Gruppenbild mit Alpaka: Familie Kampshoff und ihr Wegbegleiter Carmelo bei der Wanderung. © Raphael Kampshoff
Alpakawanderung

Mit Alpakahengst Carmelo durch die „Almsicker Anden“ wandern

Die in den Anden beheimateten Alpakas werden mittlerweile auch in Europa immer beliebter. Markus Olbers hält eine 15-köpfige Herde und nennt das Gelände dafür liebevoll die „Almsicker Anden“.

Eine Alpakawanderung mit meiner Familie, dachte ich, wäre eine gute Idee, etwas gemeinsam zu unternehmen. Bei meiner Frau kommt die Idee gut an, aber bei den Kindern hält sich die Begeisterung in sehr engen Grenzen. „Papa, Alpakas können drei Meter weit spucken, ich habe keine Lust mich anspucken zu lassen,“ ist das Erste, was ich mir vom älteren Sohn anhören kann.

Schnell hat er auch seinen jüngeren Bruder angestachelt, der ebenfalls beschließt, diesen Ausflug zu boykottieren. Es bedarf dann schon einiger Überredungskunst und Zugeständnissen, bis die ganze Familie im Auto sitzt, um sich auf den Weg nach Stadtlohn zu machen.

Zwei, die sich gut verstehen: Julian Kampshoff und Alpaka Carmelo waren bald schon dicke Freunde.
Zwei, die sich gut verstehen: Julian Kampshoff und Carmelo waren bald schon dicke Freunde. © Raphael Kampshoff © Raphael Kampshoff

Ihren Ursprung haben Alpakas, eine domestizierte Kamelform, in den südamerikanischen Anden. Heute gibt es weltweit zwischen drei und vier Millionen Alpakas, den Großteil davon in Peru, Bolivien und Chile.

Vor zehn Jahren begann auch Markus Olbers mit der Zucht von Alpakas. Er hatte eine Weide, die nicht optimal geeignet war, um diese als Acker zu nutzen, aber zur Tierhaltung eignete sie sich gut. Schnell wurde ein Anforderungsprofil erstellt, welches es zu erfüllen galt. Die Tiere müssen mit einer teilweise feuchten Weide klarkommen, sollten aber die Oberfläche nicht zerstören.

Außer kinderlieb sollten sie auch robust und pflegeleicht sein, da nur ein enges Zeitfenster für die Versorgung zur Verfügung steht. So fiel die Wahl auf die Alpakas, die diese Bedingungen voll und ganz erfüllen. Nachdem sich Olbers anfangs lediglich zwei Hobby-Alpakas zugelegt hatte, besuchte er ein Alpakaseminar und beschloss noch im selben Jahr, eine Zucht aufzubauen.

Zur Begrüßung gab es für die Alpakas Leckerchen.
Zur Begrüßung gab es für die Alpakas Leckerchen. © Raphael Kampshoff © Raphael Kampshoff

Als wir mit dem Auto in Stadtlohn-Almsick ankommen, erwartet uns Markus Olbers schon. Ein Alpaka steht wanderbereit am Zaun angebunden. Bei den Kindern ist die Stimmung inzwischen von „keine Lust“ auf ein bisschen Vorfreude umgeschwenkt.

Schnell haben alle ihre Gummistiefel angezogen (Olbers hatte kurz vor der Abfahrt noch geschrieben, dass dies nach dem Regen der letzten Tage die beste Schuhwahl sei) und ab geht es auf die Alpakaweide mit vielen Jungtieren.

Die Frage, ob jemand die Tiere füttern möchte, lässt sich der jüngere der beiden Jungs nicht zweimal stellen und schnell steht er mit Futter in der Hand inmitten der Alpakaherde. Angst zu haben brauche man beim Füttern nicht, erklärt uns der Alpakaexperte, da Alpakas oben im Maul nur eine Kauplatte haben und so nicht beißen könnten.

Der Wegweise auf der Alpakaranch zeigt den Weg nach Peru.
Der Wegweiser auf der Alpakaranch zeigt den Weg nach Peru. © Raphael Kampshoff © Raphael Kampshoff

Nach Ende der Fütterung verlassen wir die Alpakaweide wieder, auf der übrigens ein Wegweiser nach Peru steht, der die Entfernung von 10.440 Kilometern anzeigt. Nach einer kleinen Einweisung, wie unser Alpaka mit dem Namen „Carmelo“ zu führen ist, geht es auf die Wanderung. Natürlich ist es wieder das jüngste und kleinste Familienmitglied, das Carmelo als erstes an der Leine führen will.

Gemächlichen Schrittes geht es durch Almsick. Wichtig sei es, so erklärt uns Markus Olbers, nicht hinter dem Alpaka oder in dessen totem Winkel zu laufen, denn dann sei es schreckhaft und könnte austreten. Auch wenn Alpakas keine Hufe haben wie Pferde, sondern eher eine Hornhaut, könne ein Tritt schon ganz schön wehtun. Alpakas können sehr gut die Körperspannung von Menschen lesen. Ist der Mensch entspannt, dann sind sie es auch.

Alpakabesitzer Markus Olbers (r.) stand den Wanderern mit Rat und Tat zur Seite.
Alpakabesitzer Markus Olbers (r.) stand den Wanderern mit Rat und Tat zur Seite. © Raphael Kampshoff © Raphael Kampshoff

Der fünfjährige Deck-Hengst Carmelo ist inzwischen schon mehrfacher Vater, allein 2020 wurden vier junge Alpakas auf dem Hof Olbers geboren. Da Carmelo die Nacht auf der Wiese verbracht hat, ist der obere Teil seines Fells klatschnass.

Wir greifen tiefer hinein, und: Ein bisschen unter der oberen Schicht merkt man davon aber nichts mehr. Einmal im Jahr, meistens im Mai, werden die Alpakas auf dem Hof Olbers geschoren. Dabei gewinnt man circa fünf Kilogramm Wolle pro Alpaka, woraus sich auch gute Ganzjahresdecken produzieren lassen.

Im Winter hält die Wolle schön warm und im Sommer heizt sie sich nicht auf. Am wertvollsten ist die Schur der ganz jungen Alpakas, weil die erste Wolle am flauschigsten ist.

Ein Mann und ein Alpaka: Autor Raphael Kampshoff und Carmelo auf Wanderschaft.
Ein Mann und ein Alpaka: Autor Raphael Kampshoff und Carmelo auf Wanderschaft. © Raphael Kampshoff © Raphael Kampshoff

Nach sieben Kilometern Wanderung geht es wieder zurück zur Herde. Mein Sohn kann sich zwischendurch vorübergehend von Carmelo trennen und lässt auch mir mal das Vergnügen, mit einem Alpaka spazieren zu dürfen. Ich muss zugeben: Es ist schon sehr entspannend, mit einem Alpaka die Wälder Stadtlohns zu erkunden.

Lange gewöhnen kann ich mich aber daran nicht, schnell will Sohnemann wieder mit dem Carmelo laufen. Auf den letzten Metern zurück fängt der Alpaka-Hengst aber schon an zu trippeln und zu ziehen, um schnell wieder bei seinen Artgenossen zu sein. Da übergibt er die Leine für den Rest der Strecke an seine Mutter.

Am Ziel sorgt Markus Olbers aber ein weiteres Mal für ein Lächeln auf Julians Gesicht: Er darf die beiden Emus auf dem Hof füttern. Diesmal aber nicht aus der Hand, sondern aus einer kleinen Futterschaufel, damit er dem harten Schnabel der Emus entgehen kann.

Auch die Emus gingen auf Tuchfühlung mit den Besuchern.
Auch die Emus gingen auf Tuchfühlung mit den Besuchern. © Raphael Kampshoff © Raphael Kampshoff

Trotz anfänglicher Bedenken der Kinder hat der Ausflug der ganzen Familie großen Spaß bereitet. Bislang hat Markus Olbers die Alpakawanderungen nur für Freunde und Verwandte angeboten.

Für die Zukunft ist das Angebot solcher Wanderungen als Projekt zusammen mit den Eheleuten Heidemann-Jödden angedacht. Konkreter wird dieses Angebot aber wohl erst nach der Corona-Pandemie, sagt der Almsicker.

Corona war im Jahr 2020 auch der Grund, warum der Kaufpreis von Alpakas deutlich gestiegen ist. Die Nachfrage nach Alpakas sei deutlich höher gewesen als das Angebot, so Markus Olbers.

Britta Kampshoff verstand sich blendend mit Alpaka Carmelo.
Britta Kampshoff verstand sich blendend mit Alpaka Carmelo. © Raphael Kampshoff © Raphael Kampshoff

Die Alpakas von Markus Olbers hatten im Jahr 2019 auch schon einen Auftritt in dem Musikvideo „Gravitacion“, als die Hip-Hop Band „Die 257ers“ eine Aufnahme für ihr Album „Alpaka“ auf dem Hof gedreht hat.

Mit zwei am Ende glücklichen Kindern machen wir uns nach gut zwei Stunden wieder auf die Heimreise. Inzwischen haben die beiden eine Menge Fotoabzüge bestellt und können es gar nicht erwarten, ihren Freunden von ihrem Erlebnis zu berichten – wenn sie mal wieder zur Schule gehen können in diesen Corona-Zeiten.

Wissenswertes über Alpakas

  • Die Inkas begannen schon vor circa 5000 Jahren Alpakas und Lamas zu Haustieren zu machen. Während sie die Lamas vorwiegend als Lasttier benutzten, züchteten die Inkas Alpakas hauptsächlich wegen ihrer Wolle.
  • In Europa werden Alpakas heute häufig in der tiergestützten Therapie eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine alternativmedizinische Behandlungsmethode zur Heilung oder Linderung von Symptomen bei psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen und seelischen und geistigen Behinderungen, bei denen Tiere eingesetzt werden. Der Einsatz des Tieres soll dabei positive Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten von Menschen haben.
  • Die Alpakatherapie ist dabei eine relativ neue Form der tiergestützten Therapie. Das zurückhaltende und gleichzeitig freundlich-neugierige Wesen der Alpakas, ihre langsamen und gut zu beobachtenden Bewegungen und die Tatsache, dass die meisten Patienten Alpakas gegenüber sehr offen und wertfrei sind, werden in der Alpakatherapie als motivierende Faktoren genutzt.
  • Die Therapie findet Anwendung bei Kindern mit Entwicklungsstörungen, Menschen mit einer Behinderung, bei denen eine psychische Erkrankung vorliegt, bei Suchtkranken oder einer vorliegenden Traumatisierung oder Verhaltensauffälligkeit.
  • Momentan besteht noch keine formale Qualifikation für die Anbieter solcher Therapien, dementsprechend werden sie auch von den Kostenträgern des Sozial- und Gesundheitswesens nicht finanziert.
  • Alpakas dürfen in Deutschland von Privatpersonen ohne weitere Genehmigung gehalten werden. Voraussetzung dafür ist aber eine artgerechte Haltung nach Maßgabe des Tierschutzgesetzes.
  • Da Alpakas Herdentiere sind, darf man sie nicht alleine halten, sondern braucht mindestens zwei, besser aber mehrere Tiere. Für zwei Tiere ist eine Mindestfläche von 1000 Quadratmetern notwendig, für jedes weitere Tier zusätzliche 100 Quadratmeter.
  • Alpakas erreichen durchschnittliche Widerristhöhen von 80 bis 100 Zentimetern und die Stuten sind mit 55 bis 65 Kilogramm deutlich leichter als Hengste, die bis zu 80 Kilogramm schwer werden können. Die Lebenserwartung von Alpakas beträgt zwischen 20 und 25 Jahren.
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