Nach der Flut kam am Wochenende der Abrissbagger: Der Pavillon des DJK-Ferienlagers in Hönningen ist abgerissen worden. © privat
Hönningen-Lager

Nach Abriss des DJK-Pavillons überrascht Hönningen die Stadtlohner

Das war ein bitteres Wochenende für das DJK-Team der Hönningen-Freizeit. Der flutgeschädigte Pavillon im Ahrtal ist abgerissen worden. Hönningens Bürgermeister sorgt aber für einen Lichtblick.

„Es ist wohl besser, dass wir nicht dabei waren. Es ist schon so schwer genug.“ Marc Klein-Günnewick und seine Mitstreiter vom DJK-Lagerteam reicht es, die Fotos zu sehen, die ihre Freunde in Hönningen gemacht haben: Vor dramatischer Wolkenkulisse zerlegt ein Bagger den Pavillon im Ahrtal. Die Schäden, die die große Flut im Juli angerichtet hatte, ließen keine andere Wahl.

Der Abriss erfolgte am vergangenen Wochenende. Eine Woche zuvor hatte das Lagerteam noch alles leergeräumt. Und schon den Schmerz gespürt. „Das war ja 40 Jahre ein zweites Zuhause für uns, die Lagergemeinschaft eine zweite Familie“, sagt Marc Klein-Günnewick, der zusammen mit Norbert Vos seit Jahren die Verantwortung für das integrative Ferienlager der DJK in Hönningen trägt.

Auch auf der Facebook-Seite der DJK fließen seither viele virtuelle Tränen. „Es stecken so viele Erinnerungen darin …“, schreibt ein ehemaliger Lagerteilnehmer. „Unfassbar“, schreibt ein anderer. Und ein dritter betont: „Ich kann es auch nicht glauben! Ein Ende ist aber auch ein Neuanfang!“

Fokus lag zunächst auf Hilfe für die Flutopfer

Das sieht auch Marc Klein-Günnewick so. „Unser Fokus für den Neuanfang lag zunächst aber nicht auf unserem Ferienlager. Das hat große Bedeutung. Aber angesichts der existenziellen Not der Menschen im Ahrtal ist es am Ende doch nur ein zweiwöchiges Ferienlager. Wir wollten zuerst unseren Freunden in Hönningen helfen.“

Die Spendenfreude der Stadtlohner hat das DJK-Team positiv überrascht. „Viele, viele große und kleine Spenden sind eingegangen. Ich konnte gestern wieder 10.000 Euro nach Hönningen überweisen. Und es gehen weiter Spenden ein.“ Damit ist die Hilfe für Hönningen aus Stadtlohn auf 50.000 Euro angewachsen.

„Ich bin absolut überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Stadtlohner“

Dazu erklärte am Donnerstag Hönningens Bürgermeister Jürgen Schwarzmann im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ich bin absolut überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Stadtlohner.“ Der ehrenamtliche Bürgermeister, der selbst zwölf Stunden von der Flut im Kindergarten eingeschlossen war, muss sich jetzt als Krisenmanager bewähren. 100 Häuser in seiner Gemeinde waren überflutet, die Infrastruktur ist schwer getroffen.

Aber Jürgen Schwarzmann blickt voller Zuversicht in die Zukunft. „Ich habe in den letzten vier Wochen 1200 Telefonate geführt. Wir haben schon zwei Straßen neu gebaut, die Sanierung des Kindergartens beginnt“, sagt er. Der Zusammenhalt in der Gemeinde und die Hilfsbereitschaft von außen nähren seinen Optimismus.

Bürgermeister revanchiert sich für Spendenfreude

Und die Hilfe ist keine Einbahnstraße. Hönningens Bürgermeister Jürgen Schwarzmann hat für die DJK den kostenlosen Abriss des Pavillons organisiert, der dort 40 Jahre stand. Anfang der 1980er-Jahre hatte das Generalvikariat der DJK den Pavillon überlassen, der bis dahin von der Bischöflichen Canisiusschule in Ahaus genutzt worden war. Tausende von ehrenamtlichen Arbeitsstunden hat die DJK in den Aufbau des Pavillons in Hönningen investiert. Zuletzt waren die Räumlichkeiten bis 2018 von Grund auf saniert worden.

Der Pavillon wurde als Lagerküche genutzt. Dort gab es auch rollstuhlgerechte Toiletten und Schlafplätze für das integrative DJK-Lager. Außerdem wurde es als Lager für die jetzt zerstörten Zelte genutzt. „Wir müssen jetzt sehen, wie wir das organisiert kriegen“, sagt Marc Klein-Günnewick.

Hönningen kauft neue Wohncontainer für die Stadtlohner DJK

Denn eines sei sicher: 2022 soll wieder ein DJK-Lager in Hönningen stattfinden. 15.000 Euro hat die DJK bereits auf ihrem Spendenkonto „Wiederaufbau der inklusiven Ferienfreizeit“ bei der Sparkasse Westmünsterland gesammelt. Den Wert des verloren gegangenen Equipments beziffert Marc Klein-Günnewick auf 130.000 Euro – den Pavillon nicht mitgerechnet.

Was das Stadtlohner Lagerteam am Donnerstag noch nicht wusste, verriet Hönningens Bürgermeister Jürgen Schwarzmann unserer Redaktion ganz exklusiv: „Ich habe zwei Wohncontainer für unsere Stadtlohner Freunde gekauft, die werden am Standort der DJK aufgestellt.“ Dort können zunächst Fluthelfer übernachten. Im nächsten Sommer aber sollen sie der Stadtlohner DJK für ihr Ferienlager zur Verfügung gestellt werden.

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Stefan Grothues

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