Auf dieser Gewerbeflächen zwischen Alter Dyk und Bahnallee sollen nach dem Willen des Investors fünf Häuser mit insgesamt 29 Wohneinheiten entstehen. Die Nachbarn sind alles andere als begeistert. © Stefan Grothues
Alter Dyk

Nachbarn haben Bedenken: Planung für 29 Wohnungen liegt weiter auf Eis

Investor und Anwohner sind weiter uneins über die zumutbare Bebauung an der Straße Alter Dyk. Der Bebauungsplan liegt weiter auf Eis. Alles hängt jetzt an einem Staffelgeschoss.

Auf einer 5300 Quadratmeter großen Gewerbefläche zwischen der Straße Alter Dyk und Bahnallee will ein Investor fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 29 Wohnungen errichten. 2019 hatte der Bauausschuss das dafür notwendige Bebauungsplanverfahren eingeleitet. Am Dienstagabend sollte der dafür notwendige Bebauungsplan im Umwelt- und Bauausschuss verabschiedet werden. Doch dazu kam es nicht.

Viele Anwohner des Alten Dyks lehnten die Planungen von Anfang an ab. Zu hoch, zu groß, zu viele Wohnungen, zu nah am Wald, zu viel Verkehr. In den im Laufe des Bebauungsplanverfahrens gemachten Einwendungen wurde gar ein „Ghetto-Charakter“ im neuen Wohnquartier befürchtet.

Vier der fünf Mehrfamilienhäuser sollen zweigeschossig mit einem zusätzlichen Staffelgeschoss errichtet werden.
Vier der fünf Mehrfamilienhäuser sollen zweigeschossig mit einem zusätzlichen Staffelgeschoss errichtet werden. © Uwe Oing © Uwe Oing

An einem Erörterungstermin der Stadt Stadtlohn mit den Beteiligten nahm der Vorhabenträger nicht teil. Trotz der wiederholten Kritik der Anwohner, so Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp, plane der Vorhabenträger keine weitere Reduzierung der Planung. Lediglich die Fassadenansicht eines der Häuser wurde an die der vorhandenen Bebauung angepasst, die Zahl der Fenster zur Bestandsbebauung hin verringert.

Verwaltung sieht Nachbarschutz gewährleistet

In der Ausschusssitzung erläuterte Mathias Pennekamp Punkt für Punkt die Bedenken der Anwohner, die er zum Teil nachvollziehbar nannte. Auf der anderen Seite genügten die Planungen aber dem Nachbarschutz- und Rücksichtnahmegebot. Die Verwaltung schlug dem Ausschuss vor, den Bebauungsplan in der vorliegenden Form als Satzung zu verabschieden. Doch da spielte der Ausschuss nicht mit.

„Wir brauchen Wohnungen“, erklärte Erwin Plate (UWG) am Dienstagabend. Aber alle Gespräche hätten nicht gefruchtet. Plate: „Dem Investor ist die gute Nachbarschaft total egal. Darum lehnen wir den Bebauungsplan ab.“

Dr. Albert Daniels (FDP) sah das genauso. „Auch wir haben uns an der Dreigeschossigkeit gestört.“ Auf das Staffelgeschoss in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bestandsbebauung solle der Investor verzichten. Heinrich Ellers von der CDU schloss sich seinen beiden Vorrednern ebenfalls uneingeschränkt an.

Nachbarn hoffen auf eine klare Ablehnung

Auf den Zuschauerplätzen am Rande der Ausschusssitzung hellten sich die Mienen auf. Dort saßen Anwohner des Alten Dyks und der benachbarten Straßen. Sie freuten sich darüber, dass der Bebauungsplan im Ausschuss glatt durchzufallen schien.

Damit wollte sich der Ausschussvorsitzende Otger Harks (SPD) aber nicht einfach abfinden. „Wir brauchen in Stadtlohn neue Wohnungen, vor allem auch kleine Wohnungen. Und wir müssen sparsam mit Flächen umgehen.“ Die ehemalige Gewerbefläche sei ja ein idealer Ort für eine Nachverdichtung, die Fläche sei ja jetzt schon versiegelt.“

„Ja, aber“-Regelung findet einhellige Zustimmung im Ausschuss

Otger Harks betonte aber gleichzeitig: „Ich kann aber auch die Bedenken der Nachbarn verstehen. Darum sollten wir ,Ja, aber…‘ sagen.“ Er regte an, dass die Stadt dem Vorhabenträger mitteilen solle, der Ausschuss werde dem Bebauungsplan nur unter einer Bedingung zustimmen: Die Pläne für das unmittelbar an die vorhandene Wohnbebauung grenzende Gebäude sollten geändert werden. Dieses Gebäude solle ohne Staffelgeschoss errichtet, also um ein Stockwerk reduziert werden. Damit würde die Zahl der Wohnungen von 29 auf 28 reduziert.

Dieser Vorschlag kam bei allen Fraktionen gut an. Ohne weitere Diskussion wurde er einstimmig angenommen. Auf den Zuschauerrängen wurden die Gesichter wieder etwas länger. Die Anwohner hatten offenbar auf eine deutlichere Ablehnung der Bebauungsdichte gehofft. Einer von ihnen äußerte beim Verlassen der Stadthalle enttäuscht: „Was ist das denn für ein Witz, erst sprechen sich alle gegen den Bebauungsplan aus, und dann wird doch wieder einstimmig dafür gestimmt.“

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Stefan Grothues

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