Prozess wegen Kinderpornos: 31-jähriger Stadtlohner räumt alles ein

mlzKinderpornografie

Vier Videodateien mit kinderpornografischem Inhalt hatte sich ein 31 Jahre alter Stadtlohner per Whatsapp zuschicken lassen. Die Strafe dafür bekam er am Dienstag im Amtsgericht.

Stadtlohn

, 26.05.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das war dämliche Neugier. Eine sehr dumme und gefährliche Neugier.“ Trotz seiner Einsichtigkeit – die Strafe für einen 31 Jahre alter Stadtlohner am Dienstag im Amtsgericht Ahaus war empfindlich. Der Mann musste sich wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials verantworten.

Laut Vertreterin der Staatsanwaltschaft unterhielt sich der Stadtlohner von Februar bis April 2019 per Whatsapp-Chat mit einem anderen Mann. Dabei wurde auch über sexuelle Vorlieben geschrieben. So schrieb der Mann dem Stadtlohner, dass er etwas habe, „was Ihnen gefallen wird“.

Jetzt lesen

Der Stadtlohner erhielt im April 2019 per Whatsapp vier Videodateien. Im ersten Video entblößt ein achtjähriger Junge. Weitere drei Videos zeigen den Missbrauch eines sechsjährigen und eines fünfjähriges Mädchens sowie eines fünfjährigen Jungen. Der Stadtlohner quittierte den Erhalt der Videos mit Kommentaren wie „Das ist geil“.

„Ich bin nicht pädophil“

Er sei sich bewusst, dass er eine schwere Straftat begangen habe, sagte der Angeklagte in der Verhandlung. Seit Bekanntwerden der Tat sei er ein Nervenbündel. „Ich bin nicht pädophil. Ich habe ganz normale Beziehungen zu Frauen.“

Im Internet sei er beim Surfen auf eine Webseite des Mannes gestoßen. „Da kommt man in diesen Zeiten sehr schnell auf solche Seiten.“ Der Mann habe im Internet seine Telefonnummer hinterlassen. „Später kam es dann zum Chat.“ Zuerst hätte sich der Nachrichtenaustausch um Fotos von erwachsenen Frauen gedreht – erst später um Kinder. Der 31-Jährige: „Der Mann sagte, er hätte ganz viel Material auf seinem PC.“

Nur kurz ging es in der Verhandlung um den Lebenslauf des Stadtlohners. So hat der 31-Jährige keinen Schulabschluss und keine Ausbildung, er ist schwerbehindert und war wegen einer Angststörung in psychiatrischer Behandlung.

Für den Angeklagten spreche, dass er vollkommen geständig sei, sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer. Sie beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen zu je 10 Euro, insgesamt also 1000 Euro.

Vor der Urteilsverkündung hatte der Angeklagte das letzte Wort: „Es wird nie wieder vorkommen“, sagte der 31-Jährige. „Ich schäme mich vor meinen Eltern, dass die Polizei bei uns war.“

In seinem Urteil ging der Richter deutlich über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus. Er verurteilte den Stadtlohner zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

„Sie schaffen den Markt dafür“

„Sie haben dem Mann geschrieben, dass sie sich über die Zusendung der Videos freuen“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. „Die Daten sind nicht gegen Ihren Willen bei Ihnen gelandet.“ Kinder würden für solches Videos missbraucht, erklärte der Richter. „Sie schaffen letztendlich den Markt dafür“, sagte er dem 31-Jährigen.

Der Stadtlohner muss zudem 80 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und sich der Diagnose eines Sexualtherapeuten unterziehen.

Lesen Sie jetzt