Am Berkelufer haben Christian Gissel (Foto) und Kollege Jonas Schramek mit den Kontaktbohrungen begonnen. Später wird die Maßnahme auf dem gegenüberliegenden Mühlenumfeld fortgesetzt. © Michael Schley
Bohrungen am Berkelufer

Mit Video: Bombensuche an der Berkel – Firma sucht erneut nach Kampfmitteln

Da sich bei Sondierungsbohrungen in manchen Bereichen Anomalien im Boden auftun, sollen Kontaktbohrungen diese aufklären. Dies geschieht seit dieser Woche auch in Stadtlohn am Berkelufer.

Am Ufergelände der Berkel drehen sich aktuell wieder Bohrer bis zu acht Meter tief in den Boden – für Jonas Schramek und Christian Gissel echte Teamarbeit. Man muss sich gerade bei der Kampfmittelsondierung aufeinander verlassen können, wissen die beiden Mitarbeiter der Spezialfirma Nolte aus Münster mit Sitz in Nottuln.

Seit Anfang der Woche sind der Feuerwerker und der Räumarbeiter mit dem nächsten Abschnitt der Kampfmittelüberprüfung am Berkelufer beschäftigt – später folgt noch das Mühlengelände selbst. Ein weiterer wichtiger Baustein der Baumaßnahmen im Hochwasserschutz und zur Gestaltung des Mühlenumfeldes.

Ausgewertet wurden in einem ersten Schritt die Ergebnisse der sogenannten Sondierungsbohrungen. Bei diesen führte die Firma Bohrungen durch, bei denen ein Kunststoffrohr bis zu acht Meter tief in die Erde gelassen wird. Dort sucht dann eine Sonde nach Magnetfeldern, die von Metall – und eben auch Blindgängern – ausgelöst werden können.

Auswertungen können Anomalien im Boden aufzeigen

Dabei kann es zum Beispiel immer Bereiche geben, die nicht auswertbar sind. Stößt die Messtechnik an ihre Grenzen respektive auf Anomalien im Boden, müssen die Techniker noch einmal bohren, um die Gefahren zu minimieren.

Mit hoher Konzentration bewegt Jonas Schramek im Bagger den Greifarm des Baggers, Christian Gissel lenkt von außen. Die Kontaktbohrungen bauen auf der Auswertung der Sondierungsbohrungen auf.
Mit hoher Konzentration bewegt Jonas Schramek im Bagger den Greifarm des Baggers, Christian Gissel lenkt von außen. Die Kontaktbohrungen bauen auf der Auswertung der Sondierungsbohrungen auf. © Michael Schley © Michael Schley

In diesen Fällen sind es die sogenannten Kontakt- oder Ausschlussbohrungen, die erforderlich werden. „Bei diesen bohren wir mit einer Schnecke – immer in der Hoffnung, auf keine metallischen Gegenstände zu treffen“, erklärt Truppführer Jonas Schramek. Das Team arbeitet dabei eine Aufstellung der Bezirksregierung ab, in der unter anderem GPS-Daten, Punktnummern und Tiefen aufgeführt sind. In einem engen Raster, das sich in pinker Schrift entlang der Uferstraße zeigt.

Gibt es doch Kontakt, dann hat umgehend eine Meldung an die Bezirksregierung zu erfolgen. Denn: „Für die Kampfmittelbeseitigung – eben auch das Entschärfen – ist in Nordrhein-Westfalen der staatliche Kampfmittelbeseitigungsdienst zuständig“, so Jonas Schramek. In Hessen zum Beispiel sei die Struktur eine andere, „da machten wir alles“, ergänzt Christian Gissel. Beide wissen natürlich auch, dass es sich bei einem Kontakt auch um „ein Stück eines Wasserrohrs handeln kann“.

Viel Erfahrung und ein hohes Maß an Disziplin sind wichtig

Die beiden tragen eine hohe Verantwortung, bevor zum Beispiel Pfahlgründungen gebohrt und Spundwände tief ins Erdreich gerammt werden. Dieser Abschnitt war in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 stark bombardiert worden. Sie seien in den vergangenen Jahren durchaus auch schon auf metallische Gegenstände getroffen, erfährt man. „Da hilft uns die Erfahrung, man muss die Ruhe bewahren. Ebenso sind die Sicherheitsvorkehrungen diszipliniert einzuhalten“, berichtet Jonas Schramek. Für überbordende Routine sei kein Raum.

Maßgeblich sei auch die generelle Lage vor Ort. „Es ist schon etwas anderes, ob man an einer Autobahn oder an einer Spielstraße etwas ortet“, erklärt der Truppführer. Die Anspannung steige natürlich auch mit der Häufigkeit potenzieller Funde – ebenso mit der Art der Geräusche. Wie gesagt: Nicht immer muss es sich um einen Bombenfund handeln. Hohe Konzentration ist auch aus alltäglichen Gründen wichtig: An der Uferstraße stelle sich zum Beispiel die Problematik, dass in diesem Bereich eine Telekommunikationsleitung verlegt ist. „Da müssen wir schon stark aufpassen“, sagt Christian Gissel.

Christian Gissel mit einem „Bombensplitter
Christian Gissel mit einem „Bombensplitter”: Ein Erinnerungsstück, das die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes auch dahingehend schärft, nicht in Routinen zu verfallen. © Michael Schley © Michael Schley

Die beiden sind froh, einmal „heimatnah“ eine Baustelle abarbeiten zu können. Schon am Donnerstag wartet der nächste Einsatz in Düsseldorf, aber auch Frankfurt und Stuttgart waren zuletzt Ziele. Ihnen macht die Aufgabe merklich Spaß, die mögliche Gefahr halte sie nicht davon ab: „Man setzt sich auch in anderen Berufen Gefahren aus, wenn man unkonzentriert arbeitet“, betont Jonas Schramek.

Beide wünschten sich, dass sich mehr junge Menschen für diesen spannenden Beruf interessierten. „Der Job ist sicher, liefert Aufstiegschancen und hat Perspektive“, meint Christian Gissel. Noch für bestimmt 150 Jahre gebe es genug Arbeit. Das hätten jüngste Untersuchungen bestätigt. Die Zahl der Blindgänger im Boden in NRW ist immer noch riesig.

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