Nach Kritik an Sternsingern: Kinder-Missionswerk erklärt, was mit den Spenden passiert

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An der Haustür und im Netz gibt es oft Vorbehalte gegenüber der Spendensammlung der Sternsinger. Kaplan Jonas Hagedorn und das Kindermissionswerk erklären, was mit den Spenden passiert.

von Christin Lesker

Stadtlohn

, 08.01.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn man Kinder zum Betteln schickt". Das ist ein Kommentar, der auf Facebook unter dem Artikel zur Sternsinger-Aktion in Stadtlohn gepostet wurde. „Kinder und Kirche haben noch nie zusammen gepasst“, heißt es weiter. Im Internet sind oft ähnliche Kommentare zu lesen. Die Kirche würde Kinder instrumentalisieren, um Geld zu erbetteln und es sich selbst in die Tasche zu stecken.

„In solchen Kommentaren machen Menschen ihrer Unzufriedenheit über die Kirche Luft“, weiß Thomas Römer vom Kindermissionswerk, das die Sternsinger-Aktion organisiert. „Wenn man die negativen Nachrichten im kirchlichen Kontext hört, kann ich verstehen, dass man an einer solchen Aktion zweifelt“, findet der Stadtlohner Kaplan Jonas Hagedorn. Aber das Kindermissionswerk sei in seiner Arbeit sehr transparent.

73,7 Million für Projekte weltweit

Im Jahr 2018 sind durch das Dreikönigssingen und andere Projekte 76,6 Million Euro gesammelt worden. Im Jahresbericht wird aufgezeigt, dass der Großteil des Geldes, nämlich 73,7 Million Euro unmittelbar in die Projekte fließt. Dabei wird auch deutlich, dass 7,5 Prozent der Spenden für Werbe- und Verwaltungsaufwände ausgegeben werden. Dieser Anteil wird vom Deutschen Sozialinstitut für soziale Fragen (DZI) überprüft und als „niedrig“ eingestuft.

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„Alle Spenden, die hier gesammelt werden, gehen an das Kindermissionswerk“, macht Jonas Hagedorn klar. Trotzdem können mit den Spenden auch die Partnerprojekte der Stadt Stadtlohn unterstützt werden. Denn die Gemeinde kann dem Kindermissionswerk Projekte vorschlagen. Nach einer ausführlichen Prüfung werden die Spendenziele anerkannt.

Nicht nur ein Projekt wird unterstützt

„Die Gemeinden übergeben 100 Prozent der Spenden an das Kindermissionswerk“, erklärt auch Thomas Römer. „Das Werk unterstützt gut 1300 Projekte in rund 100 Ländern damit.“ Es gebe zwar jedes Jahr ein Beispielland, allerdings fließen nicht alle Spenden dorthin. „Wir könnten dort goldene Wasserhähne bauen, wenn das gesamte Geld an ein Projekt ginge“, macht der Pressebeauftragte klar. Stattdessen werden die Spenden anteilig und je nach Bedarf auf die Projekte aufgeteilt.

„Darüber entscheidet eine Kommission. Wir machen sehr selten Vollfinanzierungen, damit die Partner vor Ort einen Teil selbst aufbringen und sich so nicht ganz abhängig von den Spendengeldern machen. Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen.“ Dabei bezieht die Organisation keine Mittel aus Kirchensteuern.

„Alle Kosten für zum Beispiel Verpflegung und Kreide, die bei der Sternsinger-Aktion entstehen, trägt die Kirchengemeinde selber“, erklärt der Kaplan. Das heißt, die Spenden werden nicht genutzt, um die Unkosten zu decken.

Größte Aktion von Kindern für Kinder

„Ich persönlich begegne selten solchen Vorurteilen wie auf Facebook“, erklärt Jonas Hagedorn. Er findet, den Fokus der Sternsinger-Aktion solle man an anderer Stelle sehen. „Das ist die größte Aktion von Kindern für Kinder“, macht er klar. „Wenn ich die Begeisterung und den Stolz der Kinder am Ende der Aktion sehe, vertraue ich darauf, dass sie freiwillig kommen und gerne etwas Gutes tun.“

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„Die Kinder werden vor der Aktion darauf vorbereitet. Sie wissen, wofür sie sammeln gehen und tun es gerne. Das ist weit davon entfernt, sie zu instrumentalisieren“, findet Thomas Römer. „Diese Kinder bekommen ein Gefühl fürs Helfen und die Situation anderer Menschen.“

Power für eine gerechtere Welt

Thomas Römer weiß aus Erfahrung als Sternsinger: „Auch früher gab es schon die, die die Tür vor der Nase zugeschlagen haben. Es wird immer Menschen geben, die den Einsatz für eine gerechtere Welt nicht verstehen, aber der Großteil freut sich über die Sternsinger, ganz unabhängig davon, wie er zur Kirche steht.“ Die jährlich steigenden Spendeneinnahmen würden außerdem zeigen, welches Vertrauen viele Menschen in die Organisation haben.

„Die etwa 90.000 Ehrenamtlichen und 300.000 Sternsinger stecken so viel Power in die Aktion. Ohne ihr Engagement wäre unsere Hilfe auf der ganzen Welt gar nicht möglich. Darauf sind wir unglaublich stolz“, macht Thomas Römer klar.

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