Erstmals seit sieben Jahrzehnten gehört Stadtlohns Bürgermeister nicht der CDU an. Dieses historische Wahlergebnis stand am Wahltag im Fokus. Am Montag gerieten andere Verwerfungen in den Blick.

Stadtlohn

, 14.09.2020, 17:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Thomas Oing kann es auch am Tag danach noch nicht fassen. Der 49-jährige UWG-Kandidat hat den CDU-Fraktionsvorsitzenden quasi im Alleingang gestürzt. Helmut Stowermann, der starke Mann der CDU, wird dem neuen Rat nicht mehr angehören. Er hat sein Direktmandat im Wahlbezirk Hengeler an Thomas Oing verloren.

Das war nach der Niederlage des CDU-Bürgermeisterkandidaten Günter Wewers gegen den unabhängigen Kandidaten Berthold Dittmann die zweite Sensation des Wahltages. Und die macht beide fassungslos: den Gewinner Thomas Oing wie auch den Verlierer Helmut Stovermann. Der heute 60-Jährige hat acht Jahre lang als Vorsitzender der größten Fraktion die Politik in Stadtlohn maßgeblich mitgestaltet.

Thomas Oing errang überraschend das Direktmandat im Wahlbezirk Hengeler gegen den CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmut Stowermann

Thomas Oing errang überraschend das Direktmandat im Wahlbezirk Hengeler gegen den CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmut Stowermann © Archiv

Die Stimmenauszähler hatten die beiden Wahlkreiskontrahenten und alle Stadtlohner lange auf die Folter gespannt. 16 von 17 Wahlbezirken hatten ihre Ergebnisse längst gemeldet, während in Hengeler immer noch Stimmzettel gezählt wurden – als könnten es die Wahlhelfer das Ergebnis nicht glauben.

2014 hatte Stowermann noch doppelt soviele Stimmen wie Oing

Doch um kurz vor 21 Uhr konnte endlich der neue Bürgermeister jubeln. Und Thomas Oing. Mit einem hauchdünnen Vorsprung von zwölf Stimmen bei 786 Wählern gewann er den Wahlkreis ausgerechnet gegen den CDU-Fraktionsvorsitzenden. Auf Thomas Oing entfielen 35,86 Prozent der Stimmen, auf Helmut Stowermann 34,32 Prozent. Das war ein politischer Erdrutsch. Bei der Wahl 2014 hatte Stowermann noch doppelt so viele Stimmen wie Oing errungen.

„Eigentlich keinen schlechten Job gemacht“

Weder der Gewinner noch der Verlierer haben eine Erklärung dafür. „Helmut Stovermann hat doch eigentlich keinen schlechten Job gemacht“, sagt Thomas Oing. Und er selbst habe im Wahlkampf auch keine Klinken geputzt. „Ich bin hier aber tief verwurzelt und immer gesprächsbereit, aber es muss inhaltlich wertvoll sein.“

Der bisherige CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Stowermann gehört dem neuen Rat nicht mehr an.

Der bisherige CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Stowermann gehört dem neuen Rat nicht mehr an. © Ballenthin

Helmut Stowermann fehlten noch am Montag die Worte und erst recht eine Erklärung. „Das Ergebnis hat mich wirklich überrascht und schwer getroffen. Das ist alles noch sehr frisch, ich muss mich zuerst noch sammeln“, so Stowermann. Die CDU habe insgesamt sehr schlecht abgeschnitten, „obwohl wird doch eigentlich sehr ordentliche Arbeit gemacht haben.“

Wie geht es jetzt für ihn weiter? „Eigentlich wollte ich mich noch nicht aus der Kommunalpolitik verabschieden. Sie war und ist eine Herzensangelegenheit für mich. Aber jetzt habe ich den höchsten Einbruch aller Kolleginnen und Kollegen erlitten. Jetzt muss ich neu überlegen“, sagte Helmut Stowermann am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion.

Erwin Plate: „Historisches Ergebnis für Stadtlohn“

Der Name Stowermann bleibt dem Rat aber erhalten. Helmut Stowermanns Sohn Lukas (24) gewann im Wahlbezirk Fliednerschule das Direktmandat mit einem Fünf-Prozent-Vorsprung vor dem UWG-Kandidaten. „Das war am Sonntag wenigstens ein kleiner Trost“, sagt Helmut Stowermann.

Mit drei neu hinzugewonnenen Direktmandaten zu Lasten der CDU hat die UWG die Zahl ihrer Direktmandate verdoppelt. Mit insgesamt elf Mandaten liegt die UWG nun nur noch ein Mandat hinter der einstmals übermächtigen CDU. Der UWG-Vorsitzende Erwin Plate sieht darin einen Lohn dafür „dass wir vor Ort entscheiden und uns auch um die kleinen Dinge kümmern.“ Er nannte die Wahl eine unabhängigen Bürgermeisters „historisch für Stadtlohn“.

FDP gewinnt auch

Weiterer Gewinner des Wahltags ist die FDP, die ein Ratsmandat hinzu gewann. „Wir hätten uns etwas mehr gewünscht, sind aber mehr als zufrieden, sagte gestern der FDP-Vorsitzende Dennis Bausch. „Es wird jetzt spannend. Die Machtverhältnisse haben sich verschoben. Die Fraktionen müssen jetzt zusammenrücken und Verhandlungsbereitschaft zeigen.“

Auch die Grünen haben ihre Stimmenzahl fast verdoppelt und ein Mandat mehr als 2014 errungen. Mit drei Mandaten sind sie jetzt gleichauf mit der SPD, die fast die Hälfte ihrer Wähler verlor. Richard Henrichs, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, sprach am Montag von einem „guten, nein sehr guten Ergebnis“. Henrichs: „Wir haben zweieinhalb von drei Wahlzielen erreicht: Stimmenzuwachs, einen Bürgermeister jenseits der CDU und nicht mehr schwächste politische Kraft sein. Nur haben wir auf vier Mandate gehofft. Das hat leider nicht geklappt.“

Das Ergebnis der SPD hatte Otger Harks bereits als „verheerend“ bezeichnet. Die Stadtlohner Sozialdemokraten haben mit 1005 Stimmen nun weniger Wähler als alle anderen Parteien.

Das ist der neue Rat, dem Bürgermeister Berthold Dittmann ab dem 31. Oktober vorstehen wird:

  • CDU (12 Sitze): Marion Ballenthin, Lukas Stowermann, Katharina Geuking, Ludger Konrad, Heinrich Ellers, Martin Könning, Marianne Stübbe, Markus Könning, Hermann Lensker, Hendrik Hardeweg, Cäcilia Völker, Marie-Theres Dücker.
  • UWG (11 Sitze): Phillip Bütterhoff, Jürgen Wörmer, Martin Kömmelt, Erwin Plate, Christian Harker, Thomas Oing, Mike Eilhardt, Silke Gertz, Karl Herbstmann, Hermann Steverding, Marie-Theres Brinker.
  • FDP (5 Sitze): Dr. Albert Daniels, Andrea Wiggering-Cirkel, Angelika Kessels, Dennis Bausch, Kirsten Rölver
  • Grüne (3 Sitze): Richard Henrichs, Christian Nienhuis, Günter Dirks
  • SPD (3 Sitze): Otger Harks, Reinhold Dapper, Angelika Schneider.
Lesen Sie jetzt