Die Pandemie stellt gerade Familien vor neue Herausforderungen. Wird die Belastung zu hoch, dann können Mütter- oder Mutter-Kind-Kuren das passende Angebot sein. © picture alliance / Arifoto Ug/dpa-Zentralbild/ZB
Corona und Familie

Nachfrage nach Mütterkuren ist hoch: „Manche Frauen sind am Limit“

Die anhaltende Corona-Pandemie hat auch Einfluss auf das Familienleben. Den einen gelingt der Spagat besser, den anderen weniger. Wird die Belastung zu groß, dann können Mütterkuren helfen.

„Manche Frauen sind am Limit.“ Maria Youssef, zuständig beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) für die Dekanate Ahaus und Vreden für die Kurberatung, kennt aus eigener Erfahrung die Belastung, die die Corona-Pandemie für Familien mit sich bringt. Betroffen sind oftmals Mütter, die vielfach neben dem eigenen Job die neuen Herausforderungen wie Homeschooling und Homeoffice in den Familienalltag integrieren müssen. Und das nun seit rund einem Jahr.

Bei vielen steige parallel der Wunsch nach einer Auszeit, abgebildet durch eine hohe Nachfrage nach Mütter- oder Mutter-Kind-Kuren. „Insbesondere die fehlende Perspektive macht vielen Frauen zu schaffen, sie sind irgendwann einfach erschöpft“, so Youssef.

In vielen Familien bauen sich über einen solch langen Zeitraum Spannungen auf. Die „normalen“ Sorgen und Nöte – zum Beispiel Schulden oder auch eine Pflegesituation in der Familie – bleiben. Und so helfe die dreiwöchige Auszeit vielen, einmal aus diesem Umfeld auszubrechen.

Mütterkuren unter Corona-Bedingungen

Allerdings bringt eine hohe Nachfrage organisatorische Herausforderungen mit sich. Die Zahl der Mütterhäuser oder Mutter-Kind-Kliniken ist begrenzt, die Angebote des Müttergenesungswerks reichen von der Nordsee über Sauerland und Harz bis hin zum Schwarzwald. Entsprechend lang sind die Wartezeiten.

„Gerade in den ersten Monaten der Pandemie musste noch viel abgesagt werden. Nun kann unter Corona-Bedingungen wieder vieles angeboten werden“, berichtet Maria Youssef. Eine Maßnahme sei es zum Beispiel, dass das Mindestalter für begleitende Kinder auf drei Jahre heraufgesetzt wird.

Wenn ein Termin dann vermittelt werden kann, könnten erschöpfte Mütter drei Wochen abschalten, Zeit finden für Entspannung, für Sport. „Es ist für viele einfach mal wichtig, etwas anderes zu sehen, mit Gleichbetroffenen zu sprechen, Kraft zu tanken“, so Youssef. Eine aktive Erholung. Sie erhielten zudem Hilfestellungen an die Hand, um den Alltag besser zu bewältigen.

Gerade bei Kuren mit Kindern sei das Feedback häufig ähnlich. „In anderer Umgebung werden auch mal andere Gespräche geführt. Viele Kinder freuen sich, Mutter mal wieder lachen zu sehen.“ Zuhause kämen die betroffenen Mütter an ihre Kinder kaum mehr heran, die Kinder igelten sich ein.

Frauen und Männer genießen Auszeit vom Alltag

Frauen, die sich in einer Problemlage befänden, ermutigt Maria Youssef, den Kontakt aktiv aufzunehmen. Ebenso sei es wichtig für alle, „nach links und rechts zu schauen“, aufeinander zu achten. Sei der Kontakt einmal hergestellt, dann könne alles Weitere in die Wege geleitet werden. „Wir haben doch eine schöne Aufgabe erfüllt, wenn wir eine Kur vermitteln konnten“, sagt Maria Youssef. Auch Männer können übrigens Kuren beantragen, tun dies aber deutlich seltener.

Die Kuren des Müttergenesungswerks fallen unter die sogenannten Vorsorgemaßnahmen, alle vier Jahre kann mit entsprechendem ärztlichen Attest eine Kur von der Krankenkasse übernommen werden. Bei Familien mit behinderten Kindern ist das sogar alle zwei Jahre möglich. Vor einem Antrag ist eine Beratung nicht verpflichtend, sie hilft allerdings dabei, passgenaue Angebote zu finden.

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