Reinigungskraft stahl bei ihrer Arbeit Schmuck und wandert jetzt dafür ins Gefängnis

mlzDiebstahl in Stadtlohn

Als Reinigungkraft bestahl eine Stadtlohnerin ihre Arbeitgeber. Dass sie Geld brauchte, um einen Erpresser zu bezahlen, glaubte ihr das Gericht nicht. Die 38-Jährige muss ins Gefängnis.

Stadtlohn

, 21.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Schmuck im Wert von insgesamt 18.000 Euro erbeutete eine 38-jährige Stadtlohnerin bei Diebstählen in Privathaushalten, in denen sie als Reinigungskraft tätig war. Im Juni 2018 fiel einer 70-jährigen Stadtlohnerin auf, dass ihr Schmuckstücke fehlten. Sie rief die Polizei, und die kam recht schnell auf die Reinigungskraft als Tatverdächtige: Sie ist einschlägig vorbestraft. Auch das spielte am Freitag in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Ahaus eine Rolle. Die Stadtlohnerin wurde wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Drei Diebstahlsopfer aus Stadtlohn

Drei Zeuginnen aus Stadtlohn waren zur Verhandlung geladen – allesamt Diebstahlsopfer. Nachdem die 70-Jährige sich im Juni an die Polizei gewendet hatte, wurde eine Sachfahnderin der Polizei schließlich in einem Pfandleihhaus in Recklinghausen fündig: Dort hatte die 38-Jährige mehrere Male Schmuck verpfändet. Durch eine Pressemitteilung der Polizei Borken mit einem Foto von der dort sichergestellten Beute meldete sich im September ein weiteres Opfer, durch die Arbeit der Polizei im Anschluss wurden die weiteren Bestohlenen aus Stadtlohn ermittelt.

Der Staatsanwalt führte in seiner Anklage die insgesamt sechs Diebstahlsfälle in den vier Haushalten auf, dazu kamen noch drei Vorwürfe des Betrugs, weil die Angeklagte zwei Smartphones und eine Brille bei Ebay verkauft, aber weder die Ware geliefert noch das erhaltene Geld zurückgezahlt hatte. Die Diebstähle räumte die Angeklagte ein. Sie habe gestohlen, weil sie von jemanden unter Druck gesetzt worden sei, sagte sie. Ein Stadtlohner, bei dem sie geputzt hatte, habe sie heimlich bei einem Toilettengang in seiner Wohnung gefilmt und ihr gedroht, das Video im Internet zu veröffentlichen. 500 Euro im Monat habe sie ihm von Oktober 2017 bis Juni 2018 gezahlt. Jeden Monat, erzählte sie auf genaues Nachfragen des Richters, habe er angerufen, und dann habe sie ihm an einer öffentlichen Stelle das Geld gegeben. Im Januar 1000 Euro, weil sie „das Geld dann gerade über hatte“ und sie dann im Februar Ruhe hatte.

Polizei fand kein Video auf den Speichermedien

Als im Juni ihr Diebstahl aufflog, habe sie ihm gesagt, sie hätte straffällig werden müssen und werde nun nicht mehr zahlen. Warum sie nicht zur Polizei gegangen sei? „Ich hatte Angst“, sagte sie, und sie habe noch immer Angst, dass das Video veröffentlicht werde. Das nahm ihr der Staatsanwalt nicht ab. Auch, weil die Wohnungsdurchsuchung bei dem von ihr Beschuldigten nichts erbracht hatte – keine Videokamera im Badezimmerspiegel oder ein Video in sämtlichen seiner Speichermedien. „Der von der Angeklagten Beschuldigte ist polizeibekannt, da hat bislang noch jede Durchsuchung etwas gebracht“, plauderte der Staatsanwalt aus dem Nähkästchen. Und dass sie die Anzeige gegen ihn erst im November gestellt hatte, nachdem ihr die Anklageschrift zugestellt worden war? „Ich habe das dann erst meiner Mutter erzählt, die hat mir dazu geraten“, sagte die Angeklagte dazu.

Der Richter fragte genau nach, wann sie die Diebstähle begangen hatte, wann sie die Schmuckstücke ins Pfandhaus gebracht hatte und wann sie jeweils ihren „Erpresser“ bezahlt hatte. Um dann festzustellen: „Dass ist eklatant, wie das alles nicht passt“. Die Stadtlohnerin und ihre Familie lebten hauptsächlich von Hartz IV. Das Pfandhaus in Recklinghausen hatte genau aufgelistet, an welchen Daten die Angeklagte wie viel Geld ausgezahlt bekommen hatte. Wie sie danach im Januar 1000 Euro übrig gehabt haben sollte – das war nur eine Ungereimtheit.

Ihre Mandantin neigt zum Lügen“

Der Staatsanwalt hielt die Angaben der Angeklagten für nicht glaubwürdig. „Ihre Mandantin neigt zum Lügen“, wandte er sich an den Verteidiger, die Geschichte mit dem Erpresser halte er für „erstunken und erlogen“. Dass sie eine blühende Phantasie habe, zeige ja allein die SMS an eines ihrer Opfer. Aus dieser Nachricht, die die Angeklagte an die 70-jährige Stadtlohnerin nach deren Anzeige bei der Polizei geschrieben hatte, zitierte der Richter: „Leidest du an Alzheimer?“ Ob sie nicht mehr wisse, dass sie ihr doch den Schmuck gegeben habe, um ihn zum Pfandhaus zu bringen. Und: „Ich bin enttäuscht, dass du mich so hintergangen hast.“ Diese Version hatte sie zunächst auch der Polizei aufgetischt. „Die SMS war ganz schön heftig“, sagte die Zeugin dazu. Der Richter hatte andere Worte dafür und hielt der 38-Jährigen vor: „Sie haben damit eine falsche Verdächtigung aufgestellt.“

Weitere Ungereimtheiten blieben unausgeräumt: Es gab 2000 Euro Differenz zwischen den angegebenen Zahlungen an den Erpresser und den 4600 Euro, die die 38-Jährige vom Pfandhaus erhalten hatte. Und: Alle drei Zeuginnen haben keineswegs ihren gesamten Schmuck, den sie seit dem Sommer 2018 vermissen, wiederbekommen. Ein Opfer gab ihren finanziellen Schaden mit 2650 Euro an.Auch der Ehering ihres Mannes sei nicht wieder aufgetaucht.

Kein erkennbarer Wille, Schaden zu begleichen

Eine günstige Sozialprognose, wie sie der Bewährungshelfer der Angeklagten eingeschränkt und ihr Verteidiger in Gänze sah, war für den Staatsanwalt überhaupt kein Thema: Er sehe vielmehr die Gefahr, dass sie in ihrem aktuellen Arbeitsverhältnis als Reinigungskraft weiter die Gelegenheit zum Diebstahl nutzen könne. Die Entschuldigungsbriefe, die sie erst nach Zustellung der Anklageschrift an die drei Diebstahlsopfer geschrieben habe, und der nicht erkennbare Wille, den Schaden im vergangenen halben Jahr zurückzuzahlen, legte er auch nicht zu ihren Gunsten aus.

Im August 2018 war sie wegen Hehlerei noch zu einer Bewährungsstrafe und Zahlung von rund 4000 Euro verurteilt worden. Dieses Urteil bezog er mit ein, als er zwei Jahre und drei Monate Gefängnis forderte und die Zahlung von 8250 Euro. Ein Jahr und vier Monate Haft hielt der Verteidiger für angemessen, der Richter folgte aber dem Staatsanwalt. Auch die Kosten des Verfahrens muss die Angeklagte tragen. „Auch nach der heutigen Verhandlung fällt uns nicht viel ein, was für Sie spricht“, fasste er seine Beratung mit den zwei Schöffen zusammen.

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