Karin und Thomas Höing halten in ihrem Oldtimer-Museum vor einem Audi-Camper ein wenig inne. © Andreas Bäumer
Museum in Stadtlohn

Mit Video: Oldtimermuseum erlaubt Blick in Geschichte von Audi, Siku und Co.

Thomas Höing ist Audifan und Sammler. Seine Frau Karin und er stellen in ihrem Museum Audis aus. Ihre riesige Sammlung von Automodellen gibt einen Blick in die Vielfalt des Benzin-Zeitalters.

Ein umgebauter Audi 90 quattro, also mit Allrad geländegängig, so hoch gelegt, dass er durch 45 Zentimeter tiefes Wasser fahren kann. Er hat überbreite Reife, darüber ausladende Schutzbleche, vorn eine Ölkühlung, einen Bullenfänger und mit gestanztem Blech geschützte Blinker und hinten zwei große Auspuffe. Am Armaturenbrett sind zusätzliche Anzeigen für Öldruck und -temperatur.

Als Thomas Höing mir den tiefschwarzen TreserAudi Hunter von 1985 zeigt und lebendig über dessen morgenländische Geschichte berichtet, schlägt bei mir der Funke über. Scheichs aus Oman und Dubai haben ihre Hunter für Wüstenfahrten und Falkenjagd genutzt. Walter Treser, ehemals Audi Rallyesport-Chef und dann selbstständiger Autotuner, hat den Umbau dieser Audis geleitet.

Der Wagen wäre zum Fahren bereit, ein Ladegerät hält seine Batterie funktionsfähig. Doch vielleicht ist es ganz gut, dass er hier im Oldtimer- und Automodell-Museum steht, denn Thomas Höing beschreibt plastisch, wie das Ballern des 250 PS-starken Fünfzylinders Wände zum Vibrieren bringt.

Das Museum ist nicht nur für Autofans

Das Privat-Museum Höing liegt an der Von-Ardenne-Straße in einer hinteren Ecke des Industriegebiets West in Stadtlohn. Laut Höing ist das ganz passend für Treffen von Autoklubs, die hier nun bald wieder stattfinden können. Lancia-, Fiat500- oder auch Mercedes S-Klasse-Klubs auch aus Ausland haben es gern besucht, berichtet Höing.

Doch auch Frauenstammtische freuten sich an den Autogeschichten, die Höing lebendig erzählt. Er hat sie sich teils bei Buchrecherchen über die lange Geschichte der Modellbaufirma Siku aus Lüdenscheid angeeignet, aber auch über Treffen mit Autofans und Gesprächen mit Tunern wie Walter Treser.

Ein B52 Stratofortress © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Von außen ist das Museum ein unscheinbarer Betonbau, sein Inhalt macht wesentlich mehr her. Der studierte Bau-Ingenieur Thomas Höing hat es auf Anregung seiner Frau Karin geplant und es wurde 2010 sehr schnell gebaut. Vorn ist ein Café und der Schauraum des zugehörigen Automodell-Versands. Weiter hinten stehen auf zwei Etagen dicht an dicht Audi-Youngtimer und -Sonderkarosserien von 1965 bis 1998, ein Aufzug für die Fahrzeuge inklusive. Das Museum ist für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer barrierefrei.

Die Modelle bieten Überblick zur Autogeschichte

Karin Höings Leidenschaft gilt Oldtimern, ihr Mann Thomas, so sagt sie, hat dort vier Ringe, wo andere zwei Augen haben – seine Leidenschaft gilt der Marke Audi, aber eben auch den Modellen der Firma Siku und anderer. Von Audi gibt es im Museum die ausführlichste Modellsammlung: Serienmodelle, Rally-Autos, Design-Studien und Sonderkarosserien von Tunern wie Treser.

Fotostrecke

Siku-, Audi- und Oldtimermuseum Höing

Doch die Sammlung umfasst insgesamt 30.000 Modelle und wird bei manchem Kindheitserinnerungen wecken. Sie umfasst den Zeitraum ab 1951: Busse mit Panorama-Fenster, das Atombombenflugzeug B52-Stratofortress, Polizei-Bullis, Traktoren, aus Plastik gestanzte und handbemalte Schilder und Pflanzen-Arrangements für den Eisenbahn-Modellbau und unzählige Automodelle, arrangiert in Dioramen und in Wandvitrinen geordnet.

Thomas Höing forscht über diese Modelle, findet heraus, welchem 1:1-Original genau sie entsprechen und welche Geschichte die Autos dann haben. Seine Siku-Recherchen wendet er gerade der Vorkriegszeit zu. Auch bei den ausgestellten Audis kann er meist die gesamte Linie der Vorbesitzer nachweisen und darüber erzählen, über Scheichs, Verbrecher und Audi-Fans, die ihre Youngtimer gut pflegen.

Front des Audi 100 Coupé S
Höing ist stolz auf diesen sehr gut erhaltenen Audi 100 Coupé S. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Mit manchen dieser Fans haben die Höings guten Kontakt. So wurden dem Museum jüngst zwei speziell ausgebaute Wagen geschenkt, ein Krankenwagen des Bayrischen Roten Kreuzes und ein tiefblauer Audi Avant des THW Dillingen.

Zwei weitere Standbeine finanzieren den Museums-Betrieb mit. Die Höings verkaufen online Siku- und andere Modelle und vermieten für Oldtimer- und Youngtimer Überwinterungs-Plätze in ihrem klimatisierten Museum. Der Museumsbetrieb selbst startet derzeit noch langsam, inzwischen sind Führungen mit zehn Personen gestattet. Mehr auf der Internetseite (www.oldtimermuseum-hoeing.de)

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