Höchste Konzentration: Suada Panning positioniert den Bohrer und gibt dem Maschinenführer im Bagger ein Zeichen. © Stefan Grothues
Kampfmittel

Mit Video: Ehepaar spürt Bomben am Berkelufer in Stadtlohn nach

An der Berkel hat die größte Kampfmittelsuche in Stadtlohns Geschichte begonnen. Klaus und Suada Panning, das einzige Ehepaar unter den Kampfmittelräumern, führen die Sondierungsbohrungen durch.

Zündstoff gibt es in jeder Ehe einmal. Klaus (52) und Suada Panning (54) suchen geradezu danach. Beruflich. „Wir sind das einzige Ehepaar, das in der Kampfmittelbeseitigung zusammenarbeitet“, sagt Klaus Panning. Und er fügt noch rasch hinzu: „Wir verstehen uns aber bestens dabei. Und ich bin richtig stolz auf meine Frau.“

Acht bis zehn Meter tiefe reichen die Bohrungen ins Erdreich. Durch ein Plastikrohr wird ein Sondierungsgerät in die Tiefe gelassen, das Metall aufspüren kann.
Acht bis zehn Meter tief reichen die Bohrungen ins Erdreich. Durch ein Plastikrohr wird ein Sondierungsgerät in die Tiefe gelassen, das Metall aufspüren kann. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Die beiden Kampfmittelsondierer arbeiten für die Spezialfirma Nolte, die in den nächsten zwei Jahren systematisch das Berkelufer in Stadtlohn nach Blindgängern aus dem 2. Weltkrieg absucht. Es ist der größte Auftrag zu Kampfmittelüberprüfungen in der Geschichte Stadtlohns. Rund eine Million Euro lässt sich die Stadt die Sondierungsbohrungen kosten, damit bei den anstehenden Baumaßnahmen im Hochwasserschutz und zur Gestaltung des Mühlenumfeldes keine bösen, sprich explosiven Überraschungen auftauchen.

„Es gibt keinen konkreten Kampfmittelverdacht“

„Es gibt zwar keinen konkreten Kampfmittelverdacht, aber bevor Pfahlgründungen gebohrt und Spundwände tief ins Erdreich gerammt werden, muss dieser Abschnitt, der in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 bombardiert worden ist, aufgrund gesetzlicher Bestimmungen untersucht werden“, sagt Gerd Große Frericks, Tiefbauexperte der Stadt Stadtlohn.

Suada Panning dirigiert an der Uferstraße in Höhe der Losbergschule den großen Bohrstab an die richtige Stelle. Dann frisst sich der Bohrer langsam ins Erdreich, acht bis zehn Meter tief. Der Maschinenführer im Bagger zieht den Bohrstab langsam wieder heraus. Jetzt müssen Suada und Klaus Panning schnell sein. Mit geübten Handgriffen führen die beiden ein Kunststoffrohr in das Bohrloch ein.

Vom Bergbau zum Kampfmittelräumdienst

Klaus Panning, Truppführer der Kampfmittelräumer, ist eigentlich gelernter Bergmann. Dann schulte er zum Speditionskaufmann um. Doch die Büroarbeit behagte ihm nicht so. Daher nahm er sich ein Beispiel an seinem Vater, der als Quereinsteiger im Kampfmittelräumdienst arbeitete. Klaus Panning: „Jetzt bin ich seit 23 Jahren Kampfmittelräumer. Ich mag den Beruf. Er ist nicht stupide. Mich reizt die Herausforderung.“

Suada Panning lässt die Messsonde in das Bohrloch hinab, während die Daten auf dem Gerät in der Hand ihres Mannes Klaus Panning aufgezeichnet werden. Die Messergebnisse werden von Spezialisten der Bezirksregierung Arnsberg ausgewertet.
Suada Panning lässt die Messsonde in das Bohrloch hinab, während die Daten auf dem Gerät in der Hand ihres Mannes Klaus Panning aufgezeichnet werden. Die Messergebnisse werden von Spezialisten der Bezirksregierung Arnsberg ausgewertet. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Suada Panning lässt nun einen Metallstab an einem Kabel in das Kunststoffrohr hinab. Ihr Mann hält ein Messgerät in der Hand. Es zeichnet Veränderungen im Erdmagnetfeld auf. Die können durch das Metall von Munition oder Sprengkörpern verursacht sein – oder von einer alten Schraube. „Die Daten gehen per E-Mail an den Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe. Da werden sie von Spezialisten ausgewertet.“

Sondenführerin nach der Familienphase

Suada Panning arbeitet seit fünf Jahren als Sondenführerin im Kampfmittelräumdienst. „Als unsere Kinder erwachsen waren, hat sie nach einer Beschäftigung gesucht. Ich bin froh, dass sie jetzt in meinem Trupp arbeitet. Weil ich weiß, dass ich vollstes Vertrauen zu ihr haben kann“, sagt ihr Mann.

Zuverlässigkeit und Umsicht sind wichtige Eigenschaften in der Kampfmittelsuche. „Ich weiß, wie es klingt, wenn der Bohrer auf Metall stößt. Das ist ein ganz eigenes Geräusch, komisch quietschend. Das merkt man sich“, sagt Klaus Panning. In solchen Fällen sei höchste Vorsicht geboten. „Es ist wichtig, dass wir ab und zu auf Kampfmittel stoßen. So bleibt der Respekt vor den Gefahren wach. Es darf keine Routine einkehren.“

“Ich bin stolz auf meine Frau. Wir sind das einzige Ehepaar in der Kampfmittelbeseitigung”, sagt Truppführer Klaus Panning über seine Frau Suada. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Vor allem dann nicht, wenn die Messdaten uneindeutig sind. „Dann ist Schippenarbeit gefragt“, sagt Klaus Panning. Die möglichen Sprengkörper vorsichtig freizulegen und gegebenenfalls zu bergen, das gehört zu seinen Aufgaben. Die Entschärfung ist Sache der staatlichen Kampfmittelräumer.

Über 1000 Bohrlöcher sind noch notwendig

120 Sondierungsbohrungen haben Klaus und Suada Panning in den letzten Tagen an der Uferstraße durchgeführt. Über 1000 stehen noch aus. Immer im genau festgelegten Abstand von 1,50 Meter. Das Halterner Ehepaar wird noch manches Mal nach Stadtlohn fahren müssen. „Und zwar so, wie es uns mein alter Ausbilder beigebracht hat“, sagt Klaus Panning lachend: „Bei strenger Pflicht getreu und schlicht!“

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Stefan Grothues

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