Arbeiten in der Turbine: Windkraftmonteure könnten bald neue Arbeit in Stadtlohn bekommen. In Hengeler und Almsick gibt es Pläne zur Erweiterung der Windparks. © Stefan Grothues
Windkraft

Politischer Rückenwind für neue Windkraftanlagen in Almsick und Hengeler

In Almsick und Hengeler sollen sich bald mehr Windräder drehen und klimafreundlichen Strom produzieren. Stadtlohns Politiker zeigen sich aufgeschlossen für die Ideen der Windparkbetreiber.

Vier Windkraftanlagen wurden seit 2012 in Almsick von der Windparkgesellschaft Bürgerwind Almsicker Loh geplant und errichtet. In Wendfeld und Hengeler errichtete die Hewe-Windpark GmbH im Jahr 2017 acht Windkraftanlagen. Jetzt sollen insgesamt fünf bis maximal acht neue Windräder hinzu kommen: zwei bis drei in Almsick, drei bis fünf in Hengeler – je nach Anlagentyp und Größe.

Die Erweiterungsabsichten kommen nicht ganz überraschend. Sie waren von den beiden Betreibergesellschaften schon in den ursprünglichen Plänen angedacht und wurden bereits gutachterlich zum Beispiel mit Blick auf die Vogelwelt untersucht.

Gutes Einvernehmen mit den Anwohner ist das erklärte Ziel

Am Dienstag haben die beiden Geschäftsführer August Rietfort (Hewe-Windpark) und Heinrich Große Liesner (Bürgerwind Almsicker Loh) gemeinsam ihre Erweiterungsanträge im Wirtschaftsförderungs-, Infrastruktur- und Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Stadtlohn vorgestellt.

In Almsick sollen die zwei neuen Anlagen „aus Sicht der Anwohner, aber auch aus Sicht aller anderen Bürger, hinter den bestehenden Anlagen errichtet werden“, erklärte Heinrich Große Liesner. Statt zwei größeren Anlagen seien auch drei kleinere denkbar, „aber eher unwahrscheinlich“. Große-Liesner betonte, dass das Gebiet in Richtung Stadtgrenze Ahaus dünn besiedelt sei.

Noch wichtiger sei: Mit den Anwohnern sei ein gutes Einvernehmen erzielt worden. Heinrich Große Liesner: „Der bestehende Windpark wurde nicht beklagt. Anwohnern wurde die direkte Beteiligung angeboten. Zusätzlich wird eine Anwohnervergütung gezahlt.“ Darüber hinaus seien viele Stadtlohner Bürger durch Beteiligungsmodelle an den Gewinnen beteiligt, die Wertschöpfung sei breit gestreut. Das gilt auch für die Hewe-Windpark GmbH.

4,5 Tonnen CO2 pro Kopf in Stadtlohn eingespart

In Hengeler sind je nach Anlagentyp drei bis fünf Windkrafträder mit Höhen zwischen 200 und 250 Meter südlich der Wüllener Straße geplant. „Wir führen seit drei, vier Monaten sehr intensive Gespräche mit den Anwohnern“, erklärte August Rietfort vor den Stadtlohner Politikern. Der bestehende Windpark war in der Vergangenheit von Anwohnern aus Wendfeld beklagt worden. Die Klage wurde aber zwischenzeitlich zurückgezogen, weil sich Kläger und Betreiber außergerichtlich geeinigt hatten.

In Wendfeld und Hengeler wurden 2017 acht Windkraftanlagen errichtet.
In Wendfeld und Hengeler wurden 2017 acht Windkraftanlagen errichtet. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

August Rietfort hob im Ausschuss die ökologische Bedeutung der Windkraft hervor: Im Jahr 2019 haben die 18 Windenergieanlagen in Stadtlohn rund 150,2 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und damit 91.000 Tonnen CO2 eingespart, das sind in Stadtlohn fast 4,5 Tonnen pro Kopf – das ist eine Einsparung von fast 40 Prozent der CO2-Belastung.“

Gewerbesteuern sprudeln

Eine Einsparung, die für die Kommunen zudem eine echte wirtschaftliche Bedeutung hat. Allein in diesem Jahr zahlen die beiden Windparkgesellschaften weit über 600.000 Euro Gewerbesteuer. Ähnliche Beträge werden auch in den nächsten Jahren erwartet

Angesichts dieser Zahlen erklärte Matthias Tenhumberg (SPD): „Wenn wir den Windkraftausbau unterstützen, dann tun wir ja nicht nur den Betreibern einen Gefallen, sondern vor allen unseren Kindern.“ Ihre grundsätzliche Unterstützung für den Ausbau der Windkraft angesichts des Klimawandels äußerten auch die Sprecher aller anderen Fraktionen.

Politiker wollen in das Genehmigungsverfahren einsteigen

„Wir sehen viel Potenzial. Jetzt muss ein geordnetes Verfahren stattfinden, in dem auch die Bürgerinnen und Bürger an den Planungen beteiligt werden“, sagte Richard Henrichs (Grüne). Einstimmig bei zwei Enthaltungen aus der FDP und UWG beschloss der Ausschuss, zur geplanten Erweiterung der Windenergie-Konzentrationszonen Gespräche mit dem Kreis Borken aufzunehmen.

Bevor die Rotoren an neuen Windkrafttürmen in Almsick und Hengeler montiert werden, ist noch ein aufwendiges Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung notwendig.
Bevor die Rotoren an neuen Windkrafttürmen in Almsick und Hengeler montiert werden, ist noch ein aufwendiges Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung notwendig. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Seine Enthaltung erklärte Dr. Albert Daniels (FDP) so: „Grundsätzlich sind wir auch für den Ausbau der Windkraft. Aber uns fehlen noch Stellungnahmen der Anwohner. Es wäre besser, wenn der gesamte Rat zu einem späteren Zeitpunkt darüber entscheidet.“

Neue Windkraftplanungen auch in Hundewick

Nach Angaben von Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp sind nicht nur für den Bereich Hengeler und Almsick, sondern auch für die Zone in Hundewick

Absichten zur Erweiterung bekannt. Seitens der Bezirksregierung sei

signalisiert, dass keine „Salamitaktik“ verfolgt werden solle, sondern ein gemeinsames Änderungsverfahren sinnvoll ist.

Dass sich zunächst die Almsicker und Hengeler/Wendfelder Windparkbetreiber gemeinsam an die Stadt gewandt hätten, erklärte August Rietfort im Gespräch mit unserer Redaktion so: „Anders als in Hundewick gelten in Almsick und Hengeler Landschaftsschutzpläne. Darum sind gemeinsame Gespräche mit dem Kreis sinnvoll.“

Später in der konkreten Planungs- und Umsetzungsphase werden die beiden Windkraftgesellschaften wieder jeweils eigene Wege gehen. „Ein Zusammenschluss ist nicht geplant“, so August Rietfort. Gemeinsam mit Heinrich Große Liesner freue er sich jetzt aber über das klare Abstimmungsergebnis und den politischen Rückenwind für den Ausbau der Windkraft.

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