Pool- und Gartenfreunde tragen die Hauptschuld am knappen Trinkwasser in der Region

mlzTrinkwasserknappheit

Das Trinkwasser in Stadtlohn, Südlohn und Vreden wird knapp. Die SVS-Versorgungsbetriebe bitten dringend darum, Wasser zu sparen. Wir haben Fragen und Antworten zum Thema zusammengetragen.

Stadtlohn

, 27.06.2019, 17:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist doch erst drei Tage warm, warum ist das jetzt schon ein so großes Problem?

Ganz einfach: Es wird seit Tagen deutlich mehr Wasser aus den Speicherbecken entnommen, als nachfließen kann. Die Zahlen haben die SVS-Versorgungsbetriebe veröffentlicht: An einem normalen Tag würden in Stadtlohn 180 Kubikmeter Wasser pro Stunde entnommen. In Vreden seien es 240 Kubikmeter, in Südlohn 80 Kubikmeter. Allein am vergangenen Samstag waren es aber in Stadtlohn über 400 Kubikmeter, in Vreden über 500 Kubikmeter und in Südlohn 143 Kubikmeter pro Stunde. Die Speicherbecken in Vreden und Stadtlohn sind jeweils 3000 Kubikmeter groß.

Warum wird dann nicht einfach mehr Wasser gefördert?

Weil die Fördermenge gedeckelt ist. Wegen der Trockenheit im vergangenen Sommer und auch in diesem Jahr, dürfen die SVS nur 270 Kubikmeter Wasser pro Stunde fördern. Normal seien laut SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß 400 Kubikmeter. Würden die SVS aktuell aber diese Mengen fördern, würden sie auch dem Grundwasser insgesamt schaden. Denn durch die Trockenheit konnte nicht genügend neues Grundwasser gebildet werden.

Wieso ist man denn überhaupt so sicher, dass das meiste Wasser in Gärten und Pools landet?
Das leiten die SVS aus ihrer Verbrauchsstatistik ab. Der absolute Spitzenwert wurde in den vergangenen Tagen abends um 20 Uhr erreicht. „Genau dann, wenn die Menschen zuhause sind und ihren Garten bewässern“, sagt SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß.

Grundwasserspiegel, Speichermengen, Verbräuche...Wie schlimm ist es denn jetzt wirklich?
„Wir könnten für die Menschen in unserem Gebiet natürlich ohne Probleme die Trinkwasserversorgung sicherstellen“, sagt Thomas Spieß. Trotz der warmen Temperaturen. Doch die stetig steigenden Wassermengen für private Pools oder die Gartenbewässerung ist dabei einfach nicht vorgesehen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren und selbst zum besonders heißen und trockenen 2018 ist der Wasserverbrauch aber enorm gestiegen. Deswegen ist der Versorgungsbetrieb aber darauf angewiesen, dass die Abgabemengen sinken.

Stadtlohn kauft doch sowieso schon Wasser aus Borken zu. Warum wird nicht einfach mehr eingekauft?

Auch das ist nicht ohne weiteres technisch möglich. „Wir helfen nach Kräften“, sagt Antje Evers, Pressesprecherin der Stadtwerke Borken.

Das Problem gab es so ähnlich doch schon im vergangenen Jahr. Hat man daraus nichts gelernt?

Doch, aber die geplanten Veränderungen und Erweiterungen brauchen Zeit. Ein neuer Wasservorratsbehälter ist in Planung und auch schon bei den beteiligten Kommunen finanziell eingeplant. In diesem Sommer wird der aber nicht fertig. Zuletzt hatten die SVS mit der Fertigstellung für 2020 gerechnet.

Und die Stadt bewässert fleißig weiter Bäume und Grünanlagen?

Ja und nein. Blumenkübel und Topfpflanzen werden auch in Zukunft in Stadtlohn gegossen. Großflächige Bewässerung durch Rasensprenger soll es aber nicht geben. „Einfaches Blumengießen ist ja im Privathaushalt auch kein Problem“, sagt Günter Wewers, Erster Beigeordneter und Pressesprecher im Stadtlohner Rathaus. Die Stadt könne die Pflanzen ja auch nicht verkommen lassen. Das Problem sei hingegen das kubikmeterweise „Wasser-laufen-lassen“ für Rasensprenger oder die Poolbefüllung. Entsprechend werde Stadtlohn, so lange es so trocken bleibt, keine Grünflächen mehr bewässern.

Haben die Aufrufe zum Wassersparen denn schon etwas gebracht?

Dazu mag Thomas Spieß am Donnerstag noch nichts sagen. Es habe wohl allererste leichte Bewegungen gegeben. Ob es sich dabei aber um einen Zufall, eine Eintagsfliege oder um ein wirkliches Umdenken der Menschen handelt, will er noch nicht beurteilen. Dazu müsse man noch ein paar Tage abwarten.

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