Politiker fürchten auch für Stadtlohn eine schlechtere Notarztversorgung

mlzNotarzt-Debatte

Stadtlohner Politiker fürchten fraktionsübergreifend, dass sich durch den geplanten Abzug des Notarztes aus Vreden die Notfallversorgung auch in Stadtlohn verschlechtern könnte.

Stadtlohn

, 31.10.2019, 18:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Vreden soll es ab 2020 keinen eigenen Notarzt mehr geben. Im Notarztversorgungsgebiet Ahaus, Stadtlohn und Vreden werden dann anstatt drei nur noch zwei Notärzte in Bereitschaft sein. Die Diskussion über dieses Thema hat in der Nachbarstadt schon hohe Wellen geschlagen. Am Mittwochabend erreichten sie auch den Haupt- und Finanzausschuss des Stadtlohner Rates.

Kreis Borken soll Stadtlohner informieren

Auf Antrag der SPD-Fraktion forderte der Ausschuss einstimmig, der für diese Fragen zuständige Kreis Borken soll in der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in Stadtlohn erklären, wie künftig die Notfallversorgung in Stadtlohn, Vreden und Ahaus gemäß des gültigen Rettungsbedarfsplans sichergestellt werden kann.

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„Wenn es im Versorgungsgebiet nur noch zwei statt drei Notärzte gibt, dann wird die Versorgung auch in Stadtlohn wesentlich schlechter“, erklärte Reinhold Dapper (SPD). Wenn der Stadtlohner Notarzt zu einem Einsatz nach Vreden eile, dann fehle er eben im Falle eines Falles in Stadtlohn. „Der Bürgermeister muss jetzt energisch auf den Kreis einwirken, um eine Verschlechterung der Versorgung auszuschließen.“

SPD beklagt späte Information und fehlende Transparenz

Reinhold Dapper beklagte zudem die späte Information und fehlende Transparenz in diesem Entscheidungsverfahren. Bürgermeister Helmut Könning räumte ein, dass „das Angebot in der Breite nicht mehr ganz so gut“ sein werde. Er betonte aber, dass in dieser Frage der Kreis Borken zuständig sei. „Die Stadt Stadtlohn ist in dieser Frage nicht offiziell informiert worden.“

Helmut Könning gehört seit dem 1. Juli 2019 dem Aufsichtsrat des Klinikums Westmünsterland an, das zum 31. Dezember den Vertrag zur Gestellung der Notärzte durch das Vredener Krankenhaus aufgekündigt hat. Im Aufsichtsrat habe er aber erst am 10. Oktober von diesem Schritt erfahren, sagte der Bürgermeister am Mittwochabend im Ausschuss.

UWG: Nicht auf Kosten der Bürger im ländlichen Raum sparen

Erwin Plate (UWG) beklagte, dass hier „Kosten zu Lasten der Bürger im ländlichen Raum“ eingespart würden. Das sei nicht nur ein Vredener Problem. Plate: „Wir müssen alles daran setzen, dass die ärztliche Versorgung weiterhin gesichert wird.“

Das sei umso notwendiger, weil die geburtenstarken Jahrgänge bald in ein Alter kämen, dass das Risiko auf Schlaganfälle und Herzinfarkte erhöhe, sagte Marlies Dertmann (FDP). Bernd Schöning (FDP) forderte: „Ein Vertreter des Kreises soll zu uns in die Sitzung kommen und Auskunft geben, wie die Versorgungslücke gestopft wird.“

Richard Henrichs (Bündnis90/Die Grünen) war in der Beurteilung der Frage zurückhaltender. Der Kreis Borken habe sich ja intensiv mit dieser Frage beschäftigt, viel Sachverstand eingebracht und ein Konzept vorgelegt, in dem auch Rettungssanitäter und Rettungshubschrauber eine wichtiger Rolle spielten, um Lücken füllen können. Henrichs: „Ich glaube, wir können hier nicht beurteilen, wieviele Notarztstellen genau notwendig sind.“

CDU: „Wegfall bedeutet immer Verschlechterung“

Helmut Stowermann (CDU) brachte es hingegen auf eine kurze Formel: „Wegfall bedeutet immer Verschlechterung.“ Er sprach von einem „hochemotionalen Thema“ und schloss sich der Forderung der FDP an, ein Kreisvertreter solle in Stadtlohn Auskunft geben.

Der Leiter der Stadtlohner Rettungswache, Ralf Thesker, kam in der Hauptausschuss-Sitzung ebenfalls zu Wort und widersprach der Einschätzung, dass es durch das neue Konzept zu deutlichen Verschlechterungen komme.

Notfallsanitäter gewährleisten erste Rettungsmaßnahmen

Innerhalb der zwölfminütigen Hilfsfrist soll der Rettungsdienst an der Einsatzstelle sein. Diese Frist werde in den vorgeschriebenen 90 Prozent der Fälle erreicht. „Die Notfallsanitäter können alles, was zunächst wichtig ist, bis der Notarzt kommt“, so Ralf Thesker. An der Stadtlohner Rettungswache sind 15 hauptamtliche Notfallsanitäter beschäftigt.

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Während das Thema am Mittwochabend erstmals die Stadtlohner Politik beschäftigte, sorgte gleichzeitig ein Vorstoß im Vredener Hauptausschuss für Überraschung. Dort wollen niedergelassene Ärzte die Lücke im Notarzt-Dienstplan stopfen. Der Kreis will nun diese Möglichkeit prüfen.

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