Seit 25 Jahren ist Uwe Weber Pfarrer. Fast genauso lang ist er Seelsorger für 1500 evangelische Christen in Stadtlohn. Dass ihm die Arbeit ausgehen könnte, darüber sorgt er sich nicht.

Stadtlohn

, 09.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Am Reformationstag hat Pfarrer Uwe Weber sein Ordinationsjubiläum gefeiert. Vor 25 Jahren wurde er zum Pfarrer ordiniert, damals noch in einer Gemeinde in Bochum. Nur wenig später trat er seine Stelle in Stadtlohn an, wo er seither 1500 evangelische Christen seelsorgerisch begleitet.

Jetzt lesen

Mit Pfarrer Klaus Noack und Pfarrerin z. A. Christa Stenvers betreut Pfarrer Uwe Weber 4500 Gemeindeglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Oeding-Stadtlohn-Vreden. Über seine Arbeit und seinen Weg in den Pfarrer-Beruf sprach er in einem Interview mit unserer Redaktion.

Vor 25 Jahren wurden Sie als Pfarrer ordiniert. Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie daran zurückdenken?
Mein Vater hatte überraschenderweise meinen alten Grundschullehrer zur Ordination mitgebracht. Weil er wohl stolz zeigen wollte, was aus seinem Sohn geworden ist. Die Feier hat in meiner damaligen Gemeinde in Bochum-Hamme stattgefunden. Da war ich im Rahmen meiner Ausbildung „Pastor im Hilfsdienst“. Die Feier war sehr schön und sehr familiär.

War es denn für Ihren Grundschullehrer überraschend, dass aus Ihnen ein Pfarrer geworden ist?

(lacht) Naja, vielleicht ... ich glaube er musste mich in der Schule mehr als ein Mal zur Ordnung ermahnen. Ich war wohl eher ein Lausbub.

Wie haben sie denn den Weg in die Seelsorge gefunden?

Ich bin ja gebürtiger Siegener. Das Siegerland ist protestantisch geprägt, mein Elternhaus auch. Und ich hatte einen sehr guten Gemeindepfarrer, der mich beeindruckt hat. Ich war außerdem stark in die Jugendarbeit der CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen) eingebunden. In der Oberstufe des Gymnasiums kam mir der Gedanke, wie es wäre, wenn ich für den Glauben Werbung machen und ihn weitertragen würde. Damals war ich übrigens auch zum ersten Mal im Münsterland: auf der Jugendburg Gemen zu einer Informationsveranstaltung über den Beruf des Pfarrers.

Was hat den Siegerländer nach Stadtlohn geführt?

Wie soll man es nennen, göttliche Fügung oder Zufall ... Die Stelle war gerade ausgeschrieben, als ich auf der Suche war. Mein Frau und ich haben erst mal auf der Landkarte nachgeschaut, wo Stadtlohn überhaupt liegt. Dann haben wir uns die Stadt auf einem Sonntag angeschaut. Ich hätte auch eine Stelle in Bochum bekommen können. Aber weil wir eine Familie gründen wollten, haben wir uns gegen Hochhäuser und für Stadtlohn entschieden.

Und Sie sind geblieben ...

Ja, das war meine erste und bislang einzige Stelle. Es hat eine Weile gebraucht, hier anzukommen, aber seither fühlen wir uns richtig wohl hier. Hier sind auch unsere drei Kinder aufgewachsen, zwei Jungen und ein Mädchen, die inzwischen ihre eigenen Wege gehen. Manchmal werde ich gefragt, ob ich denn nicht mal die Stelle hätte wechseln wollen. Dann sage ich immer: Ich hatte ja in Stadtlohn soviel Abwechslung: die Arbeit als Pfarrer, als Lehrer, eine Zeit lang Notfallseelsorger ist jeden Tag wieder etwas ganz Neues.

Was mögen Sie denn besonders an Ihrer Arbeit in Stadtlohn?

Ich mag die Arbeit mit Kindern, die Begleitung von Menschen in Freud und Leid, bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Und ich mag die sonntäglichen Gottesdienste. Die Vorbereitung ist Arbeit. Aber die Feier mit der Gemeinde und die Predigt selbst sind es nicht. Darauf kann ich mich richtig freuen. Ich schätze auch die vielen ehrenamtlichen Helfer jeden Alters: von der Konfirmandenarbeit bis zur Frauenhilfe. Das ist schon toll. Ohne die Ehrenamtlichen würde das alles gar nicht funktionieren.

Ist das katholische geprägte Stadtlohn denn für einen evangelischen Pfarrer ein schwieriges Pflaster?

Nein, gar nicht. Die ältere Generation der evangelischen Christen, die ja nach 1945 vor allem als Flüchtlinge und Vertriebene nach Stadtlohn kamen, musste noch um Anerkennung kämpfen. Heute ist das anders. Die Ökumene wird in Stadtlohn vorbildlich gelebt: Schulgottesdienste, ökumenische Trauungen, gemeinsame Gottesdienste wie am Pfingstmontag, die schon beeindruckend sind, das Hospiz und die Trauerbewegung. Mit St. Otger verbinden uns viele gemeinsame Projekte. Wir sind froh, dass wir in vielen Bereichen der kirchlichen Arbeit an einem Strang ziehen.

Würden Sie ihren Kindern den Beruf des Pfarrers oder der Pfarrerin empfehlen?

Ehrlich: Ich weiß es nicht. Die Gemeindearbeit verändert sich stark. Mein Vorvorgänger konnte noch jedes Gemeindeglied persönlich besuchen. Heute ist das gar nicht mehr denkbar, weil neben der Seelsorge immer mehr Aufgaben auf die Pfarrer zukommen. Die Gemeinden werden immer größer. Wir müssen uns darüber Gedanken machen wie wir das künftig organisieren können. Eine Großgemeinde von Gronau über Ahaus und Stadtlohn bis nach Vreden und Oeding ist nicht die Lösung. Aber neue Kooperationen und die Schaffung eines multiprofessionellen Teams können Wege aufzeigen.

Was macht der Pfarrer in seiner Freizeit?

Ich spiele Gitarre für den Hausgebrauch. Und ich zeichne gerne alles mögliche, zum Beispiel auch Comics für die Gemeinde.

Wen hat Ihr Vater denn zur Feier des Jubiläums mitgebracht? Wieder einen Lehrer?

(lacht) Nein, aber 150 Würstchen. Wir haben zuerst in der Kirche unter großer Anteilnahme gefeiert, mit zwei Chören. Das war sehr festlich und sehr schön. Und hinterher haben wir die Würstchen gegrillt. Ich muss an dieser Stelle unbedingt noch meine Frau Christina Sambale-Weber erwähnen. Sie hält mir nicht nur den Rücken frei, sondern trägt meine Arbeit in der Gemeinde mit: als Kirchenmusikerin, als Leiterin der Frauenhilfe, als Mitarbeiterin in der Kinderkirche, und in vielen anderen Bereichen. Die Gemeinde-Arbeit ist für uns ein Gemeinschaftsprojekt.

Wir müssen noch über Gott sprechen. Man könnte den Eindruck haben, dass Gott immer mehr aus dem Leben dem Menschen verschwindet. Ist das so?

Als Religionslehrer in der Grundschule und in der Realschule hatte ich nicht den Eindruck. Als ich dann zum ersten Mal im Berufskolleg Lise Meitner unterrichtet habe, hatte sich schon die Sorge: Wollen junge Menschen in dem Alter noch etwas von Gott wissen? Und ja, sie wollen. Es gibt viele Fragen in Bezug auf Gott. Und es gibt ein großes Interesse an ethischen Fragen.

Ich bin da mittlerweile gelassener: Es gibt immer Menschen, die wir erreichen. Die Welt ist nicht gottloser geworden. Aber sie kann mit bestimmten kirchlichen Strukturen immer weniger anfangen. Wir als Kirche müssen uns mehr bewegen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt