Viel Arbeit, aber keine Einnahmen: Ausnahmezustand im Reisebüro

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Stornierungen, Umbuchungen, Erstattungen oder einfach viele offen Fragen: Im Westmünsterland Reisebüro gibt es gerade mehr als genug Arbeit. Doch Geld verdient das Team damit nicht.

Stadtlohn

, 25.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Arbeit gibt es im Moment im Westmünsterland Reisebüro in Stadtlohn genug. Trotzdem sind die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Denn es kommen keine Einnahmen rein. „Wir haben ganz viel mit den Stornierungen und auch mit der Beratung der Kunden zu tun. Aber für abgesagte Reisen bekommen wir natürlich auch keine Provision“, erklärt Inhaberin Petra Südhoff-Leijzer.

Und so haben die Mitarbeiter im vergangenen Jahr viel Zeit in die Beratung vor der Buchung investiert, ohne damit im Endeffekt Geld zu verdienen. Jetzt stecken sie viel Zeit in die Stornierungen, ohne dass neue Buchungen und somit neue Einnahmen reinkommen.

Eine schwierige Situation für Petra Südhoff-Leijzer. „Wir wollen natürlich trotzdem für die Kunden da sein, die gerade so viele Fragen haben“, meint sie. Antworten können sie und ihr Team aber im Moment nur selten liefern. „Wir und auch die Reiseveranstalter sind auf die offiziellen Infos aus der Politik angewiesen.“

Es gibt kaum offizielle Infos zum Thema Reisen

Die kommen im Moment nur häppchenweise. Gerade erst hat das Auswärtige Amt die offizielle Reisewarnung um zwei Wochen bis zum 3. Mai verlängert. Für Reisen danach gibt es noch immer keine klaren Aussagen. Sowohl Kunden als auch Reisebüros und Veranstalter hängen also in der Luft. Einige Veranstalter bieten für den Sommerurlaub kostenlose Umbuchungen oder Gutschriften an.

Petra Südhoff-Leijzer (2.v.l.), ihr Mann Jan Leijzer und die Büroleiterinnen Birgit Albersmann (l.) aus Borken und Birgitta Niehues (r.) aus Stadtlohn

Petra Südhoff-Leijzer (2.v.l.), ihr Mann Jan Leijzer und die Büroleiterinnen Birgit Albersmann (l.) aus Borken und Birgitta Niehues (r.) aus Stadtlohn © Privat

Hier wünscht sich Petra Südhoff-Leijzer endlich eine Entscheidung in der Politik. Die EU diskutiert seit Wochen darüber, ob Reiseveranstalter nur noch Gutscheine statt einer Erstattung ausstellen dürfen. Dadurch könnten womöglich Insolvenzen verhindert werden. „Aber auch da kann ich meinen Kunden im Moment nichts genaues sagen, weil es noch keine Entscheidung gibt“, zeigt sich die Reisebüro-Leiterin frustriert.

Beratungen aufs Telefon beschränkt

Jeden Tag zwischen 10 und 13 Uhr bietet sie eine Telefon-Sprechstunde für die Kunden an. „Da stehen die Telefone nicht mehr still, alle haben so viele Fragen.“ Die restliche Zeit des Tages sind die Telefone dann abgestellt, damit die Mitarbeiter Zeit für andere Dinge haben. Denn aufgrund der vielen Stornierungen, Umbuchungen und Rückerstattungen gibt es viel Papierkram zu erledigen.

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Deshalb hat sich Petra Südhoff-Leijzer auch dazu entschieden, das Ladenlokal geschlossen zu lassen, obwohl sie öffnen dürfte. Neue Buchungen und somit Einnahmen kämen im Moment sowieso nicht rein. Um Kunden und Mitarbeiter zu schützen, beschränkt sie sich deswegen auf Beratungen per Telefon und Mail.

So lange Einschränkungen gab es selten

Das Westmünsterland Reisebüro gibt es im November seit 50 Jahren, Petra Südhoff-Leijzer arbeitet seit 40 Jahren in der Touristik-Branche. Eine ähnliche Situation hat sie bislang zum Beispiel nach dem Anschlag am 11. September 2001 und bei dem Ausbruch eines Vulkans in Island im Jahr 2010 erlebt. Auch damals wurden zahlreiche Reisen abgesagt. „Aber da ging es um ein paar Tage oder Wochen und es hat sich danach recht schnell wieder eingependelt“, erinnert sich die 57-Jährige.

Jetzt ist unklar, ob in diesem Jahr Reisen überhaupt noch möglich sein werden. Selbst ein Urlaub in Deutschland ist im Moment schwer zu vermitteln. „Die Bundesländer haben jeweils unterschiedliche Vorgaben“, sagt Petra Südhoff-Leijzer. Und selbst wenn man zum Beispiel das Ferienhaus an der Ostsee mit Selbstverpflegung buchen kann: Lohnt sich das, wenn Restaurants, Schwimmbäder oder Freizeitparks weiter geschlossen sind?

Hoffnung auf finanzielle Hilfe

Finanziell ist es für die gesamte Touristik-Branche eine harte Zeit. „Das sind ja nicht nur die Reisebüros. Das sind auch die Reiseveranstalter, die Taxi- und Busunternehmen, die Flughäfen mit ihrem Reinigungs- und Sicherheitspersonal, die Hotels mit ihren Köchen, Zimmermädchen, Handwerkern oder Caterern. Die Touristik ist das größte Unternehmen weltweit“, meint Petra Südhoff-Leijzer.

Sie selbst hat gut vorgesorgt und hofft, dass sie diese Krise überstehen wird. Aber sie wünscht sich auch Hilfe vom Staat: „Für die Banken und die Autobauer gab es schließlich auch Schutzschirme.“

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