Birgit Kerkeling (l.) von der Großtagespflege "Vogelnest" fordert nicht nur für ihre Einrichtung mehr Unterstützung. Die wurde nun von der Stadtlohner Verwaltung in Aussicht gestellt. © Ronny von Wangenheim (A)
Schul- und Bildungsausschuss

Mehr Geld für Stadtlohner Kindertagespflege in Aussicht gestellt

Stadtlohn gilt im Bereich der Kindertagespflege kreisweit als Vorbild. Doch wenn größere Anschaffungen oder Reparaturen anstehen, fehlt das Geld. Das soll sich in Zukunft ändern.

In Stadtlohn werden knapp 150 unter dreijährige Kinder von Tagesmüttern- und vätern betreut. Allein fünf Großtagespflegen gibt es in der Töpferstadt. Dazu kommen zahlreiche häusliche Tagespflegestellen, wo allein rund 100 Kinder in Obhut sind. Unabhängig von der Art der Einrichtung ist das Problem häufig das gleiche: Es fehlt das Geld.

Auf Antrag von CDU und UWG beschäftigte sich nun der Schul- und Bildungsausschuss mit dem Thema. Katharina Geuking (CDU) erklärte: „Bei der Kinderbetreuung sehen wir konkreten Handlungsbedarf in finanzieller Hinsicht.“ Die Verwaltung solle nun prüfen, inwiefern Einrichtungen mit weiteren Mitteln des Kreisjugendamtes oder aus der Stadtkasse unterstützt werden könnten.

Kein Geld für Reparaturen

Martin Kömmelt (UWG) fügte ergänzend hinzu: „Wir sehen uns in der Verpflichtung, die Tageseltern zu unterstützen. Bei der Kindertagespflege ‚Baumhaus‘ ist zum Beispiel die Küche kaputt, in einer anderen Einrichtung muss die Sicherheitstür repariert werden. Die Förderung ist aktuell nicht kostendeckend.“ Die UWG wünsche sich daher vom Kreis Borken eine Anpassung der Strukturen.

Um einen authentischen Einblick in die Stadtlohner Kinderbetreuung zu geben, erhielten Birgit Kerkeling von der Großtagespflege „Vogelnest“ und Stefanie Wilde, Tagesmutter und gleichzeitig sachkundige Einwohnerin des Schul- und Bildungsausschusses, das Rederecht. Kerkeling berichtete: „Wir haben in Stadtlohn mit unseren Einrichtungen eine ganz wertvolle Struktur, die es in keiner anderen Stadt im Kreis Borken gibt. Das Problem ist: Wir erhalten keine Unterstützung, wenn zum Beispiel etwas kaputt geht. Das müssen wir dann aus der eigenen Tasche zahlen.“

Von der geringen Pauschale, die vom Kreisjugendamt für jedes Kind bezahlt wird, könne man das nicht stemmen. „Nach Abzug der Sachkostenpauschale bleiben noch circa 2,30 bis 2,50 Euro pro Kind und Stunde. Nach Abzug aller Kosten kann man davon keine größeren Investitionen mehr tätigen“, sagt Birgit Kerkeling.

Man müsse immer im Hinterkopf behalten, welchen Zweck die Tagespflege erfülle. „Wenn wir das nicht hätten, müssten wir die unter Dreijährigen auf die Kitas verteilt werden. Da dort die Plätze für diese Kinder aber sehr begrenzt sind, würde das vorne und hinten nicht passen.“

„Das passt vorne und hinten nicht“

Stefanie Wilde schilderte die Situation aus ihrer Sicht als selbstständige Tagesmutter, die aktuell bei sich zu Hause fünf Kinder betreut: „Wir erhalten vom Kreis Borken derzeit pro Platz einmalig 500 Euro. Von den – in meinem Fall – 2500 Euro muss die gesamte Grundausstattung samt Wickeltisch, Spielgeräte und sonstigen Anschaffungen getätigt werden. Alles, was darüber hinaus geht, zahlen wir selbst. Das passt vorne und hinten nicht.“

Auch Stefanie Wilde sieht große Probleme auf die Stadt Stadtlohn zukommen, sollte sich die Situation nicht ändern. „Was passiert, wenn wir nicht weitermachen? Die Eltern haben schließlich das Recht auf Betreuung.“ Sie wünsche sich für die häusliches Tagespflege, dass zumindest nach fünf Jahren erneut pro Platz 500 Euro beantragt werden können. „So ist es in anderen Kreisen geregelt.“

Kreiseinheitliche Lösung angestebt

Günter Wewers, Beigeordneter der Stadt, zeigte viel Verständnis für die Situation. Beim Kreis Borken sei das Problem bekannt und werde derzeit bereits intensiv diskutiert. „Es ist Druck auf dem Kessel. Wir sollten uns aber um eine kreisweit einheitliche Lösung bemühen.“ Daher bat Wewers darum, die Sitzung des Jugendhilfeausschusses im März abzuwarten. Gleichzeitig stellte er den Tagesmüttern- und vätern schnellere Hilfe in Aussicht: „Über dringende Ersatzanschaffungen können wir sicher auch schon vorher reden.“

Einstimmig beschloss der Schul- und Bildungsausschuss, dass die Verwaltung nun prüft, ob das Kreisjugendamt die Tagespflegeeinrichtungen bei Mietkosten, Anschaffungen oder Reparaturen mehr unterstützen kann als bisher.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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