Pflegelotsen für Kollegen im Rathaus im Einsatz

Pionierarbeit in Stadtlohn

Mittlerweile ist jeder achte Arbeitnehmer in Deutschland privat in die Pflege eines Familienangehörigen eingebunden. Damit der Spagat zwischen Pflege und Beruf sich nicht negativ auf den Arbeitnehmer auswirkt, leistet die Stadtverwaltung in Stadtlohn mit zwei freiwilligen Pflegelotsen Pionierarbeit.

STADTLOHN

von Von Gerrit Gerwing

, 11.02.2015, 18:33 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bürgermeister Helmut Könning mit den beiden Pflegelotsen Andrea Leiking, Birgit Hovestadt und Mitinitiator Berthold Dittmann (v.l.)gerwing

Bürgermeister Helmut Könning mit den beiden Pflegelotsen Andrea Leiking, Birgit Hovestadt und Mitinitiator Berthold Dittmann (v.l.)gerwing

"Gerade als öffentlicher Arbeitgeber müssen wir ja den Arbeitnehmern, die Angehörige pflegen, unter die Arme greifen", begründet Bürgermeister Helmut Könning den Schritt hin zur betriebsinternen Pflegebegleitung. Mit Birgit Hovestadt vom Bürgerbüro und Andrea Leiking vom Sekretariat des Geschwister-Scholl-Gymnasiums haben sich schnell zwei Freiwillige gefunden, die bereit sind, ihren Arbeitskollegen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. "Mir ist der Spagat zwischen Beruf und Pflege aus dem privaten Umfeld bekannt, deshalb möchte ich auch gerne meine Kollegen unterstützen", begründet Leiking ihr Ehrenamt.

Rat und Tat

In erster Linie sollen die beiden Pflegelotsen erste Ansprechpartner für betroffene Arbeitskollegen sein. Sei es nun für die erste emotionale Begleitung oder auch konkrete Hilfestellungen bei organisatorischen oder rechtlichen Problemen. Die beiden Pflegelotsen bieten den Rathaus-Mitarbeitern eine erste Anlaufstelle und stehen mit Rat und Tat zur Seite. "Am wichtigsten ist es, dass zuallererst für eine Entlastung gesorgt ist", erklärt Berthold Dittmann, stellvertretender Bürgermeister, Mitiniator des Projektes und Berater bei der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung.

Professionelle Schulung

Damit die Lotsen diese Aufgabe auch bewältigen können, wurden sie geschult. Im Juni 2014 startete die Stadtverwaltung das Pilotprojekt unter der Führung des Forschungsinstituts Geragogik. In einem mehrwöchigen Seminar wurden die Lotsen in den Bereichen Sensibilisierung, Wissensvermittlung und individuelle Betriebsstrukturen geschult. Seit Januar stehen die beiden Pflegelotsen ihren Kollegen nun zur Verfügung.

Gemeinsam mit der Sparkasse Bocholt und den Stadtwerken Bocholt ist die Stadtverwaltung in Stadtlohn eines von drei Unternehmen im Kreis, die eine betriebsinterne Pflegebegleitung anbieten. "Da leisten wir natürlich erst einmal Pionierarbeit", sagt Könning, "doch wir wollen das Konzept für andere Unternehmen bekannt machen und so ein immer größeres Netzwerk anstoßen". Durch den demografischen Wandel würden in Zukunft viele weitere Betriebe mit diesen Herausforderungen zu kämpfen haben.

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