Norbert Then arbeitet täglich in seinem Atelier an neuen Figuren. Der Stadtlohner Künstler fordert mehr Wertschätzung für Kunst und Kultur. © Bastian Becker
Kunst und Corona

Norbert Then will Freude vermitteln und fordert mehr Wertschätzung

Norbert Thens Winterausstellung im Stadtlohner „Klärwerk“ ist so nur wegen Corona möglich. Eigentlich wäre er nicht hier. In schwierigen Zeiten fordert er Unterstützung für Künstler in Not.

In den vergangenen Jahren war Norbert Then in der Adventszeit nicht in Stadtlohn. Doch 2020 ist alles anders. „Normalerweise würde ich jetzt auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt in Berlin stehen“, sagt der 58-Jährige in seinem Atelier, dem „Klärwerk“ in der Lessingstraße.

Stattdessen lädt er aktuell zur Winterausstellung ein. Noch bis zum 23. Dezember können Interessierte Figuren und Zeichnungen rund um den „Traumfänger“ bestaunen. An jeder Ecke des Ateliers gibt es etwas zu entdecken. Eine besonders große Frauen-Skulptur heißt „Die Madonna aus Sarajevo“.

Künstler will Lebensfreude vermitteln

„Ich bin in der aktuellen Zeit sehr kreativ und entwickle Modelle. Man hat ein bisschen mehr Freiheit“, erzählt Norbert Then, der hinter einer Plexiglasscheibe steht. Alles ist auf die Corona-Regeln abgestimmt, mehr als fünf Personen dürfen nicht gleichzeitig rein.

In der Winterausstellung von Norbert Then (rechts) im “Klärwerk” gibt es für diese beiden Besucherinnen einiges zu entdecken. © Bastian Becker © Bastian Becker

Erst habe er die Ausstellung nur über die sozialen Medien angekündigt, weil der Künstler gucken wollte, wie sich die Besucher verhalten. „Die sind alle ziemlich vernünftig. Einen Maskenverweigerer hatte ich dabei, den musste ich rausschmeißen“, berichtet Norbert Then.

Die Ausstellung im Klärwerk ist noch bis zum 23. Dezember jeweils mittwochs bis sonntags von 13 bis 20 Uhr geöffnet.

Auf einen offensichtlichen Bezug zur Corona-Thematik hat der gebürtige Unterfranke bewusst verzichtet. „Ich kann meinem Traumfänger keine Corona-Maske aufsetzen. Das ist mir zu plakativ“, betont Norbert Then. Stattdessen wolle er in der aktuellen Zeit mit seinen Werken vor allem Lebensfreude vermitteln.

Kultur wird aus Norbert Thens Sicht nur als Stiefkind betrachtet

Er selbst habe durch einen großen Sammlerkreis in In- und Ausland weiterhin viele Aufträge. Anders geht es anderen Künstlern. „Viele trifft es knallhart, die müssen wir unterstützen“, fordert Norbert Then. „Sonst wird es schlimm.“

Denn Kunst habe eine große Bedeutung. „Kultur wird immer ein bisschen als Stiefkind gesehen. Dabei ist sie in diesen Zeiten so wichtig, weil sie das Schöne zeigt, gerade für Kinder, die so geistige Welten kennenlernen können“, gibt der Stadtlohner zu bedenken. Besonders Kollegen aus Musik oder Theater, die vom Publikum abhängig sind, seien schwer betroffen.

„Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit sind die Kreativen arm dran“, sagt Norbert Then und denkt dabei besonders an seinen Freund „Emma“ in Uganda. „Die Menschen müssen entscheiden, was wirklich wichtig ist. Unsere Gesellschaft muss die Kultur auf ein Level mit der Wirtschaft stellen.“, wünscht sich der engagierte Künstler.

Solche Figuren findet man in der Winterausstellung häufig.
Solche Figuren findet man in der Winterausstellung häufig. © Bastian Becker © Bastian Becker

Dem Traumfänger kann im „Klärwerk“ niemand entgehen. Norbert Then träumt derzeit vor allem von einem erfolgreich nachgeholten Jubiläumsfest mit Musik und Kabarett. Die soll unter dem Motto „Drei mal sieben“ im kommenden Jahr stattfinden, wenn die Entwicklung es zulässt.

Im „Klärwerk“ wird geschweißt und gebaut

In der Zwischenzeit arbeitet der Künstler nicht nur mit Schweißgerät und Lötpistole im Zentrum des Ateliers an seinen Figuren, sondern baut das „Klärwerk“ weiter aus. Stolz zeigt er die neue Herrentoilette, stilecht mit altem Radio und Udo-Lindenberg-Bild. Auch ein Behinderten-WC ist eingerichtet, die Damentoilette folgt. In seiner Ausstellung sind auch Werke seiner drei Freunde Lou Duesmann, Joboel und Hugo enthalten.

Andere Welt im Atelier

Den Besuchern empfiehlt Norbert Then einen Besuch im „Klärwerk“ vor allem gegen Abend. „Wenn es dunkel wird, hat das Klärwerk im Kerzenlicht eine besondere Atmosphäre“, weiß er.

Insgesamt ist es ihm wichtig, dass die Besucher etwas aus dem Aufenthalt im „Klärwerk“ mitnehmen. „Hier hat man Zeit, in eine andere Welt einzutauchen“, unterstreicht er und betont noch einmal: „In Zeiten, in denen es allen schlecht geht, muss man positive Impulse raushauen.“

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Bastian Becker

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