Nähwerkstatt ist Treffpunkt für Flüchtlingsfrauen

Integration eingefädelt

In das Surren der zehn Nähmaschinen mischen sich Sprachfetzen: persische, arabische, englische und deutsche. Und wer kann hier Auskunft geben über die Nähwerkstatt für Flüchtlingsfrauen? Für Shanaz Eedi ist der Fall klar: "Astrid Chief!", ruft die Afghanin fröhlich lachend.

STADTLOHN

, 04.12.2016, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Shanaz Eedi (l.) beobachtet, wie Astrid Lensker (Mitte) Naila Anil (r.) Tipps für die Arbeit mit der Nähmaschine gibt.

Shanaz Eedi (l.) beobachtet, wie Astrid Lensker (Mitte) Naila Anil (r.) Tipps für die Arbeit mit der Nähmaschine gibt.

Die "Chefin", das ist Astrid Lensker. Sie hat beim Jugend- und Familienbildungswerk Deutschkurse für Frauen aus Syrien, Afghanistan und aus dem Irak gegeben. "Das hat soviel Freude gemacht, dass ich mich auch ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe Stadtlohn engagiert habe", erzählt sie. Und sie überlegte mit anderen Integrationslotsen, "wie wir die Frauen öfter aus ihren Unterkünften herausholen können, um sie mehr am Leben in Stadtlohn teilhaben zu lassen". Die Idee für die Nähwerkstatt war geboren. Flüchtlingshilfe und JFB stellten das ehrenamtliche Projekt gemeinsam auf die Beine, riefen zu Nähmaschinenspenden auf, ließen die Maschinen instandsetzen und besorgten Stoffe, Bordüren und alles andere, was zum Nähen gebraucht wird.

Seit Oktober treffen sich acht bis vierzehn Frauen zwei Mal die Woche im Saal des Pfarrheims St. Joseph an der Paulusstraße. Astrid Lensker und Bettina Insel machten die Frauen mit den elektrischen Nähemaschinen vertraut. "Viele von ihnen haben schon genäht, allerdings mit Handkurbelmaschinen."

Naila Anil ist erst seit wenigen Monaten in Stadtlohn. Die 28 Jahre alte Pakistanerin ist mit ihren beiden Kindern ihrem Mann nach Stadtlohn nachgezogen.

"Hilfsbereite Stadtlohner"

Auf Englisch erzählt Naila Anil: "Wir fühlen uns in Stadtlohn sehr wohl. Mein Mann hat auch schon andere Städte in Deutschland kennengelernt - eine so aktive Unterstützung wie in Stadtlohn aber noch nirgendwo anders." Stolz hält sie eine grüne Tasche mit Schleife und Perle hoch: "Die hier habe ich genäht." Manije Nazarin ist 2015 mit Mann und vier Kindern aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Auch sie fühlt sich in Stadtlohn wohl. Heute ist sie mit ihrer Tochter Sara da. Die Neunjährige, die die Hilgenbergschule besucht und perfekt deutsch spricht, ist ein gern gesehener Gast in der Nähwerkstatt. Immer wenn Verständigungsprobleme auftreten wird sie gerufen: "Sara, wie heißt das auf Persisch?"

Für "Chief Astrid" ist die Nähwerkstatt längst eine Herzensangelegenheit. "Das macht richtig Spaß. Die Gespräche erweitern ja auch den eigenen Horizont und es ist schön, die vielen Fortschritte zu sehen."

Am dritten Adventswochenende werden die Frauen der Nähwerkstatt die handgenähten Taschen und Schlüsselanhänger auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen. Der findet von Freitag, 9. Dezember, bis Sonntag, 11. Dezember, in der Innenstadt statt. Der Stand der Nähfrauen ist auf dem Markt vor der Kirche zu finden. Die Taschen - alles Unikate - gibt es zum Preis von 7,50 bis 15 Euro. Die Schlüsselanhänger kosten fünf Euro.
Mit dem Erlös wollen die Frauen die Nähwerkstatt weiter finanzieren. Das Projekt soll 2017 auf jeden Fall weitergeführt werden. Astrid Lensker: "Wir hoffen noch auf neue Aufträge. Eine kleine Manufaktur -da hätte ich richtig Spaß dran."

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