Pfarrer Stefan Jürgens übt Kritik an der Kirche

mlz Buchvorstellung

Pfarrer Stefan Jürgens hat ein Buch geschrieben. Über seine Erfahrungen als Pfarrer und über die Kirche. Die kommt dabei gar nicht gut weg.

von Susanne van den Bosch

18.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Brechend voll ist der Saal im Otgerus-Haus in Stadtlohn, als Pfarrer Stefan Jürgens schwungvoll mit Pilotenkoffer zu seiner Autorenlesung erscheint. „Nein, eigentlich keine Lesung“, sagt er gleich zu Beginn. „Lesen können Sie ja selber.“

Stefan Jürgens, Jahrgang 1968, ist vor 25 Jahren zum Priester geweiht worden. Seit 2016 ist er Pfarrer der Kirchengemeinde Heilig Kreuz in Münster. Zuvor war er zehn Jahre lang Pfarrer in Stadtlohn und ist dieser Gemeinde noch immer sehr verbunden. Er ist Autor und Blogger zu geistlichen Themen, schreibt betrachtende und informative Texte und musiziert. Ein Spielmann Gottes, der sich begeistern kann für eine Sprache und Musik, die von Gott redet und singt. Von 2004 bis 2008 war er Sprecher beim Wort zum Sonntag in der ARD, bis heute ist er regelmäßig im WDR zu hören.

Pfarrer Stefan Jürgens berichtet humorvoll, aber auch hintergründig über die Entstehung seiner Bücher. Begonnen hat alles mit Fotografien von Willi Rolfes, zu denen er nicht ausschließlich aber auch religiöse Verse und Geschichten geschrieben hat. Ein Zitat von ihm lautet: „Manchmal ist vor lauter Gerede kein Gespräch möglich.“ Und: „ Es gibt keinen innerweltlichen Grund für unser Dasein. Wichtig sind wir nur durch Gott in uns.“

Thema Missbräuche

Nach einer kurzen Pause liest er dann doch einige Passagen aus seinem noch zu publizierenden neuesten Werk vor. Das Buch ist eine Biografie, in der er seine Entwicklung und Ausbildung zum Priester beschreibt. Er spricht von der Monarchie im Kirchensystem, die sehenden Auges fromm vor die Wand fährt, Missbräuche an Kindern vertuscht und Karriereleitern durch Seilschaften knüpft. Pfarrer Stefan Jürgens fordert eine Kommunikation auf Augenhöhe und damit die Auslöschung des Systems aus Anpassung und Schleimerei. Er ist auch mit Nachdruck für die Einsegnung von Frauen in den klerikalen Dienst, da es seiner Meinung nach viele Frauen mit Berufung gibt.

Fehlentscheidungen

Eine weitere Fehlentscheidung der Kirche liege auch dann vor, wenn geweihte Priester ihres Amtes enthoben werden, wenn sie sich verlieben. Aber wenn dieser Priester Kinder missbrauche, gehe er zur Beichte und werde versetzt. Auch mit dem Priesterseminar geht er scharf ins Gericht. „Das Seminar ist ein idealer Ort für junge Männer, die mit ihrer eigenen Sexualität nicht klar kommen, während des Seminars das fromme Schaf mimen und anschließend die Sau rauslassen.“

Pfarrer Jürgens findet nicht nur in seinen Bücher provozierende, starke Worte. Er spricht sie im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen laut aus. „Die Kirche muss entstaubt und reformiert werden. Es ist Dampf im Kessel, es tut sich was in der Kirche.“

Er hätte noch stundenlang weiter erzählen können, aber er hat um 22 Uhr noch einen Zahnarzttermin: „So etwas geht auch nur in Stadtlohn.“

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