren Beschluss gefasst. Doch Reinhold Dapper (SPD) war aufgefallen, dass in der Broschüre dazu das Verb „sollen“ verwendet wird. „‚Soll kommen‘ ist nicht ‚wird kommen‘. Da mache ich mir Sorgen um Stadtlohn.“

Das liege daran, dass die Pläne bisher nicht mit den Ärzten besprochen werden konnten, erklärte Holger Winter. „Wir sind aber sehr optimistisch, dass aus dem ‚sollen‘ ein ‚werden‘ wird.“

Wann beginnen die Bauarbeiten am Stadtlohner Krankenhaus?

Das wollten sowohl Johanne Elias, Betreiberin der Berkel-Apotheke am Krankenhaus, als auch ein Anwohner wissen. Eine klare Antwort bekamen sie aber nicht. Nur so viel: Die Bauarbeiten werden schrittweise passieren. Erst wenn ein Abschnitt fertig ist, ziehen die Abteilungen um und es folgt der nächste Abschnitt. Die Geschäftsführer versprachen, dass man alle Beteiligten und die Öffentlichkeit rechtzeitig informieren werde.

Wie reagierten die Geschäftsführer auf Kritik?

An den Plänen selbst gab es gar nicht so viel Kritik. Die Argumente des Klinikums konnten die meisten Besucher nachvollziehen. Doch mit der Art und Weise der Kommunikation waren viele nicht einverstanden.
„Ich bin tief enttäuscht. Wer soll Ihnen denn jetzt noch glauben, wenn Sie sagen, dass Sie uns alle mitnehmen“, sagte ein älterer Herr. Mehrere Wortmeldungen gingen in diese Richtung.
Die Antwort von Ludger Hellmann war immer dieselbe: „Ich habe Respekt davor und das berührt mich auch.“ Holger Winter sagte: „Uns ist die Entscheidung ganz sicher nicht leicht gefallen.“ Und Helmut Könning sprach von schlaflosen Nächten, wenn im Aufsichtsrat über das Thema diskutiert wurde.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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