Mit Augenmaß im Revier

Jagdzeit endet

Meister Lampe schlägt freudig seine Haken. Der Jäger sitzt dem Hasen schon seit Silvester nicht mehr im Nacken. Auch Reh, Hirsch oder Fasan müssen die Flinte seit Mitte Januar nicht mehr fürchten. Denn die Jagdzeit für viele Wildarten geht in diesem Monat zu Ende. Zeit, mit Hegeringsleiter Ulrich Behmenburg Bilanz zu ziehen.

STADTLOHN

24.01.2016, 18:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ulrich Behmenburg, Hegeringsleiter Stadtlohn-Südlohn-Oeding, mit seinen Jadghunden Cantos und Arec.

Ulrich Behmenburg, Hegeringsleiter Stadtlohn-Südlohn-Oeding, mit seinen Jadghunden Cantos und Arec.

43 Jagdbezirke gibt es im Zuständigkeitsbereich des Hegerings Stadtlohn-Südlohn-Oeding, dem Behmenburg vorsteht. Ein großes Gebiet, in dem viele Wildtiere unterwegs sind. Und es wird genau Buch geführt: "Jeder Revierbesitzer muss Streckenlisten führen, die er am Ende des Jagdjahres auf Verlangen dem Kreis Borken vorlegen muss", sagt Behmenburg.

Klar ist: Es wird nicht nach Lust und Laune abgeschossen, nach dem Motto: Hauptsache viel. Im Gegenteil: "Es geht den Jägern um Nachhaltigkeit. Wir wollen einen gesunden Wildbestand erhalten", betont Behmenburg.

Das ganze Jahr über würden die Jäger in den Revieren schauen, wie sich der Bestand entwickelt. Sind noch genügend Hasen da, wie sieht es bei Fasanen, Enten, Tauben oder Kaninchen aus? Dieses Niederwild macht das Gros in den heimischen Revieren aus. Generell gelte: "Im Grunde wird nur der Überhang gegenüber dem Vorjahr erlegt", sagt der Hegeringsleiter.

Verantwortungsbewusst

Im Herbst, vor Beginn der Jagdzeit, geht es mit dem Auto ins Revier, im Scheinwerferlicht werden die Hasen gezählt. Revier für Revier werde schließlich festgelegt, was und wie viel geschossen werden darf. "Eine schlechte Jagdstrecke bedeutet also nicht, dass nur noch wenig Wild im Wald war, sondern, dass mit Verantwortungsbewusstsein erlegt worden ist", sagt Behmenburg.

Seine persönliche Erfahrung in den heimischen Revieren im Jahr 2015: "Ein Drittel der geplanten Jagden wurden ganz abgesagt, bei einem Drittel war der Abschuss zahlenmäßig nur eingeschränkt möglich, bei einem Drittel war die Jadgstrecke normal." Auch die Treibjagden auf das Niederwild fanden 2015 pro Revier nur einmal statt, in vielen Revieren sei aber auch darauf ganz verzichtet worden, weil es im Sinne des Bestandsschutzes nicht verantwortbar gewesen sei.

Ein Viertel aller zur Strecke gebrachten Rehe sterben bei Autounfällen

Wie sieht die Entwicklung im Zuständigkeitsbereich des Hegerings im Detail aus? Die genauen Zahlen liegen erst im Ende März, Anfang April vor. Aber es gibt Tendenzen. Beim Rehwild war 2015 ein besonderes Jahr. Bisher mussten sich die Jäger an den Abschussplan des Kreises Borken halten. Seit dem 1. April 2015 galt das nicht mehr, in den Revieren durfte selbst entschieden werden. „An den Zahlen hat sich aber praktisch nichts geändert, die Nachhaltigkeit des Bestandes stand im Vordergrund“, sagt Behmenburg. Fast ein Viertel aller zur Strecke gebrachten Rehe in NRW (2014/2015: 88 700) starben überdies laut der jüngsten Statistik nach Zusammenstößen mit Autos.

Bei den Wildkaninchen sei eine Tendenz ausmachen: „Im Kreis Borken ist ihre Zahl in einigen Regionen stark zurückgegangen.“ Ihr Bestand hänge sehr stark davon ab, inwieweit die Kaninchenseuche grassiere. Allerdings: „Im Stadtpark oder auf Friedhöfen trifft man die Wildkaninchen sehr, sehr oft an.“

Wildschweine kein Problem mehr

 Kein Problem mehr in den Revieren von Stadtlohn, Südlohn oder Oeding sind die Wildschweine. „Vor sieben, acht Jahren war die Zahl hoch“, sagte Behmenburg. Da mussten die Jäger den Bestand reduzieren, vor allem, weil die Gefahr bestand, dass von diesen Wildtieren die afrikanische Schweinepest übertragen werden konnte.

Füchse: Die Baujagd auf den Fuchs im Kunstbau ist laut Allgemeinverfügung vorläufig bis Ende Februar 2017 erlaubt. Denn sie gefährden zum Beispiel die Bodenbrüter laut der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung ganz erheblich. „Deshalb ist die Bejagung für uns Jäger sind wichtig“, betont der Hegeringsleiter.

Zuguterletzt noch einmal Meister Lampe, dessen Zahl laut letzter Statistik landesweit deutlich sinkt. In Behmenburgs Revieren fällt die „Hasenbilanz“ unterschiedlich aus, mal mehr, mal weniger Strecke und Bestand. Klar ist für den Feldhasen aber, dass bis zum Herbst die Jagd auf ihn ruht und er zurzeit nicht fürchten muss, in der Tiefkühltruhe zu landen

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