Unter den Abiturienten ist die Testbereitschaft groß. Dieses Bild zeigt den Sowi-Kurs des Geschwister-Scholl-Gymnasiums vor wenigen Wochen beim Selbsttest. © Stefan Grothues
Abitur in der Pandemie

Noch eine infizierte Abiturientin, ein Brandbrief und anonyme Schreiben

Gemischte Nachrichten zum Abi-Start in Stadtlohn: Fast alle Abiturienten können die Klausuren mitschreiben. Es gibt aber eine Neuinfektion. Der Schulleiter beklagt beim Landrat einen „Skandal“.

Eine Woche vor der ersten Abiturklausur hatte am vergangenen Wochenende ein Infektionsfall die 102 Abiturientinnen und Abiturienten des Geschwister-Scholl-Gymnasiums aufgeschreckt. Drei weitere Schüler mussten als Kontaktpersonen in Quarantäne und können nicht an den Auftaktprüfungen teilnehmen. 32 Schülerinnen und Schüler mussten sich einem PCR-Test unterziehen.

„Wir sind glimpflich davongekommen“, so kommentierte am Freitag Schulleiter Jochen Wilsmann die PCR-Testergebnisse dieser Woche: Eine weitere Schülerin wurde positiv getestet. Alle anderen Tests fielen negativ aus. Allerdings wurden zwei weitere Abiturienten als Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt.

„Wir haben das Gefühl, dass man uns vergisst“

Unterdessen hat sich Schulleiter Jochen Wilsmann in einem Brandbrief an den Landrat Luft gemacht: „Ich halte es für einen echten Skandal, dass die Lehrerinnen und Lehrer der weiterführenden Schulen noch immer kein Impfangebot bekommen haben, obwohl sie Tag für Tag mit hunderten Kindern und Jugendlichen Kontakt haben. Wir haben das Gefühl, dass man uns vergisst.“ Es sei höchste Zeit, dass nach den Erzieherinnen in den Kitas und den Lehrpersonen in den Grund- und Förderschulen nun auch die Lehrer in den weiterführenden Schulen geimpft würden.

Der Landrat, so Wilsmann, habe inzwischen auf seinen Brief geantwortet und erklärt, die Lehrer der weiterführenden Schulen seien in der Prioritätsgruppe 3. Jetzt aber sei erst einmal die Prioritätsgruppe 2 an der Reihe. Der Landrat verweist darauf, dass der Kreis an Recht und Gesetz gebunden sei und die Kontingente zugeteilt bekomme.

Alle Schnelltests in dieser Woche negativ

Der Schulleiter hat dafür Verständnis. „Ich weiß ja, dass der Landrat daran nichts ändern kann. Dennoch sei es ihm ein großes Anliegen gewesen, auf das Risiko hinzuweisen. Wilsmann: „Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert, wenn sich ein älterer Kollege in der Schule bei Schülern ansteckt.“

Eine kleine Beruhigung sind die Schnelltests, denen sich in dieser Woche alle Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zwei Mal unterzogen haben. „Alle Ergebnisse waren negativ“, sagt Jochen Wilsmann.

Anonyme Schreiben aus der Querdenkerszene

Erleichtert ist der Schulleiter auch darüber, dass sich alle Abiturientinnen und Abiturienten vor den Klausuren bereiterklärt haben, sich testen zu lassen. „Die Abiturienten hätten ja auch die Möglichkeit gehabt, den Test zu verweigern und trotzdem die Klausur schreiben zu dürfen. Wir sind alle sehr froh darüber, dass die Abiturienten Verantwortung zeigen.“

Unterdessen findet der Schulleiter jetzt immer wieder mal anonyme Schreiben aus der „Querdenker-Szene“ in seiner Post. „Da gibt es sehr schräge Sichtweisen. In den Schreiben heißt es zum Beispiel, dass ich später einmal zur Rechenschaft gezogen würde, wenn die Pandemie aufgearbeitet würde. Diese Post ignoriere ich einfach.“

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Stefan Grothues

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