Überall läuft die Gastronomie bei sinkenden Infektionszahlen wieder an. Das Restaurant „Hundewicker Bahnhof" hat den Lockdown nicht überlebt. Der Betreiber Klaus Konert musste Insolvenz anmelden. © Markus Gehring
Insolvenz

Küche bleibt kalt: Restaurant „Hundewicker Bahnhof“ meldet Insolvenz an

Im Hundewicker Bahnhof bleibt die Küche vorerst kalt. Das Restaurant hat Insolvenz angemeldet. Ohne die Corona-Pandemie wäre es nie so weit gekommen, sagt der Insolvenzverwalter.

Vor zwei Jahren war Klaus Konert ein glücklicher Koch und Restaurantbetreiber des Hundewicker Bahnhofs mit großen Ambitionen. Jetzt ist er wirtschaftlich am Boden zerstört. „Das ist eine traurige Geschichte“, sagt Insolvenzverwalter Ralph Schmid aus Coesfeld.

Der gelernte Koch Klaus Konert war bis zur Coronakrise erfolgreicher Betreiber des Hundewicker Bahnhofs. Jetzt musste der 32-jährige Insolvenz anmelden. Der Hundewicker Bahnhof bleibt bis auf weiteres geschlossen.
Der gelernte Koch Klaus Konert war bis zur Coronakrise erfolgreicher Betreiber des Hundewicker Bahnhofs. Jetzt musste der 32-jährige Insolvenz anmelden. Der Hundewicker Bahnhof bleibt bis auf weiteres geschlossen. © Markus Gehring © Markus Gehring

Und er fügt hinzu: „Ohne Corona hätte ich den hervorragenden Koch Klaus Konert nie kennengelernt. Jedenfalls nicht beruflich – allenfalls als zufriedener Gast.“ Am Montag wurde Schmid zu Konerts Insolvenzverwalter bestellt. Im Hundewicker Bahnhof auf der Grenze zwischen Stadtlohn und Südlohn bleibt die Küche bis auf weiteres kalt, das Restaurant ist geschlossen.

Etliche Jahre war Klaus Konert als der Küchenmeister und Betreiber des „Forellenhofs“ in Borken erfolgreich, bevor er 2018 das auf der Grenze zwischen Stadtlohn und Südlohn gelegene Restaurant „Hundewicker Bahnhof“ übernahm. Im Frühjahr 2019, nach dem ersten Jahr, stellte er im Gespräch mit unserer Redaktion glücklich fest: „Es war die richtige Entscheidung. Die Resonanz der Gäste ist prima, der Umsatz mehr als gut.“

Mit Tatkraft und Optimismus übernahm Klaus Konert, der sein Handwerk in Sterne-Restaurants gelernt hat, im Januar 2020 auch noch den Dorfgasthof Wissing in Alstätte. Nur wenigen Wochen später zog ein Virus um die Welt. Die Coronapandemie brachte den Lockdown und die Zwangspause für Konerts Restaurant. Das wirtschaftliche Konstrukt und Finanzierungspläne für zwei neue Küchen gerieten ins Wanken.

„Bald geht es weiter!”: Der Aushang am Hundewicker Bahnhof verbreitet noch Optimismus. Inzwischen musste der Betreiber aber Insolvenz anmelden. © Markus Gehring © Markus Gehring

„Es gab praktisch keine Umsätze mehr. Die Coronahilfen konnten die Ausfälle nicht wettmachen. Die Abwärtsspirale hat sich immer weiter beschleunigt“, sagt Insolvenzverwalter Ralph Schmidt. Die Pachtverträge in Alstätte und Borken habe Klaus Konert rechtzeitig kündigen können. Für den den Hundewicker Bahnhof blieb allein die Notbremse des Insolvenzanmeldung.“

Am Montag die Mitarbeiter informiert

„Wir haben den Mitarbeitern gestern reinen Wein eingeschenkt“, sagte Insolvenzverwalter Ralph Schmid am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Etwa ein Dutzend Mitrbeiterinnen und Mitarbeiter seien betroffen, viele Teilzeitkräfte, aber auch einige Vollzeitkräfte. „Vielleicht geht es für einige von ihnen ja weiter“, sagt Ralph Schmid. Der Eigentümer der Immobilie habe mit der Suche nach einem Betreiber für den Hundewicker Bahnhof begonnen. Das Restaurant soll ein Zukunft haben.

Eine Zukunft in der Gastronomie sieht Klaus Konert nach den Worten seines Insolvenzverwalters nicht. „Er ist am Boden zerstört und will etwas ganz anderes machen. Er steht vor einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen, der ihn ganz persönlich trifft und der ihn auf Jahre hinaus belasten wird.“

Ralph Schmid bedauert das: „Er ist nicht durch eigenes Verschulden in diese Misere geschlittert. Er ist ein sehr guter Koch und verlangte faire Preise. Es ist schade, wenn das alles wegen der Pandemie verpufft. Ich persönlich würde mich freuen, wenn er später noch einmal den Mut findet, in die Branche zurückzukehren.“

„Er hat gekämpft und alles versucht“

Erst einmal aber sei die Luft raus. Schmid: „Er hat schwer gelitten. Er hat gekämpft. Und er hat alles versucht, um wieder auf die Beine zu kommen. Aber er hat immer wieder was auf den Deckel bekommen.“ Dem Außerhaus-Geschäft habe der Hundewicker Bahnhof im Lockdown aber nichts abgewinnen können. „Das hat nicht zu seinem Anspruch der feinen Küche gepasst, dass man mit den raffinierten Gerichten lange durch die Gegend fährt.“

Jetzt prüft Insolvenzverwalter Ralph Schmid die Werte und den Kassenbestand. Er geht davon aus, dass das Insolvenzverfahren eröffnet wird. „Es gibt ja noch etwas zu verteilen.“

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Stefan Grothues

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