Kunstausstellung im Otgerus-Haus - Schroffe Werke der Litauerin Gintare Skroblyte

Kunstausstellung

Lange waren die Wände im Otgerus-Haus weiß und kahl. Ab dem 9. Februar geben die Werke von Gintare Skroblyte ihnen ein Gesicht und packen den Betrachter mit ihrer ganz eigenen Geschichte.

Stadtlohn

, 07.02.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Otgerus-Haus entsteht eine Kunstaustellung. Ferdinand Schreiber (r.) und seinen zwei Helfer Max und Mustafa (m.) schlagen Nägel in die Wand. Künstlerin Gintare Skroblyte hat gemeinsam mit ihnen entschieden, welches Werk wo seinen Platz findet.

Im Otgerus-Haus entsteht eine Kunstaustellung. Ferdinand Schreiber (r.) und seinen zwei Helfer Max und Mustafa (m.) schlagen Nägel in die Wand. Künstlerin Gintare Skroblyte hat gemeinsam mit ihnen entschieden, welches Werk wo seinen Platz findet. © Christin Lesker

Bilder stehen auf dem Boden, der passende Winkel wird vermessen und Nägel in die Wand gehämmert. Im Otgerus-Haus entsteht eine Kunstausstellung. Grafiken, Radierungen, Malerei. Gintare Skroblyte ist bildende Künstlerin. Sie beherrscht die Druckgrafik, als eine der letzten handwerklichen Künste und dabei entstehen Bilder, die ganz eigene, packende Geschichten erzählen. Ihre Werke geben den großen weißen Wänden im Otgerus-Haus in Stadtlohn zum ersten Mal ein Gesicht und laden in der Ausstellung vom 9. Februar bis 29. März zum Staunen und auch Hinterfragen ein.

Die Künstlerin Gintare Skroblyte kommt gebürtig aus Litauen. In vielen ihrer Druckgrafiken finden sich die schroffen und kargen Landschaften des Nordens wieder.

Die Künstlerin Gintare Skroblyte kommt gebürtig aus Litauen. In vielen ihrer Druckgrafiken finden sich die schroffen und kargen Landschaften des Nordens wieder. © Christin Lesker

Gintare Skroblyte ist sehr ländlich aufgewachsen. Im schroffen Norden an der Litauischen Ostsee-Küste, lebte sie in einem 20 Seelen-Dorf. Die rauen Landschaften dieser Gegend finden sich in vielen ihrer Bilder wieder. „Ich mag das Karge meiner Heimat“, erzählt sie und strahlt dabei. „Ich empfinde es nicht als abschreckend, es ist pur und rein.“ Neben der Landschaft prägte auch ihr Vater die Werke. Von klein auf hat er zusammen mit Gintare gezeichnet und handwerklich gearbeitet. Noch heute, so sagt sie selbst, entstehen alle ihre Landschaftsbilder ihrem Vater zu Ehren.

Alle halfen mit, dass die Werke von Künsterlin Gintare Skroblyte gerade und passend an die weißen Wände des Otgerus-Haus kommen.

Alle halfen mit, dass die Werke von Künsterlin Gintare Skroblyte gerade und passend an die weißen Wände des Otgerus-Haus kommen. © Christin Lesker

Die Maske des Roten Todes

Neben der Heimat spielen auch literarische Werke eine Rolle in Ginatre Skroblytes Kunst. Im großen Saal des Otgerus-Haus hängen Drucke, die sich auf „die Maske des roten Todes“ von Edgar Allan Poe beziehen. Diese Geschichte hat die Künstlerin schon im Studium fasziniert. „Es geht ums Entkommen und Verstecken vor Dingen, die einen sowieso einholen“, erklärt sie. Texte versteht die Künstlerin wie ein „Trampolin in die Arbeit“.

Jetzt lesen

Dabei steht die Idee im Vordergrund, was nachher dabei rauskommt, ist offen und trotzdem soll die Aussage stimmen. „Kunst soll berühren, man muss sie nicht sofort verstehen“, findet Gintare Skroblyte. Die Druckgrafik ist aber nicht nur Kunst. „Es ist auch ein anspruchsvolles Handwerk, das macht den Reiz aus“, erklärt sie.

Gemeinsam wurde überlegt, welche Bilder zusammen gut aussehen.

Gemeinsam wurde überlegt, welche Bilder zusammen gut aussehen. © Christin Lesker

Seit sie 20 ist, lebt die gebürtige Litauerin in Deutschland, hat in Münster studiert. In Coesfeld-Lette ist sie Heimleiterin der Druckwerkstatt. Vor Ausstellungsbeginn, haben Ferdinand Schreiber und Albert Frechen sie dort besucht. „Es war uns wichtig, den Menschen hinter dem Bild besser kennen zu lernen“, erklärt Albert Frechen, Verwaltungsreferent der St.-Otger-Gemeinde. Kunst zu verstehen wird einfacher, wenn man Person und Arbeit hinter dem Werk kennt. Deshalb kann sich die Gemeinde vorstellen, Gintare Skroblyte mit einigen Stadtlohnern in ihrer Werkstatt zu besuchen.

Maximilian ist Ferdinand Schreibers Enkel und schaute, dass die Bilder auch gerade hängen.

Maximilian ist Ferdinand Schreibers Enkel und schaute, dass die Bilder auch gerade hängen. © Christin Lesker

Kunst zum Hinterfragen

Als einige Helfer die Bilder aufhängen werden, ist viel los im Otgerus-Haus. „Diese großen weißen Wände rufen nach Gestaltung“, dachte Gintare Skroblyte sofort, als sie sich hier zum ersten Mal umsah. Der Meinung war auch Ferdinand Schreiber, der bei einer Hausratssitzung den Vorschlag machte, Werke immer neuer Künstler im Otgerus-Haus auszustellen. Gintare Skroblyte macht den Anfang. „Von ihren Bildern war ich sofort begeistert“, erzählt er. Also hat er die Künstlerin gefragt. Auch ihr gefiel die Idee, Kunst und Kirche zusammen zu bringen.

Jetzt lesen

Gintares Bilder geben nicht auf den ersten Blick alle Hintergründe preis. Der Betrachter muss sich damit auseinander setzen. Dafür scheint das Otgerus-Haus der perfekte Ort. Es ist eine Einladung, so Pfarrer Lürwer. „Die unglaubliche Vielfalt an Menschen“ im Otgerus-Haus kommt vielleicht nicht wegen der Kunst hierher. Aber sie werden von den Bildern eingeladen, sich zwanglos und im Alltag mit ihr zu beschäftigen.

Ein paar von Gintare Skroblytes Bildern hängen dauerhaft in den Gruppenräumen. Die Ausstellung mit ganz unterschiedlichen Werken beginnt am Sonntag, 9. Februar, um 12 Uhr mit einer großen Eröffnung. Noch bis zum 29. März 2020 können die Werke im Otgerus-Haus an der Dufkampstraße bestaunt werden.

Lesen Sie jetzt