Meinung der Bürger ist wichtig beim Wirtschaftswegekonzept

Ländliches Wegenetzkonzept

Der Ist-Zustand zum Ländlichen Wegenetzkonzept ist erfasst. Wohin soll die Reise nun gehen? Bürger und Interessengruppen sollen sich aktiv in die Erarbeitung eines Soll-Konzeptes einbringen.

Stadtlohn

, 06.04.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Meinung der Bürger ist wichtig beim Wirtschaftswegekonzept

Eine Seitenrandbetrachtung – wie auf der „verlängerten“ Hegebrockstraße Richtung Südlohn – ist als eine mögliche Einzelmaßnahme vorstellbar. © Markus Gehring

Der Einstieg war durchaus emotional: Wer dürfe die Wege überhaupt nutzen? Warum ist das Thema Entwässerung und Wasserablauf nicht eingearbeitet? Mit dem Hinweis des Referenten Christoph Hessel, nicht „schon zwei Schritte vor dem ersten“ zu machen, einigten sich die Mitglieder der Projektgruppe zum „Ländlichen Wegenetzkonzept“ rasch darauf, auf einer sachlichen Ebene zu diskutieren. Besagte Punkte seien bedeutende, sie reihten sich allerdings in den Projektschritt Handlungsempfehlungen ein. „Und um diese aufzustellen, ist die Unterstützung durch die Bürger absolut erwünscht und notwendig“, erklärte Hessel. Als Ansprechpartner bei der beauftragten Bezirksstelle Agrarstruktur Münsterland der Landwirtschaftskammer NRW in Coesfeld berichtete er bei diesem ersten Workshop der Projektgruppe allein vom Ist-Zustand. Ziel des Wirtschaftswege-Konzeptes ist es, ein bedarfsgerechtes und zukunftsfähiges Wegenetz zu planen, dass „die Belange aller im ländlichen Raum berücksichtigt und von der Mehrheit getragen wird“.

Im ersten Schritt fand hierzu eine Bestandserfassung und Kategorisierung aller Wegeabschnitte statt – ausgerichtet an einem strikten Leitfaden, von dem „nicht abgewichen“ werden kann, betonte Hessel schon vorab. 190 Kilometer Wege im Außenbereich wurden in rund 540 Wegeabschnitte unterteilt. Für jeden dieser Abschnitte werden unter anderem Daten zu Länge, Breite, Ausbauart, Ausbauzustand, ökologischer Wertigkeit, Nutzungshäufigkeit und Nutzungsumfang erfasst. „Ein Wust an Daten“, erklärte Hessel die rein „visuell-sensitive Beurteilung“.

Kategorien eingeteilt

Auf Basis dieser Daten wurden die Wegeabschnitte in Kategorien eingeteilt – insgesamt acht. Eine weitere Kategorie A ist zudem dem klassifizierten Straßennetz vorbehalten. Der höchsten betrachteten Kategorie B sind multifunktionale Wege mit touristischer Gewichtigkeit und von hohem öffentlichen Interesse zugeordnet – wie der Schützenweg Richtung Wenningfeld mit Radroute und Busverkehr. Der niedrigsten Kategorie zugeteilt werden reine Fuß- und Radwege. 171 Kilometer der Wege seien insgesamt in Bezug auf die vorgesehener Funktion und Nutzung „in Ordnung“, eine Gesamtsanierung erscheine Hessel allein auf 1,5 Kilometern erforderlich. „Wie gesagt: Das ist meine visuell-sensitive Einschätzung bei der Begehung, ein Fachmann kommt womöglich auf andere Ergebnisse.“

Meinung der Bürger ist wichtig beim Wirtschaftswegekonzept

Ebenso denkbar: die Aufnahme des Almsicker Schulpättkens ins Wegenetz. © Michael Schley

Im zweiten Schritt wird nun ein Soll-Konzept erstellt. Die Abschnitte werden erneut in Kategorien (zukünftige Bedeutung) eingeteilt. Daraus lässt sich dann der gewünschte Unterhaltungs- und Ausbauzustand ableiten. Zur Projektgruppe zählen unter anderem Mitglieder aus den Bereichen Landschafts- und Naturschutz, Vereine, Verwaltung der Kommune, Tourismus, Land- und Fortwirtschaft und Kommunalpolitik, hier besonders der Wegeausschuss. Diese sollten auch die Meinung der Bürger transportieren. Rund 45 Einladungen waren zum Auftaktworkshop verschickt worden, gut die Hälfte war dieser gefolgt. „Ein guter Start“, befand Christoph Hessel als Moderator. In weiteren Workshops sollen nun Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, um den Soll-Zustand zu erreichen. Erhalt im Bestand, Sanierung, Umbau, Rückbau/Aufhebung, Neubau – mit kurz-, mittel- und langfristigen Prioritäten ausgestattet – sind als Empfehlungen denkbar.

Handlungsempfehlungen

Es sind laut Leitfaden auch Aussagen zu den Eigentums- und Katasterflächen zu treffen. „Hier ist die Rechtssicherheit von Bedeutung“, spannte Hessel den Bogen zum Einstieg. „Im Ergebnis kann das auch Fehler in unseren Datenbanken aufdecken“, ermunterte auch Mathias Pennekamp, Fachbereichsleiter Planen, Bauen und Umwelt, zur Teilnahme am Meinungsbildungsprozess. Die strategische Denke im gesamten Prozess sei grundlegend.

„Wesentlicher Baustein ist die kontinuierliche Öffentlichkeitsbeteiligung. Packen wir es gemeinsam an – erste wichtige Hinweise hat es heute ja schon gegeben“, schloss Hessel seinen Bericht ab. Er betonte, dass das Wegekonzept letztlich Grundlage für weitere kommunale Entscheidungen sei.

Ergebnisse und Projektschritte

  • Die Ist-Analyse erbrachte folgendes Ergebnis: Kategorie B (multifunktionale Wege) 95,2 Kilometer; C (Land- und Forstverkehr (LuF)) 10,9; D (LuF und Fußgänger) 2,5; E (Erschließung einzelner Anlieger) 12,7; F (Einzelinteresse) 24,5; G (Einzelflächenerschließung) 39,7; H (nicht mehr vorhandene Wege) 8,0; I (Fuß-, Reit- und Radwege) 1,7.
  • Nach visuell-sensitiver Einschätzung des Referenten sind auf 1,5 Kilometern eine Gesamtsanierung und auf 22 Kilometern Einzelmaßnahmen erforderlich. 171 Kilometer Strecke seien gemäß Funktion „in Ordnung“.
  • Der weitere Prozess: Im Frühjahr sind zum Beispiel Bürgersprechstunden im Rathaus geplant, auch sind Besuche des Referenten Christoph Hessel bei Interessengruppen möglich, um mit diesen Abschnitte von Interesse durchzusprechen.
  • Im Sommer sind dann Workshop und Bürgerinfo zur Soll-Situation geplant, die öffentliche Abschlussveranstaltung mit Bericht soll im Herbst 2019 stattfinden.
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