In einem Gespräch um das Sorgerecht für seinen Sohn mit einem Mitarbeiter des Kreisjugendamtes drohte ein 32-jähriger Stadtlohner, dass „Bomben hochgehen“ oder „Köpfe rollen“ würden. Das hatte ein Nachspiel vor Gericht. © Markus Gehring
Drohung gegen Jugendamt

„Meinen Sohn nimmt mir keiner weg, sonst gehen Bomben hoch“

Ein Stadtlohner drohte einem Mitarbeiter des Kreisjugendamtes. Es ging um das Sorgerecht für den Sohn des 32-Jährigen. Er sprach von Bomben und rollenden Köpfen – das blieb nicht ohne Folgen.

Auch wenn in Gesprächen mit Mitarbeitern des Jugendamtes die Nerven blank liegen – Drohungen müssen sich die Beamten nicht gefallen lassen. Das betonte der Richter des Amtsgerichts Ahaus in der Verhandlung gegen einen 32-jährigen Stadtlohner, der wegen Nötigung angeklagt worden war.

„Meinen Sohn nimmt mir keiner weg, sonst gehen Bomben hoch“

Bei einem sogenannten Hilfeplanungsgespräch war im Juli die Situation eskaliert. Mehrmals. Dem 32-Jährigen Stadtlohner wurde vorgeworfen gesagt zu haben: „Meinen Sohn nimmt mir keiner weg, sonst gehen Bomben hoch.“ Ein weiterer Satz, der gefallen sein soll: „Ich rede nur noch ohne ihn, sonst rollen Köpfe“. Mit „ihn“ war der Mitarbeiter des Jugendamtes gemeint.

Der Angeklagte gab zu, sich so geäußert zu haben, und versuchte zu erklären: „Vorher hatten wir immer Gespräche mit einer Dame vom Jugendamt. Auf einmal war der Mitarbeiter da, der hat sich nicht mal vorgestellt“. Als es dann direkt um den Entzug des Sorgerechts für seinen Sohn gegangen sei, „da wurde ich halt ein bisschen aufbrausend“, erzählte er.

„Ich habe mich sehr unwohl gefühlt, alle waren gegen mich“

„Ich habe mich sehr unwohl gefühlt, alle waren gegen mich.“ Er habe aber immer die Allgemeinheit gemeint, nicht den Mitarbeiter des Jugendamtes persönlich, erklärte der Stadtlohner. „Da kommt es nicht drauf an, das war versuchte Nötigung“, machte der Richter deutlich.

„Ich habe doch alles für meinen Sohn getan, das hätte man anders regeln können“, beharrte der Angeklagte. „Sie hätten auch anders reagieren können“, konterte der Richter.

Der Verteidiger des Stadtlohners bat um Nachsicht, um seinen bislang unbescholtenen Mandanten einen Eintrag ins Strafregister zu ersparen. Auch mit Blick auf seine Berufstätigkeit in der Sicherheitsbranche.

Weitere Androhung: „Sonst hast Du die Security vor der Tür“

Der Richter zweifelte zunächst. Schließlich, so hielt er dem Angeklagten vor, habe er während des laufenden Ermittlungsverfahrens den Mitarbeiter nochmals am Telefon bedroht mit den Worten: „Sonst hast Du die Security vor der Tür.“ Das sei zwar nicht Gegenstand der Gerichtsverhandlung, lasse ihn aber an der Einsicht des 32-Jährigen zweifeln. „Das ist verwerfliches Handeln.“

Er habe sich sofort danach entschuldigt, warf der Angeklagte ein, „und jetzt tun wir ja auch alles, was das Jugendamt meint. Ich habe vernünftig mit denen gesprochen“.

Ganz ohne Strafe wollten Staatsanwalt und Richter den Stadtlohner trotz der positiven Signale nicht davon kommen lassen. Solches Verhalten gegen Mitarbeiter des Jugendamtes müsse bestraft werden. Letztlich wurde das Verfahren gegen den Angeklagten eingestellt. Vorläufig: Wenn er eine Geldstrafe von 1000 Euro an den Kinderschutzbund gezahlt hat, ist das Verfahren endgültig eingestellt und das Strafregister des Stadtlohners bleibt unbeschrieben.

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Anne Winter-Weckenbrock

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