Die Stadtlohner Impfpaten werben jetzt mit ihren Gesichtern für die Impfung – und mit Argumenten. © privat
Impfpaten

Meinungsbildung an der Theke: Stadtlohner zeigen Gesicht für Impfkampagne

Erklärte Impfgegner sind nicht das Ziel der 1000-Karten-Kampagne. Wohl aber die Stadtlohner, die sich noch nicht zum Pieks durchringen konnten. Impfpaten setzen auf Vertrauen und Gespräche.

Knapp 70 Prozent der Menschen im Kreis Borken sind inzwischen vollständig gegen Corona geimpft. Das ist gut. Aber noch nicht gut genug. Die Stadtlohner Impfpaten wollen dazu beitragen, dass sich noch mehr Menschen an dem Pieks gegen die Pandemie beteiligen. Herdenimmunität ist das Ziel. Die Impfpaten setzten dabei auf Vertrauen, auf Nähe und auf ihre Gesichter.

1000 Karten in Geschäften, Kneipen und Tankstellen ausgelegt

Ein Landwirt, ein Polizist, ein Lehrer, ein Ministerialrat a.D., ein Bürgermeister a.D., der amtierende Bürgermeister und gut ein Dutzend weitere ehrenamtliche Impfpatinnen und Impfpaten – lokale Prominenz und „ganz normale Stadtlohnerinnen und Stadtlohner“ – wollen neuen Schwung in die Impfkampagne bringen.

„Wir haben 1000 Karten mit Argumenten für die Impfung und mit unserem Gruppenfoto drucken lassen. Heute Morgen haben wir damit begonnen, die Flyer an Geschäfte, Restaurants, Tankstellen, Banken zu verteilen und eine sehr gute Resonanz bekommen“, sagte Mathias Redders am Mittwoch. „Wir sind der festen Überzeugung, dass nicht die Impfgegner das Problem sind, sondern viele Menschen, die nach wie vor Angst vor Neben- oder Folgewirkungen haben oder schlicht ‚vor dem Pieks‘“, so Mathias Redders weiter.

„Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt!“

Der Impfappell kommt nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher. Die Impfpaten schildern in knappen Sätzen, warum sie sich haben impfen lassen. Und welche Nachteile sich künftig für Nichtgeimpfte ergeben können. „Haben Sie Vertrauen! Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt! Er kennt Sie und er kennt sich aus“, heißt es in dem Aufruf.

Mathias Redders: „Unsere Idee ist: Prominente Stadtlohner und vor allem auch Bürger aus den verschiedensten Berufsgruppen sollen Vertrauen schaffen. Wir stehen auch als Ansprechpartner bereit. Darum sind auch unsere Telefonnummern auf den Karten zu finden.“

Immer wieder hätten bei der Verteilung der Karten am Mittwoch Einzelhändler und Gastronomen die Hoffnung geäußert, dass eine hohen Impfquote auch zu weniger Auflagen führe. Das Klinikum Westmünsterland und die Stadt werden die Flyer ebenfalls auslegen. Redders: „Gerade von der Klinikleitung wurde die Aktion als sehr hilfreich bewertet.“

Buchhändlerin Christel Hinnemann freut sich über die neue Impfkampagne. Mathias Redders überreichte ihr am Mittwoch Karten, auf denen die Impfpaten mit Gesprächsangeboten für den Pieks werben.
Buchhändlerin Christel Hinnemann freut sich über die neue Impfkampagne. Mathias Redders überreichte ihr am Mittwoch Karten, auf denen die Impfpaten mit Gesprächsangeboten für den Pieks werben. © privat © privat

Buchhändlerin Christel Hinnemann ist begeistert. „Ich finde die Idee ganz hervorragend. Die meisten Menschen sind ja schon geimpft. Das Allerwichtigste ist jetzt, dass der Anteil der Geimpften weiter erhöht wird. Die Karten sind ein Anlass, darüber mit den Kundinnen und Kunden ins Gespräch zu kommen.“

Wirt sieht „starke Meinungsbildung an der Theke“

Gastwirt Jürgen Heming von der Alten Krone sieht das auch so. Er spricht von einer „starken Meinungsbildung an der Theke“. Jürgen Heming: „Dabei zählen gute Argumente und Vertrauenswürdigkeit.“

Die allermeisten Stadtlohner seien ja schon geimpft. „Ich kenne nur vier Leute, die es noch nicht sind. Und vier Leute sind für einen Gastwirt eine sehr kleine Gruppe.“

Dennoch will Jürgen Heming seine Gäste aktiv darauf ansprechen. „Ich finde es gut, dass die Impfpaten ehrenamtlich zuerst die älteren Menschen unterstützt haben und jetzt die Impfkampagne weiter vorantreiben. Da helfe ich gerne mit.“

Geschäfte, Einrichtung oder Gastronomiebetriebe, die noch keine Karten erhalten haben, können sich unter Tel. (0176) 55 57 54 98 oder (0160) 5 08 31 31. Redders: „Die Karten werden dann schnellstmöglich geliefert.“

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Stefan Grothues

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