Norbert Kuhmann und sein Bohrkopf-Sortiment: Es ermöglicht die Verlegung der neuen Trinkwasserleitung unterhalb der Schlinge, ohne dass ein Bagger zum Einsatz kommt. © Stefan Grothues
Trinkwasserleitung

Mit Video: Bohrkopf macht Weg für Trinkwasser unter der Schlinge frei

Ampeln, Einbahnstraßen und Sperrungen: Seit Ostern wird die Geduld der Autofahrer in Südlohn auf die Probe gestellt. Norbert Kuhlmann sorgt nun mit dem Bohrer für Tempo beim Wasserleitungsbau.

Der Bau der neuen, fast zehn Kilometer langen Trinkwasserleitung von Borken zum Wasserwerk in Stadtlohn macht vor allem in Südlohn Umstände: Baustellenampeln, Einbahnstraßenregelungen und Straßensperrungen machen den Autofahrern seit Monaten zu schaffen.

In diesen Tagen kreuzt die neue Wasserleitungstrasse die Schlinge an der Straße Fürstenberg in Südlohn. Ein neuralgischer Punkt. In offener Bauweise müsste der Fluss gestaut werden, um dem Bagger die Arbeit zu ermöglichen. Oder Stahlrohre müssten unter der Schlinge hindurchgepresst werden. Beides würde Wochen dauern und die Verkehrsteilnehmer weiter auf eine harte Geduldsprobe stellen.

Mit Hilfe eines Peilgerätes kann Michell Brillert oberirdisch exakt den Weg des Bohrkopfes in sechs Meter Tiefe verfolgen. Rechts liegt schon die neue Trinkwasserleitung, die in den nächsten Tagen in das Bohrloch eingezogen wird.
Mit Hilfe eines Peilgerätes kann Michell Brillert oberirdisch exakt den Weg des Bohrkopfes in sechs Meter Tiefe verfolgen. Rechts liegt schon die neue Trinkwasserleitung, die in den nächsten Tagen in das Bohrloch eingezogen wird. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Norbert Kuhmann und sein Team sorgen dafür, dass das Projekt Schlinge-Unterquerung nur wenige Tage dauert. Schon Mitte nächster Woche soll der Verkehr auf der B70 wieder frei in beide Richtungen rollen. Der Horizontalspülbohrer macht es möglich. „Kein anderes Verfahren ist schneller“, sagt Karsten Sieger, Geschäftsführer der Firma Tilmann & Co. Tiefbau, die den Wasserleitungsbau für die SVS-Versorgungsbetriebe ausführt.

Norbert Kuhmann ist Bauleiter der Firma Eggert, die die Bohrungen übernimmt. Der 56-Jährige ist ein alter Hase in Sachen Horizontalbohrspülung. In fast drei Jahrzehnten hat er Erfahrungen gesammelt. Viel älter ist das technische Verfahren auch nicht. „Damals konnten wir gerade einmal 20 Meter weit bohren. Heute sind es bis zu 400 Meter, je nach Bohrlochgröße“, sagt Norbert Kuhmann.

Norbert Kuhlmann zeigt an diesem Querschnitt, wie die Horizontalspülbohrung funktioniert.
Norbert Kuhlmann zeigt an diesem Querschnitt, wie die Horizontalspülbohrung funktioniert. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

In Südlohn trennen gut 200 Meter zwei kleine Baugruben dies- und jenseits der Schlinge. Am Donnerstag hat sich der 13 Zentimeter messende Bohrkopf aus Stahl mit Diamant-Bohrkrone auf den Weg durch das Erdreich gemacht. Mit 200 Umdrehungen in der Minute hat er sich in sechs Meter Tiefe unter dem Fluss hindurchgegraben. Drei Meter Vortrieb schaffte er in der Minute.

Mehrere Bohrdurchgänge erforderlich

Oberirdisch verfolgte Michell Brillert mit einem Peilgerät den Weg des Bohrers. Ein Sender im Bohrkopf macht es möglich. So kann Norbert Kuhlmanns Bohrteam jederzeit die Bohrrichtung korrigieren. Orangefarbene Sprühkleckse auf der Fahrbahn und auf dem Gehweg zeigen, welchen Weg der Bohrkopf genommen hat.

Nach dem ersten Bohrdurchlauf wird der Bohrkopf gegen einen größeren ausgetauscht, um das Bohrloch aufzuweiten.
Nach dem ersten Bohrdurchlauf wird der Bohrkopf gegen einen größeren ausgetauscht, um das Bohrloch aufzuweiten. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Das Bohrloch ist noch viel zu klein, um die Wasserleitung mit einem Durchmesser von 35 Zentimetern aufzunehmen. In nun folgenden weiteren drei oder vier Bohrgängen wird das Bohrloch mit immer größeren Bohrköpfen aufgeweitet. Dabei wird der 200 Meter lange Hohlraum mit Bentonit ausgespült. Die Mischung aus verschiedenen Tonmineralien stabilisiert den Hohlraum und dient gleichzeitig als Gleitmittel. „Es umschließt das Wasserrohr wie ein Bett aus Wackelpudding“, sagt Norbert Kuhmann.

Einbahnstraßenregelung nur noch bis Mitte der Woche

Norman Sladeczek, der Technische Leiter für Gas und Wasser bei den SVS-Versorgungsbetrieben, ist froh, dass die Horizontalbohrung für einen zügigen Abschluss der Arbeiten in Südlohn sorgt. „Wir gehen davon aus, dass wir Mitte nächster Woche die Einbahnstraßenregelung in Südlohn aufheben können.“ Die Ampelregelung bleibe voraussichtlich noch bis Anfang August bestehen.

Während unter der Straße der Bohrkopf vorangetrieben wird, kann oben der Verkehr weiter fließen.
Während unter der Straße der Bohrkopf vorangetrieben wird, kann oben der Verkehr weiter fließen. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Nach einer Druck- und einer Hygieneprüfung kann das Trinkwasser aus Borken schon im August durch Teilabschnitte der neuen Leitung fließen. Im Beckedahl ist noch ein kleiner Lückenschluss notwendig. Und bis Ende des Jahres sollen auch die letzten 1,2 Kilometer bis zum Wasserwerk in Hundewick verlegt werden.

„Damit liegen wir trotz Schneechaos und aufwendigen Kampfmitteluntersuchungen sehr gut im Zeitplan. Und wir liegen sogar leicht unter den veranschlagten Kosten“, sagt Norman Sladeczek. Baustart für die insgesamt 9,6 Kilometer lange neue Wasserleitung war im September 2020. Damals wurden 3,5 Millionen Euro für das Projekt veranschlagt.

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Stefan Grothues

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