Mit gestohlener EC-Karte Stadtlohner Rentnerin das Konto leer geräumt

mlzHandtaschenraub in Stadtlohn

Dass ihr die Handtasche geraubt wurde, hatte eine Rentnerin aus Stadtlohn zunächst gar nicht bemerkt. Ein paar Stunden später war ihr Konto leer. Einer der drei Täter stand nun vor Gericht.

Stadtlohn

, 28.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war ein schöner, sonniger Tag im August. Daran konnte sich die als Zeugin geladene 67-jährige Stadtlohnerin beim Gerichtstermin im Ahauser Amtsgericht am Freitag noch gut erinnern. Sie beobachtete ihre zehnjährige Enkelin beim Spielen an einem kleinen Brunnen in der Innenstadt. Als sie gehen wollten, war plötzlich ihre Handtasche weg, die sie neben die Sitzbank gestellt hatte. Nur ein paar Stunden später war ihr Konto leer, drei Männer hatten am Geldautomaten in Ahaus mit der EC-Karte 2000 Euro abgehoben.

Ein Jahr und zehn Monate Gefängnis

Für den Angeklagten endete die Verhandlung am Freitag mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Zu seinen Gunsten wertete das Gericht sein Geständnis. Die Kamera der Volksbank in Ahaus hatte den Ermittlern allerdings auch gestochen scharfe Fotos übermittelt. Der Angeklagte räumte so ein, mit einem weiteren, aber unbekannt gebliebenen Täter, das Geld mit der EC-Karte der Rentnerin abgehoben zu haben.

Die Handtasche habe aber nicht er entwendet – diese Aussage aus der Vernehmung bei der Polizei wiederholte der 31-Jährige vor Gericht. Die Tasche habe ein gewisser Youssef entwendet, und dieser habe dann einen gewissen Ismail und ihn das Geld abheben lassen. 200 Euro habe er vom Drahtzieher Youssef für die Tat erhalten, übersetzte der Dolmetscher für den Angeklagten. Der 31-Jährige wurde in Sevilla geboren, hatte aber von Algerien aus einen Antrag auf Asyl gestellt und lebt seit fünf Jahren in Deutschland, wie er angab.

Gericht wollte Zehnjährige nicht als Zeugin laden

Die Anklage wegen Diebstahls gegen den 32-Jährigen stellte der Richter in Absprache mit dem Staatsanwalt ein: Um ihm den Diebstahl nachweisen zu können, hätte die zehnjährige Enkelin vor Gericht als Zeugin gehört werden müssen. Darauf wollte das Gericht aber verzichten. Ihre Enkelin habe ihr an dem Sonntag erzählt, dass ein „dunkelhäutiger Mann nervös herumgelaufen und mit dem Handy telefoniert“ habe, gab die Zeugin vor Gericht an.

Sie hatte ihre Großmutter aber nicht darauf angesprochen. „Da hat sie sich nichts bei gedacht, sie ist zehn Jahre alt“ sagte die Stadtlohnerin. Die 67-Jährige ärgerte sich, weil sie sonst immer ihr Portemonnaie und ihre Handtasche, in der sie einen kleinen Zettel mit dem Hinweis „Omas Telefonnummer“ mit sich trug, getrennt bei sich hat. Nur an dem Sonntag nicht. Und in den ersten Stunden der Aufregung habe sie auch vergessen, das Konto sperren zu lassen. Ihre Handtasche habe sie auch nicht wiederbekommen.

Kamera lieferte Fotos von den Tätern

Dem Gericht lag zur Verhandlung eine CD vor, auf der zu sehen war, wie in der Zeit von 13.34 bis 13.42 Uhr Geldbeträge abgehoben wurden. Zweimal gaben die Täter wohl eine falsche PIN-Nummer ein, dann aber tippten sie „Omas Telefonnummer“ richtig und die Kriminellen kamen an das Geld. Selbst die sprichwörtliche diebische Freude bei den beiden vorn am Automaten und bei „Youssef“, der sich in Höhe der Kontoauszugsdrucker befand, war auf den Aufnahmen gut zuerkennen, wie der Richter betonte.

Es war nicht das erste, was der 31-Jährige sich zu Schulden kommen lassen hat. In Handschellen wurde er vorgeführt: Er sitzt zurzeit eine Ersatzhaftstrafe ab, weil er eine Geldstrafe nicht beglichen hat. In Bielefeld hatte er schon ein Jahr wegen Diebstahls im Gefängnis gesessen, noch nicht rechtskräftig ist wegen Revision eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Montagen wegen eines gemeinschaftlichen Raubs mit gefährlicher Körperverletzung.

Richter sah keine positive Prognose

Neu war auch dem Pflichtverteidiger ein aktuelles Verfahren am Amtsgericht Coesfeld wegen einer Körperverletzung. Der Staatsanwalt attestierte dem Angeklagten eine „hohe Rückfallgeschwindigkeit“ und forderte zwei Jahre Haft. Der Verteidiger sah die Lage auch so, dass es nicht mit einer Geldstrafe getan sein werde, forderte aber eine Haftstrafe, die unter dem von der Anklage geforderten Strafmaß liegen solle.

Der Richter sah überhaupt keine positive Prognose, was den Angeklagten angeht. „Es verging immer nur sehr wenig Zeit bis zum nächsten Delikt“, so der Richter. Ein Jahr und zehn Monate lautete das Urteil, zudem soll der Angeklagte der Rentnerin die 2000 Euro erstatten und auch die Kosten des Verfahrens tragen.

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