Rat will keinen Bürgerentscheid zur Zukunft des Berkelstadions einleiten

mlzBerkelstadion

Busbahnhof oder Wohnbebauung? Wie soll es im Berkelstadion weitergehen? Die FDP würde diese Frage am liebsten direkt durch die Bürger entscheiden lassen. Die Ratsmehrheit sieht das anders.

Stadtlohn

, 03.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Stadtlohn wird keinen Ratsbürgerentscheid zur Zukunft des ehemaligen Berkelstadions einleiten. Ein entsprechender Vorstoß der FDP fand im Rat keine Mehrheit. Nur die UWG unterstützte das Anliegen. CDU, SPD und Grüne verwiesen indes auf bereits bestehende Beschlüsse und laufende Verhandlungen. Die SPD wertete den Vorstoß der FDP gar als „populistisch“.

Zwei Jahrzehnte voller Ideen

Seit fast 20 Jahren werden im Berkelstadion keine Fußballspiele mehr angepfiffen. An Ideen und Überlegungen für das innenstadtnahe Gelände mangelte es seither nicht: Festplatz, Einkaufszentrum, Kino, Jugendhaus, Hotel, Schnellrestaurant, neuer Busbahnhof, neue Stadthalle, Seniorenwohnheim – all das konnten und können sich Planer, Investoren, Politiker oder Bürger dort vorstellen.

FDP: „Die Bürger sollen entscheiden“

Doch noch immer liegt die Fläche brach. „Das frühere Berkelstadion sieht längst nicht mehr nach dem vielzitierten ‚Filetstück‘ aus“, erklärte die stellvertretende FDP-Vorsitzende Andrea Wiggering-Cirkel in der jüngsten Ratsitzung. „Wir wollen die Entscheidung über das Berkelstadion nicht weiter auf die lange Bank schieben. Der Bürger soll nun entscheiden, wie es weitergeht.“

Aus Sicht des FDP-Vorsitzenden Bernd Schöning sollen die Bürger direkt entscheiden, ob auf dem Gelände „ein öffentlicher Festplatz (für Zirkus, Kirmes, Schützenfest und andere Festivitäten) samt Busbahnhof“ errichtet werden soll, und zwar mit zusätzlicher Bebauung im östlichen Teil – Ja oder Nein?

Die UWG unterstützte die Forderung nach einem Bürgerentscheid. „Auf der Fläche tut sich ja gar nichts mehr. Die Bürger sind die Brache leid“, sagte der stellvertretende UWG-Fraktionsvorsitzende Jürgen Wörmer.

Rat will keinen Bürgerentscheid zur Zukunft des Berkelstadions einleiten

Im alten Berkelstadion können sich sowohl der Investor aus Lingen als auch das Klinikum Westmünsterland vorstellen, ein Seniorenheim zu bauen. © Stephan Teine

Der Rat könnte einen Ratsbürgerbescheid nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit einleiten. Faktisch gibt es jedoch nicht einmal eine einfache Mehrheit.

CDU, SPD, und Grüne begründeten ihr Nein zum Bürgerentscheid unter Berufung auf die schriftliche Stellungnahme des Bürgermeisters Helmut Könning. Der hatte betont, dass zurzeit mehr als nur die zwei von der FDP genannten Alternativen gibt.

Langes Warten auf das Hochwasserschutzkonzept

„Über die tatsächlich verfügbaren Flächen gibt es erst seit November 2018 Klarheit“, betont der Bürgermeister. Erst dann habe der Planfeststellungsbeschluss zum Hochwasserschutzkonzept gefasst werden können.

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Könning verwies auf Interessenbekundungen von Dienstleistungsunternehmen und von Altenheimträgern. Schließlich werde zurzeit auch noch der Zustand der Stadthalle überprüft. „Sollte der Neubau einer Stadthalle die wirtschaftlichere Lösung darstellen, kommt damit automatisch eine erneute Diskussion über einen künftigen Standort im Berkelstadion zustande“, so Helmut Könning.

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Nur eines ist aus Sicht des Bürgermeisters nach langer Diskussion entschieden: Im Mai dieses Jahres hat der Haupt- und Finanzausschuss die Aussiedlung des Busbahnhofs in das Berkelstadion abgelehnt. Das hob auch Richard Henrichs, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, hervor: „Wir haben den Beschluss gefasst, weil das Berkelstadion auch nach Ansicht der Experten der Verkehrsunternehmen kein geeigneter Standort ist.“

„Ein Bürgerentscheid macht zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn“, schlussfolgerte der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Stowermann. Otger Harks, Fraktionsvorsitzender der SPD, sah auf Seiten der FDP gar „Populismus“-Tendenzen. Harks: „Der Wahlkampf lässt schon grüßen“.

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