Nur noch Dienstleistung in der Kirche?

Events im Namen des Herrn

Helene-Fischer-Hits am Traualtar. Die Schalke-Hymne zur Beerdigung. Auch in Stadtlohn werden die Seelsorger immer häufiger mit sehr weltlichen Wünschen für die Gottesdienstgestaltung konfrontiert. Seelsorger sprechen von einer weit verbreiteten Dienstleistungs- und Eventmentalität.

STADTLOHN

, 23.02.2016, 18:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gute Stimmung im Pastoralteam St. Otger (v.l.) Pfarrer Stefan Jürgens, Pastoralreferentin Anne-Marie Eising, Pastoralreferent Rudolf Kleyboldt, Pfarrer Ludger Uhle, Pastoralassistentin Annette Frontzek, Pater Dominik Tythara und Kaplan Christoph Potowski.

Gute Stimmung im Pastoralteam St. Otger (v.l.) Pfarrer Stefan Jürgens, Pastoralreferentin Anne-Marie Eising, Pastoralreferent Rudolf Kleyboldt, Pfarrer Ludger Uhle, Pastoralassistentin Annette Frontzek, Pater Dominik Tythara und Kaplan Christoph Potowski.

Pfarrer Thomas Frings in Münster will das nicht mehr mitmachen. Sein Entschluss, die Brocken als Gemeindepfarrer hinzuwerfen, fand bundesweit ein großes mediales Echo. Auch in der wöchentlichen Sitzung des Pastoralteams von St. Otger in Stadtlohn wurde die Entscheidung ihres Münsteraner Kollegen diskutiert. Dessen Beobachtungen teilen die Stadtlohner Seelsorger durchaus: den Bedeutungsverlust der Kirche in der Gesellschaft, die Kirchenferne vieler Eltern, die ihre Kinder zur Taufe oder zur Kommunion bringen, der Wunsch, sich selbst im Gottesdienst zu feiern.

Jeder Kontakt eine Chance

Aber durch die Bank ziehen die Stadtlohner Seelsorger eine andere Konsequenz als ihr Mitbruder in Münster: Pfarrer Jürgens ermuntert zu mehr Gelassenheit und Gottvertrauen: "Wir müssen die Menschen gewinnen, wir dürfen sie nicht nur kritisieren." Auch in Stadtlohn zählen nur noch zehn Prozent der Katholiken zu den regelmäßigen Kirchgängern. Doch drei "Lebenswenden" wecken bei vielen das Bedürfnis nach ritueller Begleitung: Taufe, Hochzeit und Tod. Dann, so die Erfahrung der Seelsorger, versuchen die Menschen oft, ihre ganz eigene Welt in die Kirche zu tragen. Gott allerdings werde dann oft an die Seite gedrängt. Jürgens: "Die Seelsorger haben die Sehnsucht nach der Gemeinschaft im Glauben. Die Realität ist oft Dienstleistung." In offenen Gesprächen könne man Verständnis dafür wecken, dass allzu weltliche Wünsche sich nicht in den Gottesdiensten umsetzen lassen.

Viel "Sehnsucht" steckt dahinter

Pastoralreferentin Anne-Marie Eising lenkt den Blick auf die "Sehnsucht", die bei vielen dahinter steckt. "Es ist unsere Aufgabe, diese Sehnsucht theologisch zu erschließen." Pastoralassistentin Annette Frontzek unterstreicht das: Sie wisse aus eigener Erfahrung: "Jeder Kontakt auch mit kirchenfernen Menschen ist eine Chance, ihnen etwas mit auf den Weg zu geben. Das ist wie mit dem biblischen Samen. Vielleicht trägt ein gutes Gespräch viel später einmal Früchte."

Für den Optimismus und die Unverzagtheit der Stadtlohner Seelsorger hat Pastoralreferent Rudolf Kleyboldt noch eine weitere Erklärung: "Wir erleben in Stadtlohn auch ganz direkte Glaubensverkündigung. Es sind so viele Menschen in karitativen Einrichtungen engagiert. Das ist gelebtes Christentum, auch wenn die Engagierten nicht alle christlich motiviert sind."

Neue Wege - alte Ziele

Kaplan Christoph Potowski ist der jüngste in der Runde. Die Volkskirche vergangener Jahrzehnte hat er selbst nicht mehr erlebt, der Bedeutungsverlust der Kirche ist für ihn weniger schmerzhaft präsent. Sein Blick geht in die Zukunft. "Die Gesellschaft wandelt sich. Und auch die Kirche wird neue Formen entwickeln." Projekte, da ist sich der Kaplan sicher, werden künftig eine größere Rolle spielen." Kleyboldt unterstreicht das: "Im Gemeindeleben wird es wie in der Gesellschaft überhaupt viel mehr verschiedene Formen und Wege geben." Inhalte und Ziele aber bleiben die gleichen, betont Pfarrer Jürgens: "Unsere Kernbotschaft ist schließlich seit 2000 Jahren bewährt."

 

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