Lebensmittel mit dem Smartphone vor der Mülltonne retten

mlzLebensmittelverschwendung

Rund 55 Kilo Lebensmittel wirft der Deutsche im Jahr weg. Dabei machen kleine Helfer auf dem Handy es einfach, Essen vor der Tonne zu retten. Auch in Stadtlohn bei Denise Schwining.

Stadtlohn

, 12.06.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Christian und Denise Schwinning Anfang März den „Back König“ an der Eschstraße eröffneten, da haben sie Abend für Abend viel Ware weggeschmissen. Schweren Herzens. „Wir bereiten morgens und mittags Sachen frisch zu“, erzählt Denise Schwinning. Pizza, Burger, Salate, belegte Brötchen, Kuchen – das alles kann am nächsten Tag nicht mehr als „Gutes von gestern“ verkauft werden. Mit dem vielen Wegschmeißen ist es jetzt vorbei. Dank der App Too Good To Go. „Wir retten Lebensmittel, das ist uns ganz wichtig.“

Überraschungspakete

Jeden Tag bietet Denise Schwinning über die App Wundertüten an. 3,90 Euro zahlt der Kunde, der Warenwert beträgt 9 Euro. Abgeholt werden müssen die Überraschungspakete zwischen 17.45 und 18.45 Uhr. Was hinein kommt, entscheidet die 35-jährige Stadtlohnerin jeden Tag neu. Zwei Portionen werden automatisch eingestellt.

Kaufen tagsüber besonders viele Kunden die Regale der Selbstbedienungsbäckerei leer, kann sie mittags eine bis dahin unverkaufte Portion stornieren. Gibt es mal einen mauen Tag an der Eschstraße, sind beispielsweise nach dem Mittagsgeschäft noch Pizzen übrig, kann sie weitere Portionen einstellen. Hauptsache, abends bleibt nicht viel übrig. „Das Gute ist: Es ist planbar“, sagt Denise Schwinning.

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„Wir verdienen nichts dabei, aber wir schmeißen nichts weg und der Kunde hat etwas davon“, sagt die Stadtlohnerin. Seit drei Wochen macht der Back König mit bei Too Good To Go. Die Resonanz war von Anfang gut. „Ich war erstaunt, dass die App so gut bekannt war“, sagt Denise Schwinning. Eine Familie mit vier Kindern hat schon häufiger ein Paket gebucht. Eine Kundin aus Gescher nutzt den Einkauf in Stadtlohn, um gleich auch noch beim Back König ihr bestelltes Paket abzuholen. Sogar aus Enschede kamen schon Too-Good-To-Go-Nutzer. 57 Menschen haben den Back König in ihrer Favoritenliste und die Bewertungen sind alle gut.

Denise Schwinning selbst wurde von ihrer Angestellten auf die App aufmerksam gemacht. Nicole Brichta erzählt: „Meine Schwester, die in Köln lebt, hat mir immer wieder mal Fotos geschickt, was sie alles über die App gekauft hat.“ Sie selbst nutzt die App nicht. Wie auch. Weit und breit gibt es nur wenige Angebote. „In Borken ist der nächste Anbieter“, sagt Denise Schwinning. Auch in Bocholt und verstärkt in Holland machen Cafés, Lebensmittelmärkte oder Restaurants mit bei Too Good To Go.

Nachahmer gesucht

Denise Schwinnig hofft derweil auf Nachahmer. „Ich würde mich riesig freuen, wenn beispielsweise ein Metzger solche Pakete anbieten würde“, sagt sie.

Und haben durch die App soziale Einrichtungen wie die Tafeln Einbußen? Das verneint die Stadtlohner Geschäftsfrau. Seit der Eröffnung im März bekommt die Aktion Tischlein-deck-dich Backwaren, die nicht verkauft und dann eingefroren werden. Einmal in der Woche holt sie die Spenden ab und verteilt sie dann. Und daran hat sich auch durch Too Good To Go nichts geändert.

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