Mittelstands-Oscar für Bauunternehmen Heitkamp & Hülscher

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Preise hat sich die Firma Heitkamp & Hülscher viele erarbeitet. Für Geschäftsführer Erwin Hülscher ist aber auch der Große Preis des Mittelstands kein Grund, sich auf Lorbeeren auszuruhen.

Stadtlohn

, 02.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bereits seit 2014 steht das Stadtlohner Unternehmen im renommierten Wettbewerb der Oskar-Patzelt-Stiftung auf der Nominierten-Liste oder sogar auf der der Finalisten. In diesem Jahr war Erwin Hülscher bei der großen Gala am Samstagabend in Düsseldorf aber einer von elf Unternehmern, denen der „Mittelstands-Oskar“ überreicht wurde. Darunter auch, wie berichtet, Hans-Jürgen und Wolfgang Büscher (Betonwerk Heek).

Das „Wie“ entscheidet

Was aber ist das Besondere an einem Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 25 Mllionen Euro, dessen Kerngeschäft Tief- und Straßenbau ist? „Das klingt nicht besonders sexy“, findet auch Firmenchef Hülscher und ergänzt: „Es geht nicht darum, was ein Unternehmen macht, sondern wie es etwas macht.“

Und da kann die GmbH und Co. KG, die 1958 vom Vater des aktuellen Geschäftsführers gegründet wurde zahlreiche Pluspunkte vorweisen, die offenbar auch die Jury der Oskar-Patzelt-Stiftung beeindruckt haben. Der Wichtigste: Nicht das machen, was alle anderen in der Branche tun. Erwin Hülscher nennt es Kunden- und Mitarbeiter-Orientiertheit. Das heißt für H&H konkret: Die Kundschaft nicht hauptsächlich bei der Öffentlichen Hand zu suchen und auch mit den Mitarbeitern Neuland zu betreten.

Erfolg außerhalb der Öffentlichen Hand

Seine Kundschaft sucht sich das Stadtlohner Unternehmen inzwischen vielfach in der Industrie. Im vergangenen Jahr generierten die Stadtlohner Straßenbauer 75 Prozent ihres Umsatzes mit Kunden aus dem nicht-öffentlichen Bereich. Dazu zählt auch als Leuchtturm-Projekt die 40 Kilometer lange Stromtrasse, die man zusammen mit Partnern (Bogenstahl, Legden; Stewering, Borken und Rohrleitungsbau Niederrhein, Duisburg) im Großraum Aachen baut. Auftragsvolumen: 40 Mio Euro. Gedacht als künftiges Referenzprojekt für den Bau einer Nord-Süd-Strom-Autobahn. Während im öffentlichen Bereich alles über den Preis liefe, könne man bei privaten Auftraggebern mit Qualität, Termintreue und zusätzlichen Service überzeugen.

In der Begründung der Jury klingt das so: „Für seine Kunden strebt das Unternehmen stets nach bestem Service. Forschung und Entwicklung wurden 2018 mit 350.000 Euro vorangetrieben, unter anderem für neue Materialtechnologien und 3D-Forschung. Außerdem bietet die GmbH für ihre Kunden ein innovatives Bewertungsportal und Portale für Kostenvoranschläge. Es veranstaltet Workshops und arbeitet an einem Kundenhandbuch.“

Mitarbeiter sind auch Mitunternehmer

Mitarbeiter-Orientierung sei in seinem Haus nicht nur eine Phrase, sondern werde schon seit Jahren gelebt, sagt Erwin Hülscher. Sein stärkstes Argument: Schon 2006 wurde 50 Prozent des Anlagevermögens in Mitarbeiter-Hände gegeben. Mit der H&H Team GmbH und Co. KG wurden aus Mitarbeitern Mitunternehmer, die auch finanziell am Erfolg des Unternehmens beteiligt sind.

Der positive Effekt: Mit-Eigentümer gehen sorgsamer mit Maschinen und Gerätschaften um, sparen damit Kosten, und die größere Identifikation führt gleichzeitig zu einer stärkeren Identifikation und damit höheren Motivation mit ihrem Betrieb. Zudem profitieren die aktuell 102 Mitarbeiter und acht Azubis vom betrieblichen Gesundheitsmanagement, breiten Angeboten von Fort- und Weiterbildung, den Möglichkeiten einer dualen Ausbildung wie auch der, innerhalb des Unternehmens zu rotieren.

„Blaupause“ für andere Unternehmen

Solche erfolgreichen strategischen Entscheidungen – 2018 gab es ein Umsatz-Plus von 20 Prozent – wurden nicht nur bei der Begründung für die Preisvergabe an Heitkamp & Hülscher als preiswürdig benannt, sondern haben in der Branche längst Vorbildcharakter. Erwin Hülscher: „Was wir machen, ist für manche andere praktisch die Blaupause.“

Dass man schon vielfach ausgezeichnet wurde, 2016 „Bauunternehmen des Jahres“ war, den „Xing New Work Award“ und jetzt eben den „Großen Mittelstandspreis“ bekam, ist für Erwin Hülscher keine neue Erfahrung, aber Jedes Mal auch ein Ansporn: „Es ist der Beweis, dass wir offenbar wohl etwas richtig machen.“

Die Voraussetzungen für den Mittelstandspreis

  • Die Unternehmen können sich nicht selbst bewerben, sondern werden nominiert.
  • Heitkamp & Hülscher wurde von Karlheinz Busen (MdB), Verkehrsminister Hendrik Wüst, Wilhelm Korth (MdL), der Bezirksregierung Münster, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Borken, sowie von der Wissensbilanz Deutschland nominiert.
  • Auszeichnungswürdig beim Großen Preis des Mittelstands sind außer den Preisträgern die Finalisten, die sich gegen eine Konkurrenz von ursprünglich 5399 Nominierten aus vier Regionen durchgesetzt haben.
  • Heitkamp & Hülscher war 2014 Finalist, in diesem Jahr war es ein zweites Unternehmen aus Stadtlohn, das geehrt wurde: Die Firma Tenbrink schaffte es als eines der 20 von ursprünglich 497 nominierten Unternehmen aus NRW in die Endrunde.
  • Tenbrink wurde ebenfalls von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken sowie der Bezirksregierung Münster nominiert.
    Auszeichnung für einen von 20 Finalisten: Für das Stadtlohner Unternehmen Tenbrink nahmen Geschäftsführerin Annabell Tenbrink und Geschäftsführer Frank Wessels die Auszeichnung entgegen.

    Auszeichnung für einen von 20 Finalisten: Für das Stadtlohner Unternehmen Tenbrink nahmen Geschäftsführerin Annabell Tenbrink und Geschäftsführer Frank Wessels die Auszeichnung entgegen. © Boris Loeffert

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