Andrea Weyer in ihrem Geschäft an der Eschstraße, das sie von ihrem Vater übernommen hat und noch lange weiter führen möchte. © Markus Gehring
Corona-Folgen

Ohne Feiern ruhen auch die Geschäfte der Firma Weyer

Andrea Weyer verdient ihr Geld mit Feiern. Eigentlich. Corona hat auch ihr Geschäft lahmgelegt. Kein Karneval, keine Schützenfeste – Kostüme, Uniformen, Fahnen werden dann nicht gebraucht.

Seit über 60 Jahren ist die Firma Weyer eine feste Adresse für die Vereine vor Ort, aber auch weit über Stadtlohns Stadtgrenzen hinaus. Inhaberin Andrea Weyer, die das Geschäft von ihrem Vater Josef übernommen hat, betreut Kunden im Umkreis von rund 200 Kilometern.

Rund 2500 Vereine sind es, denen sie alles anbieten kann, was für die kleinen und großen Ereignisse im Vereinskalender gebraucht wird: Kostüme für die närrischen Auftritte, Uniformen, Fahnen, Orden, Hüte, Epauletten für Schützenfeste und Konzerte. Kurzum: Die ganze bunte Welt des Vereinslebens von Karnevals-, Schützen- und Musikvereinen werden von Weyer bedient.

Selbst so manche Feuerwehr-Kameraden tragen Ausgeh-Uniformen der Stadtlohner Firma. Das Vereinsleben aber liegt gerade im Wachkoma – und dementsprechend auch die Aktivitäten bei Weyer.

Öffnung ist noch keine Problemlösung

Und das Unternehmen ist besonders betroffen, weil auch bei einer Öffnung des Lockdowns es dort nicht automatisch wieder losgehen kann. „Wir haben lange Vorlaufzeiten, manchmal sind es sogar drei Jahre“, sagt die ausgebildete Einzelhandelskauffrau. Das deswegen, weil alles nach Wunsch, ganz individuell angefertigt und in Deutschland produziert wird. „Die Kunden legen Wert drauf, dass alles ordentlich sitzt, aber wir wollen das natürlich auch“, sagt die 59-Jährige.

Hauptsache: Qualität

Zwar sei es immer wichtiger, dass die Träger sich wohlfühlen, aber das gehe mitunter auch zu Lasten der Qualität. Gerade die Karnevalisten seien ständig in Bewegung und schätzten einfach bequeme Klamotten. „Häufig nimmt man dann Stoffe mit einem Lycra-Anteil, das sorgt für Tragekomfort, beult aber auch schneller aus“, erklärt sie.

Der Sitz muss stimmen und überhaupt müsse es einfach passen, auch vom Geld her. Eine maßgefertigte Uniformjacke kostet eben auch ein paar Hundert Euro und noch viel mehr. Andrea Weyer: „Die soll dann aber auch 25 Jahre halten.“ Nicht immer aber sind es Aufträge für eine komplette Neuanschaffung. Auch das Aufarbeiten und Reparieren gehören zum Aufgabenbereich der Firma.

Fast so etwas wie eine
Fast so etwas wie eine „Ahnengalerie“: Bilder von Karnevalsprinzen und anderen „gekrönten“ Häuptern, die von der Firma Weyer eingekleidet wurden. © Markus Gehring © Markus Gehring

Kreativität ist gefragt, wenn es um die individuelle Gestaltung geht. Mal sind Streifen an den Hosenbeinen gefragt, mal Stickereien, Abzeichen, Kordeln, Krawatten, Knöpfe. Und da ist die Firmenchefin ganz in ihrem Element, berät die größtenteils Stammkunden. „Das Know-how habe ich mir im Laufe der Jahre angeeignet.“

Stoffe, Nähen, Handarbeiten waren schon in jungen Jahren ihr Ding. „Es macht einfach ganz viel Spaß“, sagt sie. Das ist einer der Gründe, warum sie auch in der Pandemie den Mut nicht verloren hat: „Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt es ja auch nicht, man muss sich schon selber positiv beflügeln.“

Getragen von guten Geschäftsjahren

Und außerdem habe es schließlich auch sehr gute Geschäftsjahre gegeben, von denen sie jetzt auch in der Krise profitiere. „Ich gebe erst dann auf, wenn ich meine Altersvorsorge in das Geschäft stecken müsste.“ Das steht zurzeit aber nicht zur Debatte. Die zehn Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit, die erste Überbrückungshilfe ist schnell angekommen, auf die von Oktober wartet Andrea Weyer noch. Dennoch hat sie schon die Zeit nach der Pandemie vor Augen. Einige Aufträge befinden sich schon in der Warteschleife, ansonsten übt sie sich in Geduld.

Ein Blick in die Weyer-Geschäftsräume mit zurzeit gut gefüllten Kleiderständern.
Ein Blick in die Weyer-Geschäftsräume mit zurzeit gut gefüllten Kleiderständern. © Markus Gehring © Markus Gehring

Das ist es, was die Geschäftsfrau als die größte Schwierigkeit erlebt: „Keiner kann sagen, wann was wieder möglich ist.“ Insofern hielten sich eben ihre Kunden so lange zurück, bis es Klarheit gibt. Sie selbst setzt ganz stark darauf, dass Karneval 2021/22 wieder möglich sein wird und damit das Geschäft so langsam wieder anrollen kann.

Eine große Sorge aber hat sie: „Wie wird unsere Welt hinterher aussehen; wie viele Händler in Stadtlohn werden überleben?“ Dabei hat sie weniger ihr eigenes Geschäftsfeld im Blick, von dem sie überzeugt ist, dass es weiter Bestand haben wird: „Gefeiert wird ja tatsächlich immer.“ Das hatte Vater Josef schon ähnlich gesagt: „Selbst im Krieg wird gefeiert.“

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