893 Straftaten zählte die Polizei im Jahr 2018 in Stadtlohn, über 100 mehr als im Jahr zuvor. Das ist die schlechte Nachricht. Die aktuelle Statistik enthält aber auch positive Aspekte.

Stadtlohn

, 22.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahl der Straftaten in Stadtlohn ist im vergangenen Jahr um über 16 Prozent angestiegen: von 768 im Jahr 2017 auf 893 im Jahr 2018. Das geht aus der aktuellen Kriminalitätsstatistik für Stadtlohn hervor, die die Kreispolizei in dieser Woche vorgelegt hat.

Gewaltdelikte zu 90 Prozent aufgeklärt

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Kreispolizei die kreisweiten Zahlen vorgestellt und dabei insgesamt erfreuliche Entwicklungen hervorgehoben: weniger Raub, weniger Einbrüche, weniger Gewalt.

Läuft der positive Trend an Stadtlohn vorbei? Lebt es sich in Stadtlohn gefährlicher? Nein. Die Fallzahlen sind in Stadtlohn zwar insgesamt angestiegen, doch die Gewaltkriminalität ist leicht rückläufig. 2017 wurden 21 Fälle gezählt, 2018 waren es 19.

Die Aufklärungsquote in diesen Fällen ist auf knapp 90 Prozent gestiegen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank im gleichen Zeitraum deutlich von 19 auf 7. Die Zahl der Raubdelikte blieb mit drei Fällen konstant. Zwei Fälle konnten aufgeklärt werden.

Stadtlohn kreisweit im Mittelfeld

Im Kreisvergleich können sich die Stadtlohner mindestens so sicher fühlen wie die Menschen in den Nachbarstädten. In Gronau, Bocholt, Ahaus, Legden, Borken und Vreden zum Beispiel wurden im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr Kriminalfälle gezählt.

Unter den 17 Kommunen im Kreis liegt Gronau in Sachen Kriminalitätshäufigkeit an der Spitze, Stadtlohn rangiert auf Rang neun im unteren Mittelfeld. Noch besser sieht es für Stadtlohn bei der Gewaltkriminalität aus: Dort liegt die Töpferstadt auf Platz zwölf. Nur bei der Straßenkriminalität liegt Stadtlohn hinter Gronau, Bocholt, Ahaus, Legden schon auf Platz fünf.

Hier ist ein kleiner Streifzug durch die Kriminalitätsstatistik:

  • Straftat gegen das Leben: In dieser Kategorie wird für 2018 in Stadtlohn ein Fall geführt. Was verbirgt sich dahinter? Thorsten Ohm von der Pressestelle der Polizei erklärt: Es handelt sich um eine fahrlässige Tötung bei einem Autounfall.

  • Sexualstraftaten: Hier verzeichnet die Statistik einen deutlichen Anstieg von 8 auf 15 Fälle. Thorsten Ohm sieht hier einen statistischen Effekt, weil immer häufiger auch Beleidigungen auf sexueller Grundlage angezeigt werden. „Nach der MeToo-Debatte wird heute nicht mehr geduldet, was früher toleriert wurde. Das ist eigentlich eine positive Entwicklung.“

  • Körperverletzung: Mit 69 Fällen (Vorjahr: 68) gehört die Körperverletzung zu den häufigsten Delikten. Die Aufklärungsrate ist hoch. Sie liegt bei annähernd 90 Prozent.

  • Fahrraddiebstahl: Fahrräder sind in Stadtlohn nicht sicher. Statistisch wird an jedem zweiten Tag ein Fahrrad gestohlen. Die Zahl der Diebstähle stieg 2018 sprunghaft um 42 Prozent auf 187 Fälle an. Noch eine schlechte Nachricht: In keinem einzigen Fall konnte die Polizei den Täter ermitteln.

  • Autodiebstahl: 2017 wurde in Stadtlohn nur ein Auto gestohlen, 2018 waren es vier. Thorsten Ohm von der Pressestelle der Kreispolizei sieht ein kreisweites Phänomen: „Professionelle Tätergruppen haben es auf hochwertige Fahrzeuge abgesehen.“

  • Wohnungseinbrüche: 2016 stiegen in Stadtlohn 23 Einbrecher in fremde Wohnungen ein. 2017 waren es 19, 2018 nur noch 7. Die Aufklärungsquote lag bei über 85 Prozent. Diesen Erfolg führt Thorsten Ohm zum einen auf besseren Einbruchschutz hin. Und er verweist auf den NRW-Innenminister Herbert Reul. Der nannte die Schließung der Balkanroute als eine Ursache für sinkende Einbruchszahlen: Die Grenzkontrollen machten es auch reisenden osteuropäischen Einbrecherbanden schwerer.

  • Drogendelikte: 2017 wurden 16 Fälle gezählt, 2018 waren es 49. Thorsten Ohm spricht von einem „Kontrolldelikt“. Das ist eine Straftat, deren Auftreten überhaupt erst durch Kontrollen der Polizei festgestellt wird. Den kreisweiten Anstieg der Rauschgiftkriminalität führt Thorsten Ohm unter anderem auf die zunehmende Entdeckung von Betäubungsmitteln zurück, die auf dem Postweg versendet werden.
Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Tödlicher Verkehrsunfall
33-Jähriger tanzt auf der B51 – 25-jährige Autofahrerin aus Stadtlohn kann nicht ausweichen