Amphetamine (Symbolbild) sind eine gefährliche Modedroge. Ein 32-jähriger Stadtlohner wurde mehrfach mit Amphetaminen, Marihuana und Dealerutensilien aufgegriffen. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Landgericht

Notorischer Drogenhändler aus Stadtlohn kommt vorerst nicht auf freien Fuß

Soll ein notorischer Drogenhändler aus Stadtlohn vor der Haft verschont bleiben? Seine Anwältin sah den 32-Jährigen auf einem guten Weg. Dabei war er längst erneut straffällig geworden.

Zu einem halben Jahr Haft ohne Bewährung hat das Amtsgericht Ahaus im vergangenen Jahr einen 32-jährigen Stadtlohner verurteilt. Der gerichtsbekannte Mann war mehrfach mit Marihuana, Amphetaminen und Dealerutensilien aufgegriffen worden, unter anderem am Stadtlohner Busbahnhof. In dieser Woche sollte der Fall erneut vor dem Landgericht in Münster verhandelt werden.

Seine Anwältin hatte gegen das Amtsgerichtsurteil Berufung eingelegt. Sie sah ihren Mandanten auf einem guten Weg. „Er hat die Entgiftung erfolgreich durchlaufen und befindet sich jetzt freiwillig in Therapie, die auf mehrere Monate angelegt ist. Er ist jetzt unauffällig.“

„Mehrfacher Bewährungsversager“

Das sah der Richter nach Aktenlage ganz anders: „Der Angeklagte ist in der Vergangenheit nach Vorstrafen und auch nach erfolgreichen Therapien sofort wieder rückfällig geworden. Er ist ein mehrfacher Therapieversager.“ Er sehe kaum Spielraum für eine positive Prognose.

Die Anwältin sah aber einen entscheidenden Unterschied zur Vergangenheit: „Der Angeklagte ist jetzt Vater. Er hat die Vaterschaft anerkannt und will für sein Kind da sein. Er will auch von Stadtlohn wegziehen, um von seinem bisherigen Dunstkreis wegzukommen.“

Auch nach Verurteilung in Stadtlohn weiter mit Drogen gehandelt

Nun aber ließen Richter und Staatsanwalt ihre Akten sprechen: Trotz Verurteilung, Vaterschaft und Therapie habe der Angeklagte offenbar weiter mit Drogen gehandelt. Mit den entsprechenden Utensilien wurde er am Immingfeldweg und am Pfeifenofen in Stadtlohn, an der Kirchstraße in Südlohn und am Bahnhof in Ahaus aufgegriffen. Weitere Gerichtsverfahren waren in Gang gesetzt worden. Nicht alle kannte die Verteidigerin.

Aus diesem Grund brachte der Richter den Paragrafen 64 ins Spiel. Der besagt, dass eine alkohol- oder drogensüchtige Person, die aufgrund ihres Hanges immer wieder straffällig wird, zwangsweise in einer Entziehungsanstalt untergebracht wird, um ihn „zu heilen oder über eine erhebliche Zeit vor dem Rückfall in den Hang zu bewahren und von der Begehung erheblicher rechtswidriger Taten abzuhalten“.

Die Rechtsanwältin wollte sich nach einer Sitzungsunterbrechung und einem Gespräch mit der Bewährungshelferin nicht dagegen sperren. Sie sagte: „Manche muss man wohl zu ihrem Glück zwingen.“ Das Gericht will sich im Juli intensiv mit dieser Frage beschäftigen und dabei auch einen Psychiater zur Rate ziehen. Der Angeklagte selbst war zum Prozess nicht erschienen. Ob Absprachen mit seinem Arzt oder die öffentlichen Verkehrsmittel dafür verantwortlich waren, konnte in der Verhandlung nicht eindeutig geklärt werden.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Vor Ort und nah dran für den Leser, hört gerne auch die andere Seite
Zur Autorenseite
Stefan Grothues

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.