Politischer Gegenwind stoppt neue Windräder

mlzWindkraft

Die Mehrheit der Stadtlohner Politiker will die weitere „Verspargelung“ der Landschaft stoppen. Der Bürgerwindpark Hengeler-Wendfeld soll nicht weiter wachsen.

Stadtlohn

, 07.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein klares Votum gegen eine Erweiterung des Bürgerwindparks Hengeler-Wendfeld hat der Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss am Dienstagabend mit den Stimmen von CDU und UWG abgegeben. Damit ist das Planverfahren bis auf weiteres vom Tisch. Die Betreiber des Windparks hatten beantragt, den bestehenden Windpark mit acht rund 200 Meter hohen Anlagen in Hengeler nach Westen um 70 Hektar zu erweitern. Dort hätten dann je nach Anlagetyp drei bis fünf neue Anlagen errichtet werden können.

Plate: „Landschaft blinkt wie ein Flipperautomat“

„Ich habe mich schon sehr gewundert, dass der Antrag auf Erweiterung der Windkraftzone nach so kurzer Zeit auf den Tisch kommt!“ Mit diesen Worten eröffnete der UWG-Fraktionsvorsitzende Erwin Plate die Diskussion. Er erinnerte daran, dass der Teilflächennutzungsplan vor nicht einmal drei Jahren beschlossen worden war.

Plate: „Wir haben uns damals ganz bewusst für eine Beschränkung entschieden, um die Anwohner zu schützen.“ Nach seinen Worten gleicht „das Landschaftsbild rund um Stadtlohn in den Abendstunden einem „Flipperautomaten – überall blinkt es.“

Beitrag für regenerative Energien

Die Windkraftanlagen rund um Stadtlohn, so Plate, störten nicht nur die Anwohner, sondern behinderten auch die künftige Stadtentwicklung. Mit den jetzt bereits bestehenden Windkraftanlagen in Wendfeld-Hengeler, Hundewick und Almsick habe Stadtlohn einen mehr als ausreichenden Beitrag für die regenerativen Energien geleistet. Den Windkraftbetreibern empfahl er: „Sparen Sie sich das Geld für ein neues Planverfahren. Kaufen Sie sich lieber einen neuen Trecker.“

Wansing: „Wir sollten jetzt einen Schlusspunkt setzen“

Auch Josef Wansing von der CDU zeigte sich überrascht „dass wir nach dem abgeschlossen Verfahren von 2016 jetzt schon mit dem Wunsch nach einer Vergrößerung behelligt werden.“ Wansing: „Wir haben der Windkraft substanziellen Raum in Stadtlohn eingeräumt. Eine weitere Verspargelung der Landschaft ist nicht gewünscht. Wir sollten jetzt einen Schlusspunkt setzen. Es muss auch substanziellen Raum für die Natur geben.“ Nicht von ungefähr habe die Untere Umweltbehörde des Kreises Borken die Windkraftpläne für unvereinbar mit dem Landschaftsschutzgebiet „Östliche Berkelniederung“ erklärt.

Blinken wird in einigen Jahren abgeschaltet

Dieser Einschätzung widersprachen am Dienstagabend August Rietfort als Geschäftsführer des Bürgerwindparks Hengeler/Wendfeld und der von ihm bestellte Gutachter Daniel Christen. Rietfort: „Das Planerweiterungsgebiet ist geprägt von landwirtschaftlichen Flächen und Nutzwald. Da gibt es aus unserer Sicht keine Konflikte zwischen Windkraft und Landschaftsschutz.“

Politischer Gegenwind stoppt neue Windräder

Der Bürgerwindpark Hengeler-Wendfeld wird von rund 150 Gesellschaftern aus Stadtlohn und Ehemaligen aus den Bauernschaften Hengeler und Wendfeld getragen. © Stefan Grothues

Ein Gutachten habe auch schon bestätigt, dass es keinerlei artenschutzrechtlichen Bedenken gebe. Rietfort räumte ein, dass er die Bedenken der CDU und der UWG nachvollziehen könne. „Das Blinken ist mir auch ein Dorn im Auge. Das findet keiner schön.“ Es sei aber jetzt noch gesetzlich vorgeschrieben. Ab 2020 erwarte er aber neue technische Lösungen in der Radar- oder Transpondertechnik und veränderte Gesetzte, die das Blinken für die Flugwarnung auch in Hengeler-Wendfeld überflüssig machen.

FDP und SPD wollen Bürger befragen

„Die Diskussion um die Windkraft ist heiß, es gibt viele Emotionen“, befand Dr. Albert Daniels von der FDP. Er sprach sich dafür aus, sich mehr Zeit für die Meinungsbildung zu nehmen. „Wir könnten auf einer Bürgerversammlung die Stadtlohner fragen: Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema?“, schlug Daniels vor.

„Das ist ein guter Vorschlag“, befand Ludger Brockherde von der SPD. Schließlich seien ja alle Stadtlohner mehr oder weniger von den Windkraftanlagen betroffen, die mit ihrem „Gigantismus“ eine bedrohliche Wirkung entfalteten. Andererseits sei der Ausbau der regenerativen Energien in Zeiten des Atom- und Kohleausstiegs auch ein Gebot der Stunde.

Den Vorschlag für eine Bürgerversammlung lehnten CDU und UWG rundweg ab. Josef Wansing: „Wir haben uns jahrelang mit dem Thema beschäftigt und viele Gespräche mit den Bürgern geführt. Wir brauchen nicht zusätzlich noch eine Bürgerversammlung, die ja auch nicht repräsentativ wäre. Wir Ratsmitglieder sind gewählt, um Entscheidungen zu treffen.“ Erwin Plate fasste das Meinungsbild in der Bevölkerung in einem Zitat aus Bürgergesprächen zusammen: „Die Windkraftbetreiber können den Hals nicht vollkriegen.“

August Rietfort reagierte äußerlich gelassen. „Wir möchten mit unserer Planung der Stadt ein Angebot machen. Wenn das nicht gewünscht wird, dann nehmen wir das zur Kenntnis.“

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