Burkhard und Brigitte Könning freuen sich schon auf ihre nächste Oldtimer-Tour mit dem "MAN 13.168 HA". © Stefan Grothues
Lkw-Veteranen

Nostalgie-Truck: Exklusive Einblicke in einen zum Camper umgebauten Lkw

Burkhard Könning hat sich einen Kindheitstraum erfüllt und einen Oldtimer-Lkw restauriert. Im August präsentieren er und 20 weitere Nutzfahrzeug-Veteranen ihre rollenden Schätze in Stadtlohn.

Mit 43 ist er wohl im besten Alter. So klingt er auch: Rund. Kraftvoll. Voluminös. Und auch optisch macht er eine Menge her: Der blaue Lack glänzt. Das Chrom blinkt. Und die Peilstäbe auf den geschwungenen Kotflügeln recken sich forsch in die Welt hinaus.

Sensoren ohne Digitaltechnik: Die Antennen helfen dem Fahrer beim Navigieren durch Engstellen. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Nur der Name klingt recht nüchtern. MAN 13.168 HA. Doch Burkhard Könnings Herz schlägt höher, wenn er ihn ausspricht. Er nennt ihn augenzwinkernd auch „mein Schätzchen“. Mit dem Kauf und der Restaurierung des Oldtimer-Lkw hat sich der 55-jährige Spediteur aus Stadtlohn einen Kindheitstraum erfüllt. Bald zeigen er und 20 andere Nutzfahrzeug-Veteranen ihre rollenden Schätze in Stadtlohn.

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Bilder aus dem Fotalbum der Spediteursfamilie Könning

„Ich habe ja schon als Kind auf dem Beifahrersitz im MAN gesessen, wenn mein Vater am Steuer saß“, erzählt Burkhard Könning. Andere Familien mögen Benzin im Blut haben. In den Adern der Könnings aber fließt wohl ein Hauch Diesel mit.

Dabei zogen noch Pferde den Milchwagen, als Großvater Franz vor dem Krieg ins Transportgewerbe einstieg. Später fuhr Franz Könning mit dem Traktor und zwei Anhängern ins Ruhrgebiet, um Kohlen für die Weberei Cohaus nach Stadtlohn zu schaffen.

Nach dem Krieg bauten drei Söhne den Speditionsbetrieb aus. Einer von ihnen war Herbert Könning, der Vater von Burkhard Könning. Mit ihrer Fahrzeugflotte der Hersteller Büssing, Krupp, Mercedes und selbstverständlich MAN transportierten sie Kies und Sand zu den Betonwerken im Münsterland.

Ein 168-PS-starker Dieselmotor verbirgt sich unter der Haube des MAN 13.168 HA.
Ein 168-PS-starker Dieselmotor verbirgt sich unter der Haube des MAN 13.168 HA. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

1989 gründete Burkhard Könning sein eigenes Speditionsunternehmen. Sein Bruder Marcel spezialisierte sich auf Autokrane und Betonpumpen. Mit sechs Planzügen fährt Burkhard Könning heute als Zulieferer für Schmitz Cargobull und andere Firmen in der Region, auch für den Discounter Aldi. In vierter Generation ist jetzt auch sein Sohn Roland (25) in die Firma eingestiegen.

Die Rudolf-Diesel-Plakette verlieh MAN für 100.000 pannenfreie Kilometer für einen Lkw des Vaters von Burkhard Könning. Dessen Oldtimer-Lkw hat längst nicht einmal 30.000 Kilometer auf seinem Tacho.
Die Rudolf-Diesel-Plakette verlieh MAN für 100.000 pannenfreie Kilometer für einen Lkw des Vaters von Burkhard Könning. Dessen Oldtimer-Lkw hat längst nicht einmal 30.000 Kilometer auf seinem Tacho. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Jetzt hat Vater Burkhard Könning ein wenig mehr Zeit für sein großes Hobby auf vier Rädern. „Ich hatte schon lange Ausschau nach einem MAN gehalten. Aber entweder waren sie viel zu teuer – oder nur noch Schrott“, sagt Burkhard Könning. Doch dann entdeckte er im Sommer 2017 sein Traumauto in einer Zollauktion. Das damals noch orangefarbene Allradfahrzeug wurde von der Berufsfeuerwehr Neumünster ausgemustert. Es war 39 Jahre alt – und hatte nicht einmal 20.000 Kilometer auf dem Tacho. Doch der Restaurierungsbedarf war dennoch groß.

Ein Blick unter die Motorhaube
Ein Blick unter die Motorhaube © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Brigitte Könning kann sich gut erinnern. Damals hatte Burkhard Könnings Ehefrau die Sorge, dass sie ihren Mann kaum noch sehen würde, weil er bis spät abends in der Werkstatt schrauben würde. Er versprach: „Ich lassʼ es langsam angehen und nehme mir zwei Jahre Zeit.“ Doch dann investierte er jede freie Minute. Schon ein halbes Jahr später, an Heiligabend, stand er um 3 Uhr morgens auf, um die letzte Schraube anzuziehen. Weihnachten sollte alles fertig sein.

Blitzendes Chrom statt Kunststoff: Fensterkurbel und Griffe der Fahrertür
Blitzendes Chrom statt Kunststoff: Fensterkurbel und Griffe der Fahrertür © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Seine Frau hat ihm längst verziehen. Sie wusste ja, dass sie einen Lkw-Fan geheiratet hat und was das bedeutet: „Mein Vater war ja auch Fernfahrer!“ Und die erste Verabredung mit seiner späteren Frau hatte Burkhard Könning ja auch zu einer Orientierungsrallye getroffen. „Für eine weibliche Beifahrerin gab es damals zehn Extrapunkte“, sagt er lachend. Und für beide die Liebe ihres Lebens.

Das Armaturenbrett des MAN 13.168 aus dem Jahr 1978
Das Armaturenbrett des MAN 13.168 aus dem Jahr 1978 © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Jetzt haben die Könnings ihren MAN als gemeinsames Hobby entdeckt. Auf der Pritsche unter der Plane ist jetzt ein Wohncontainer mit Übernachtungsmöglichkeit, Küche und Toilette installiert. So können die Könnings an mehrtägigen Ausfahrten der „Nutzfahrzeug-Veteranen-Gemeinschaft“ mit bis zu 40 historischen Fahrzeugen teilnehmen. Geselligkeit, Automuseumsbesuche, Firmenbesichtigungen und natürlich Diesel-Gespräche sorgen für abwechslungsreiche Ausflüge des Vereins.

Der Wohncontainer auf der Pritsche bietet Burkhard und Brigitte Könning eine komfortable Übernachtungsmöglichkeit.
Der Wohncontainer auf der Pritsche bietet Burkhard und Brigitte Könning eine komfortable Übernachtungsmöglichkeit. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Die neuntägige Oldtimer-Ferientour 2021, die die Könnings mitvorbereitet haben, führt von der Nahe und Mosel, durch die Eifel über Xanten ins Münsterland. Wegen der Coronapandemie werden in diesem Jahr nur 20 historische Lkw teilnehmen. Doch die Stadtlohner können sich jetzt schon auf einen illustren Oldtimerkreis aus MAN, Büssing, Krupp und Henschel freuen. Dazu gehört zum Beispiel als ältestes Modell auch ein Opel Blitz, Baujahr 1936.

Oldtimerfreunde sollten sich den Samstag, 7. August, schon jetzt rot im Kalender anstreichen. Dann präsentieren sich die Lkw-Oldtimer – unter Coronaauflagen – von 10 bis 18 Uhr auf dem Firmengelände der Spedition Könning an der Dinkellandstraße 15, Kaffee und Kuchen inklusive. Burkhard Könning: „Alle sind willkommen. Und es gibt hier und da sicher auch Gelegenheit, mal im Führerhaus am Lenkrad Platz zu nehmen.“

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Stefan Grothues

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