Norbert Then und sein Kunst(t)raum

Kunstklärwerk

Norbert Then öffnet ab Freitag drei Tage lang sein "Haus" an der Lessingstraße für eine Ausstellung. Dabei ist Ausstellung gar nicht das richtige Wort. Es geht nämlich nicht nur um die Präsentation von Kunst, sondern um die Begegnung von Menschen untereinander - und mit der Kunst in ihren vielen Facetten. Und nicht nur das ist ungewöhnlich.

STADTLOHN

, 12.04.2016, 18:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es beginnt mit dem Ort: kein Künstler-Atelier, wie man es sich vielleicht vorstellen mag, sondern ein ehemaliges Klärwerk. Seit der "Übernahme" durch Then vor 16 Jahren das "Kunstklärwerk". Ein besonderer Ort, der sich mit dem angrenzenden Friedhof und dem Kindergarten nebenan im Sinne Thens fast zu einem Triptychon zusammenfügt.

In dem architektonisch beeindruckenden Rundbau entstehen seine Skulpturen, seine Bilder, und schon längst haben diese nicht nur den Innenraum, sondern auch Thens "Parklandschaft" vor der Tür in Besitz genommen.

Das Klärwerk ist für den gebürtigen Unterfranken aber nicht nur Werkstatt. Es ist auch Ausstellungshalle, ein kreatives Sammelsurium aus Kunstwerken, Möbeln, Büchern, Alltagsgegenständen - wie zufällig arrangiert.

Frühe Prägung 

Das Klärwerk ist Thens Kunstraum, seine Parallelwelt, wie er sagt. Sein Lebensraum nämlich liegt außerhalb - bei der Familie. Und doch ist das Klärwerk nicht nur künstlerischer Arbeitsplatz, sondern auch ein Ort, der Einblick Thens künstlerischen Lebensweg gewährt. In den eines Mannes, der sich schon als Kind im dörflichen Zuhause von der Kunst eingerahmt sah, und sich dann als Handwerker (Spengler und Techniker für Denkmalpflege) zunehmend von ihr angezogen fühlte. Verstärkt wurde das durch eine dreijährige Auszeit als Entwicklungshelfer in Afrika (Ghana), wo er auf Kunst in ihrer Ursprünglichkeit traf.

Bis er selbst zum Produzenten wurde. Das Handwerk ist bis heute für ihn seine künstlerische Basis. Künstler oder Handwerker? Norbert Then ist beides. Seine Skulpturen, vorzugsweise aus Metall, sind immer das Ergebnis einer Entwicklung, eines "Kampfes" mit dem Material. Gleichzeitig sind die Then-Werke auch fast autobiografisch, Zeugnisse eines Reifungsprozesses, die Trauer, Freude, Verlust, eben Gefühle aller Art verarbeiten.

 "Das ist noch nicht fertig..."

Dabei gehe es ihm aber, frei nach Konstantin Wecker, nicht darum, zu siegen, sondern um das Tun. Nur logisch, dass von ihm immer wieder der Satz kommt: "Das ist noch nicht fertig..."

Das Klärwerk ist aber auch Bühne - auch für Musik, für Texte - und eben auch Kommunikationszentrum. All das sollen die Besucher - Then hat bewusst auf das übliche Vernissage-Publikum verzichtet - am Wochenende erspüren. Dann, wenn er dazu auch seine Freunde Klaus Risse (Maler), Peter Kallwitz (Fotographie), Jürgen Tempelmann (Fotografie) und Joboel (Grafik) mitbringt.

Nicht in einer Ausstellung im klassischen Sinne, sondern in Form von gewollt ungeplanten, von überraschenden Interaktionen und Aktivitäten. Ob gemeinsam Musik machen, malen, Natur und Kunst auf sich wirken lassen, und und und. Für Norbert Then ist nämlich klar: Mit Andacht soll man (seiner) Kunst nicht begegnen, mit Respekt schon.

Ach ja, um die Ungewöhnlickeit noch zu unterstreichen. Nicht nur zur Ausstellung, sondern auch zur "Pflanzzeit" wird eingeladen. Mindestbeitrag: eine Blumenzwiebel.

  • Die Ausstellung im Kunstklärwerk, Lessingstraße 51, findet am Samstag und Sonntag, 15. und 16. April, statt. Am Samstag von 10 bis 22 Uhr und am Sonntag von 10 bis 19 Uhr.
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