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Die Kunst ist sein Leben. Norbert Then öffnet bis zum 17. April die Türen seines Kunstklärwerks an der Lessingstraße. Auf die Besucher wartet nicht nur die Kunst, sondern auch das Leben.

Stadtlohn

, 04.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Heiß müssen die Hände der Liebenden sein, aber nicht zu heiß. 780 bis 1000 Grad sind genau passend. Sonst droht der Bruch oder gar die Schmelze. Norbert Then hat die Flamme genau im Blick. Es geht schließlich um die Kunst. „Die Liebenden“ sind eine Bronzeskulptur. Der Künstler richtet die blau-gelbe Flamme auf die bronzenen Hände und zwingt sie mit der Zange in die richtige Haltung. Gemeinsam sollen sie einen Kristall halten.

Feuer und Flamme für die Kunst

Norbert Then ist Feuer und Flamme für die Kunst. Er spricht gerne darüber und teilt seine Begeisterung. Nicht nur mit anderen Kreativen, sondern mit jedermann, der sich für die Kunst interessiert. Darum öffnet der 56-Jährige jedes Jahr die Türen seines Ateliers im Kunstklärwerk an der Lessingstraße 51 in Stadtlohn. Er will Menschen einladen ihn zu besuchen, ihm bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen, und mit ihm über die Kunst und das Leben zu sprechen, Musik zu machen, Kaffee zu trinken, am Abend gerne auch ein Glas Wein. Ab heute bis Donnerstag, 17. April sind alle Kunstfreunde eingeladen, täglich, auch samstags und sonntags, ab 11 Uhr bis „open end“, sagt Norbert Then.

Künstlerischer Tausendsassa Norbert Then lädt in sein kreisrundes Atelier ein

Malerei, Skulpturen, Musik: Norbert Thens Atelier im Kunstklärwerk lädt zu einer spannenden Entdeckungsreise ein. © Stefan Grothues

Mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen ist nicht schwierig. „Ich mag es locker und entspannt“, sagt Norbert Then und lacht. Wer seinen Blick schweifen lässt, zweifelt nicht an den Worten. Das kreisrunde Atelier mit fast 20 Metern Durchmesser ist ein Wohlfühlraum im kreativen Chaos: Amboss und Theke, Werkzeuge und Skulpturen, Leinwände und Bücherregale und eine knallrote Couch vor einer kleinen Empore. Mit einem Satz springt Norbert Then auf die Bühne, greift sich die Gitarre und rockt los. Das ist für ihn ein festes Ritual, ganz gleich, ob er alleine ist oder ob er Besucher empfängt.

Neue künstlerische Wege in Bronze

Und schon eilt der Künstler zu einer anderen Skulptur, an der er derzeit arbeitet: „Vertrauen“, zwei Menschen die einander in artistischer Manier halten. Das Modell ist klein, das eigentliche Werk soll 1,80 Meter groß werden. Seine Traumfänger – aus Stahl geschmiedet – kennen viele Stadtlohner bereits. Jetzt arbeitet Norbert Then mit dem Material Bronze. Ihm gefällt der wärmere Glanz. Und die Möglichkeiten, die Lichtreflexionen durch die Patinierung mit Kupfersulfat und die anschließende Politur gestalten zu können. „Das zeige ich auch gerne den Besuchern.“

Meisterbrief als Spengler

Thens Leidenschaft fürs Metall hat handwerklichen Boden. Der gelernte Spengler mit Meisterbrief sammelte viele Erfahrungen bei der Restaurierung von Schlössern, Kirchen und Kunstdenkmälern. „Da habe ich es zu einer gewissen Meisterschaft gebracht“, sagt er lachend.

Nach der Meisterprüfung macht sich der junge Then 1988 auf den Weg nach Ghana. Drei Jahre arbeitet er dort im Auftrag des Deutschen Entwicklungsdienstes beim Aufbau einer Berufsschule für Metalltechnik. Es sollten prägende Jahre werden. Norbert Then, der mittlerweile seit 28 Jahren in Stadtlohn lebt und arbeitet, zeigt Ölbilder aus dieser Zeit, die auf dem Stoff von Leinensäcken entstanden sind: symbolstarke Werke zwischen den Kulturen. Über seine Afrika-Erfahrungen spricht Norbert Then am Sonntag, 7. April, zur Kaffeezeit.

Musik, Kunst, Geselligkeit

Musikerkollegen, Künstler, Gärtner und viele Gäste werden sich bis zum 17. April am Kunstklärwerk täglich die Klinke in die Hand geben. „Es kann jederzeit etwas Unverhofftes passieren“, sagt Norbert Then und freut sich auf spontane Sessions auf der Bühne, auf die künstlerische Arbeit und auf Gespräche, zum Beispiel darüber, wie er selbst zur Malerei kam. „Es war nachts um drei“, erzählt er lachend. „Ich war 24 Jahre alt. Da war zufällig der weiße Papierbogen. Und ein Kajalstift meiner Schwester. Da habe ich aus einer Laune heraus meine Hand gezeichnet.“

Das Ergebnis verblüffte seine Familie und ihn selber auch – „mal abgesehen von meiner Schwester. Die war sauer wegen des Kajalstifts.“ Norbert Then malte sich danach in einen Rausch. „Ich konnte gar nicht mehr aufhören.“ Zurzeit steht für ihn die Skulptur im Vordergrund. Aber an den Wänden des Kunstklärwerks hängen neben den Bildern aus der Ghana-Zeit auch riesige, noch weiße Leinwände. „Das ist die Zukunft. Mein Herz gehört noch der Malerei.“

Anmeldungen sind zu den Tagen der offenen Atelierstüren nicht notwendig. „Einfach vorbeikommen!“, sagt Norbert Then. Der Eintritt ist frei. Wer Stauden, Ableger oder Blumenzwiebeln für den wild-romantischen Kunstklärwerks-Garten mitbringen will, macht dem Künstler eine besondere Freude. Und abends ist auch eine Flasche Wein als Mitbringsel willkommen.

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