Der alte Güterwagen am Bahnhof bewegt die Stadtlohner Bevölkerung. Seit dem Wochenende hat sich die Lage zugespitzt. Ein Stadtlohner begann mit der Demontage. Ob er dies befugt oder unbefugt getan hat, ist Gegenstand der Ermittlungen der Polizei. © Michael Schley
Alter Güterwaggon

Mit Video: Stadtlohner zerlegt Güterwagen am Bahnhof – bis Polizei einschreitet

Seit Samstag war ein Stadtlohner damit beschäftigt, den alten Güterwaggon am Bahnhof zu zerlegen. Am Donnerstagmorgen schritten dann Polizeibeamte ein und stoppten die Maßnahme. Es wird ermittelt.

Vielen Stadtlohnern ist er ein Dorn im Auge, seit Samstag sah es so aus, als solle er bald Geschichte sein: Der alte Güterwagen G10 am Bahnhof wurde seitdem zerlegt. Ein Stadtlohner (Name ist der Redaktion bekannt) hatte die Arbeiten aufgenommen. Die Holzplanken wurden demontiert, mit einem Schneidbrenner wollte er sich an die Metallstreben machen, so sein Plan.

„Das Dach soll in Privatbesitz übergehen, da es noch gut erhalten ist“, erklärte der Handwerker am Montagmorgen auf Nachfrage. Bestehen bleiben solle auch das Chassis – Ideen zur weiteren Verwendung gäbe es bereits. Doch ob diese irgendwann einmal umgesetzt werden, ist nunmehr mehr als fraglich. Es gab eine entscheidende Wende. Am Donnerstag erinnerten nur noch eine angelehnte Leiter und eine Werkzeugkiste ans Werk. Die Polizei war eingeschritten.

Anzeige ist offiziell gestellt worden

Hinzugezogen wurde auf einen ersten Hinweis am Dienstag schon der Bezirksbeamte aus Stadtlohn. Warum? „Es liegt eine Anzeige vor“, bestätigte Dietmar Brüning von der Polizeipressestelle Borken. Den Stadtlohner traf dieser aber nicht an. Das änderte sich am Donnerstagmorgen, als die Polizei gegen 6.20 Uhr einen Anruf erhielt, dass der Mann die Demontage wieder aufgenommen habe. „Nun wurde der Mann auch angetroffen. Ihm wurde umgehend ein Platzverweis erteilt“, erklärte Brüning.

Alles Weitere sei nun Gegenstand der Ermittlungen. Geklärt werden müsse insbesondere, ob dem Stadtlohner ein Auftrag zum Abbau erteilt worden ist oder nicht. Also, ob dieser befugt oder unbefugt gehandelt hat. Konkretere Aussagen ließen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht machen.

Nicht zuletzt in den Sozialen Netzwerken war in der Vergangenheit von Stadtlohner Bürgern wiederholt Unmut über die Situation geäußert worden – vor allem zum Zustand des Waggons. Heinz Garwer, der Gründer des angrenzenden WLE-Eisenbahnmuseums, hatte am Montag noch gehofft, dass dieses Kapitel nun beendet werde: „In diesem Zustand ist der Waggon doch ein Schandfleck für Stadtlohn.“ Weiter: „Wir werden immer wieder auf den Waggon angesprochen, doch haben wir gar nichts mit diesem zu tun“, erklärte er.

Waggon diente ursprünglich zu Werbezwecken

Ursprünglich war der Waggon zu Werbe- und Dekorationszwecken für den ehemaligen Blumenladen im Bahnhof aufgestellt worden. Beim Erwerb hatten die Eisenbahnfreunde noch tatkräftig unterstützt, über die Museumseisenbahner in Alstätte kam der G10 nach Stadtlohn. Der Blumenladen war bald passé, der Waggon blieb – und zerfiel mehr und mehr. Nunmehr seit über sieben Jahren wieder.

Neben den fehlenden Holzplanken erinnert allein noch eine angelehnte Leiter an die Arbeiten von Samstag bis Dienstag.
Neben den fehlenden Holzplanken erinnert allein noch eine angelehnte Leiter an die Arbeiten von Samstag bis Dienstag. © Michael Schley © Michael Schley

Nun bleibt abzuwarten, was passiert. In diesem demontierten Zustand könnte der Waggon in jedem Fall eine Gefahrenquelle darstellen. Das wurde hin und wieder mal angeprangert. Auf Anfrage bei der Stadtverwaltung sei diese über die jetzigen Maßnahme nicht informiert gewesen.

„Die zuständige Kollegin wusste nur, dass der Eigentümer die Überlegung getroffen hatte, den Waggon aufgrund seines Zerfalls auf Dauer zu entfernen“, erklärt Florian Sicking von der Pressestelle. Dies sei jedoch nicht auf Initiative der Stadt Stadtlohn geschehen, auch wenn es seinerzeit schon Anregungen hierzu aus der Politik gegeben hatte.

Der Eigentümer wollte sich auf Nachfrage zum Vorfall nicht äußern.

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