Rat entscheidet über Schicksal der Förderschule

Johannesschule

Die Zukunft der Johannesschule wird am Mittwochabend besiegelt. Punkt drei der Tagesordnung, über den der Stadtrat am Mittwoch entscheidet, sieht die Auflösung der Förderschule zum August 2016 vor. Dass der Rat im letzten Moment noch anders entscheidet, als die Verwaltung es vorschlägt, damit rechnet niemand mehr. Auch die Eltern der Förderschüler nicht.

STADTLOHN

, 08.09.2015, 19:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rat entscheidet über Schicksal der Förderschule

Die Johannesschule in Stadtlohn soll geschlossen werden, da sie nur noch 72 Schüler statt der geforderten 144 hat.

Haben in den vergangenen Wochen noch Eltern, Schüler und Förderer versucht, die Schule zumindest noch einige Jahre laufen zu lassen, stehen die Signale doch anders - nämlich schlechter. 72 Schüler nehmen im laufenden Schuljahr am Unterricht teil, das ist gerade einmal die Hälfte der von der Landesregierung geforderten Mindestzahl von 144 Schülern.

"Viel Hoffnung habe ich nicht", sagt Schulleiterin Margarete Wolter auf Anfrage der Münsterland Zeitung. Sie rechnet damit, dass sie die Schule nächstes Jahr endgültig schließen muss. "Es ist bedauerlich, dass letztendlich die Schülerzahl entscheidet und nicht die Qualität", so Wolter.

Gute Leistungen

Diese Qualität und die guten Leistungen in der Vergangenheit wurden in der Sitzung des Schul- und Bildungsausschusses im Juni auch ausdrücklich gelobt (Münsterland Zeitung berichtete). Auch Uwe Eisenberg, zuständiger Dezernent der Bezirksregierung Münster, sagte, er nehme die guten Leistungen der Johannesschule wahr.

Er drängte aber gleichzeitig auf die kreisweite Lösung, die nur noch Förderschulen in Ahaus und Bocholt vorsehe. Durch die Schließung im kommenden Jahr würde zügig ein stabiles System für alle geschaffen, sagte Eisenberg damals.

Eltern sollen Schule wählen

An eine letzte Rettung der Stadtlohner Förderschule glaubt Michael Wenning, Sprecher der Elterninitiative, auch nicht mehr. "Dazu ist unser Stadtrat nicht stark genug", sagt Wenning. Der Druck vom Kreis und Land sei wohl zu groß. "Ich habe dem Bürgermeister vorgeschlagen, dass wenigstens einige Förderlehrer an den Stadtlohner Schule als Inklusionslehrer eingesetzt werden und die Eltern selbst entscheiden können, an welcher Schule (in Stadtlohn) ihre Kinder künftig inklusiv unterrichtet werden", sagt Wenning weiter. Und das dafür entsprechend Platz geschaffen werde.

An die Zukunft der künftigen Kreisförderschulen glaubt der Familienvater allerdings nicht: "Die Schulen sind ohne Grundschulklassen geplant. Mal ehrlich, wer schickt denn sein Kind nach der vierten Klasse, in der es inklusiv geschult wurde, noch an eine Förderschule?"

Schwerste Entscheidung

Vor der Sommerpause hatte der Erste Beigeordnete Karlheinz Pettirsch noch angekündigt, dass die Verwaltung prüfen wolle, ob eine Kooperation mit anderen Stadtlohner Schulen möglich sei. In der Sitzungsvorlage für Mittwochabend lautet nun der Beschlussvorschlag, dass die Johannesschule zum 1. August 2016 aufgelöst wird.

"Das ist die schwerste Entscheidung, die ich in meiner zwölfjährigen Amtszeit treffen muss", sagt Bürgermeister Helmut Könning am Dienstag auf Anfrage der Münsterland Zeitung.

Gespräch mit Bezirksregierung

"Ich hatte auch das Gefühl, dass Politik und Verwaltung mit der Entscheidung nicht glücklich sind", so Könning weiter. Man wolle sich der Kreislösung nicht in den Weg stellen, um den Schülern schnell eine Perspektive zu bieten. Die Anregungen von Wenning habe er aufgenommen und für Mittwoch ein Gespräch mit der Bezirksregierung vereinbart. "Vielleicht kann ich in der Ratssitzung schon mehr dazu sagen", so Könning.

Mit dem Aus für die Förderschule steht auch die Zukunft des Johannes-Förderwerks infrage, dass eigens zur Unterstützung der Förderschule gegründet wurde, und die Johannes-Reithalle, das Johannes-Lädchen und Basare unterhält.

Am Mittwochabend wollen Eltern und Schüler von der Johanneschule zum Rathaus marschieren, um sich erneut für ihre Schule starkzumachen. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr im Rathaus, Markt 3.

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