Kunstwerke von Thomas Böing überraschen im Haus Hakenfort

STADTLOHN "Jeder Künstler gibt einen Teil seines Gedankenguts preis, auch Thomas Böing", begrüßte die stellvertretende Bürgermeisterin Marie-Theres Böing den Kölner Künstler zur Eröffnung seiner Ausstellung im Haus Hakenfort in Stadtlohn. Keck leuchteten die Ohren der weißen Fantasiefiguren der Gruppe "Nimm mich mit" dabei den Besuchern entgegen.

23.03.2009, 16:41 Uhr / Lesedauer: 1 min

Sie sind nur einer von vielen bildgewordenen Gedanken des Künstlers, der 1963 in Rhede geboren wurde. Nach Studien an Kunsthochschulen in Hamburg bei Bernhard Johannes Blume und als Meisterschüler von A. R. Penck in Düsseldorf ließ er sich in Köln nieder.

Kunsthistoriker Dr. Hans-Jürgen Lechtreck zeigte sich positiv überrascht von der Wirkung der eher skurrilen Kunst des Kölners in den historischen Räumen des Hauses. "Diese Räume lassen viel zu", stellte er im Namen der Veranstalter zufrieden fest. Zeichnungen und Skulpturen bevölkern die beiden Räume im Obergeschoss. Sie sind Spiegelbild des Menschen, wie er die Welt wahrnimmt und wie er mit ihr umgeht, analysierte Lechtreck.

Thomas Böing übernehme dabei die Funktion des "Sichtbarmachens von Reizen". Besonders Augenmerk legte Lechtreck auf die Zeichnungen. Keine durchgehenden Linien umreißen die Figuren, die wie in den Skulpturen Zwitter aus Mensch, Tier und Fantasie sind. Lecht reck vergleicht die Art und Weise der Führung des Zeichenstifts mit einem Messer, dass in zahlreichen kleinen Schnitten einschneidet.

Im Detail betrachten

Das Subtile der Linien, die einen Menschen im Hasenkostüm oder einen Mann mit Einkaufswagen fixieren, entschlüsselt sich erst im Detail. Auf dem kleinen überschaubaren Din-A-4-Format entwickelt Böing eine Zauberwelt, in der Bewegung durch die strichreichen Linien suggeriert wird und in denen das unwirkliche mancher Situationen wie in den Figuren zum Tragen kommt.

Natürlich habe er mit Stofftieren aus Schaumstoff in Kindertagen gespielt, gibt Böing einen Teil seiner Biografie im Gespräch preis. "Ich drehe diese Vertraulichkeit um, so dass sie monstermäßig wird", stuft er seine künstlerischen "Kuscheltiere" heute ein. Das unschuldige Weiß kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie etwas Bedrohliches an sich haben in der Bündelung unwirklicher Gestalten wie beim "Zweikopfteddy". Doch so ganz ernst sollte man diese Bedrohung nicht nehmen: Der Künstler bezeichnete sich selbst als "trockenen Humoristen". emk

Bis 5. April; Öffnungszeiten Mi/Sa/So jeweils 15 bis 18 Uhr

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