Britta Schüring mit den Betreuungskindern im Garten der Großtagespflege "Pusteblume", die sie zusammen mit Anne Schlüter (nicht im Bild) 2013 gegründet hat. Rechts: Vertretungskraft Lena Schick. © Stefan Grothues
Kinderbetreuung

Lichtblicke für Pusteblume und Co: Stadt will Großtagespflege fördern

Die „Pusteblume“ hat in Stadtlohn Pionierarbeit beim Aufbau der Großtagespflegen geleistet. Die Tagesmütter brauchen aber mehr finanzielle Unterstützung. Jetzt gibt es Lichtblicke.

Der Himmel strahlt leuchtend blau, unter blühenden Sträuchern tollen zwei Dreijährige mit Marla, der kleine Bolonka-Hündin, durch den Garten am Telgenkamp. Einige Zweijährige buddeln im Sandkasten. Ein Mädchen fährt lachend mit dem Bobbycar vorbei. Alltag in der Großtagespflege Pusteblume am Telgenkamp in Stadtlohn.

„Pusteblume“ war 2013 die erste Großtagespflege in Stadtlohn

Britta Schüring blinzelt zufrieden in die Aprilsonne. Sie liebt ihren Beruf als Tagesmutter. Und das nicht nur an Sonnentagen. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder kehrte sie nicht in ihren erlernten Beruf als Einzelhandelskauffrau zurück, sondern begann 2006 eine Fortbildung zur Tagespflegeperson. „Ich möchte heute keinen anderen Beruf mehr haben“, sagt Britta Schüring. Daran ändern auch einige dunkle Wolken finanzieller Art nichts. Und jetzt gibt es neue Lichtblicke.

Die Frostnächte sind bald Vergangenheit. Dann werden die Hochbeete der Großtagespflege Pusteblume wieder für den Anbau von Zucchini und Co. genutzt.
Die Frostnächte sind bald Vergangenheit. Dann werden die Hochbeete der Großtagespflege Pusteblume wieder für den Anbau von Zucchini und Co. genutzt. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Sechs Jahre lang betreute Britta Schüring als Tagespflegemutter U3-Kinder in der häuslichen Kindertagespflege. Dann wagte sie 2013 mit Anne Schlüter einen neuen Schritt: die Eröffnung der Pusteblume in einem gemieteten Haus am Telgenkamp. Die Pusteblume war die erste Großtagespflege in Stadtlohn. Zum Gründungstrio gehörte damals auch Vertretungskraft Tanja Almering, die inzwischen eine eigene Großtagespflege – „Die Schatzinsel“ – gegründet hat. Ihre Nachfolgerin in der Pusteblume ist Lena Schick.

„Gute Mischung aus häuslicher Tagespflege und Kita“

Eine Großtagespflege, so sagt Britta Schüring, verbindet die Vorteile der klassischen häuslichen Tagespflege mit den Vorteilen einer Kita: die sehr flexible und familienähnliche Betreuungsform mit den festen Strukturen einer Einrichtung mit Vertretungsmodell.

In Stadtlohn werden heute über 140 U3-Kinder von Tagesmüttern und -vätern betreut. Mittlerweile gibt es fünf Großtagespflegen in der Töpferstadt und damit deutlich mehr als in den Nachbarstädten. Dazu kommen zahlreiche häusliche Tagespflegestellen, wo allein rund 100 Kinder in Obhut sind. Unabhängig von der Art der Einrichtung ist das Problem häufig das gleiche: Es fehlt das Geld.

Bislang keine Fördermittel von der Stadt erhalten

„Vom Kreis haben wir 2013 einige Fördermittel bekommen. Von der Stadt Stadtlohn gab es keine Unterstützung“, sagt Britta Schüring. Gereicht hat es hinten und vorne nicht. „Wir mussten mit einem ganz kleinen Budget starten.“ Küche und Kinderwagen gab es aus zweiter Hand, Spielgeräte und Klettergerüst wurden auch mit Spendenmitteln finanziert.

Dass die Stadt Stadtlohn die Großtagespflege „nie als ihre Baustelle gesehen hat“, das findet Britta Schüring nicht richtig. „Die Großtagespflegen und die häuslichen Tagespflegen betreuen ja zusammen so viele Kinder wie eine große Kindertagesstätte.“ Und von Gesetzeswegen sei die Kindertagespflege eine gleichwertige Form der Kindertagesbetreuung zu gleichen Elternbeiträgen wie die klassischen Kitas, die großzügig unterstützt würden. Britta Schüring: „Wir haben mit den geringsten Fördermitteln neun verlässliche Betreuungsplätze geschaffen.“

Modernisierungsbedarf ist eine finanzielle Herausforderung

Jetzt muss die Spülmaschine in der Großtagespflege erneuert werden. Unlängst war der Gartenzaun kaputt, eine neuer musste her. Ein neuer Anstrich für die Räume ist fällig. Und schon lange steht ein sechssitziger Kinderwagen auf der Wunschliste der Pusteblume. „Für all diese Investitionen konnten wir in den sieben Jahren kein Geld zurücklegen“, sagt Britta Schürmann.

Die anderen Großtagespflegen in Stadtlohn treiben ähnliche Sorgen um. Das „Baumhaus“ braucht eine neue Küche. Gemeinsam haben sich die vier Großtagespflegestellen Schatzinsel, Vogelnest, Baumhaus und Pusteblume im Februar an die Stadt Stadtlohn gewandt und zumindest um die Übernahme des zehnprozentigen Trägeranteils gebeten, den die Großtagespflegen jetzt noch tragen müssen.

Rat entscheidet in seiner nächsten Sitzung

Am Mittwoch, 21. April, entscheidet der Rat der Stadt Stadtlohn über diese Frage. Doch ist Britta Schüring und den anderen Tagespflegepersonen schon nach der jüngsten Sitzung des Schul- und Bildungsausschusses nach eigenen Worten „ein Stein vom Herzen gefallen“.

Einstimmig hat der Ausschuss sich dafür ausgesprochen, bei Investitionen den durch das Kreisjugendamt Borken festgesetzten zehnprozentigen Trägeranteil zu übernehmen. Auch die in der Vergangenheit nicht übernommenen Trägeranteile werden ebenfalls übernommen. Überplanmäßig soll die Stadt, so das einmütige Votum des Ausschusses, rund 21.000 Euro bereitstellen.

Auch der Kreis stellt Verbesserung der Finanzierung in Aussicht

In der Sitzung gab es auch vom Kreis neue Signale. Beate Wittenbrink von der Facheinheit Kindertagespflege des Kreises erklärte: „Die Finanzierung der Großtagespflege ist verbesserungsfähig. Es gibt einen Investitionsstau aus der Vergangenheit.“ Ihr Kollege Markus Grotendorst ergänzte: „Die Betriebskosten werden nicht ausreichend bezuschusst. Wir werden deutlich nachbessern müssen. Aber auch das Land steht in der Verantwortung. Wir werden nicht nachlassen, daran zu arbeiten.“

Britta Schüring hörte es mit Freude. Am Ziel aber sieht sie sich und ihre Mitstreiterinnen aus den anderen Großtagespflegen aber noch nicht. „Der Beschluss des Ausschusses ist ein guter erster Schritt. Aber eine klare Regelung zwischen Stadt, Kreis und Land steht noch aus.“ Die angemessene finanzielle Ausstattung der Großtagespflege ist ihr wichtig. Genauso wichtig ist ihr aber auch, dass die Stadt die Leistung anerkennt und unterstützt.

Ansonsten stimmt schon alles. Britta Schüring: „Die Arbeit mit den Kindern macht einfach Spaß, die Fachbetreuung durch Waltraud Ostendarp-Deggerich vom SKF und Fortbildungsmöglichkeiten könnten nicht besser sein. Und wir haben ein tolles Team und tolle Eltern.“

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Stefan Grothues

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