Rosenmontag 2020 zog der Rosenmontagszug direkt an der Rustybar vorbei. In diesem Jahr ist das Karnevalswochenende für den Jungwirt Thomas Terschluse ein trauriges Wochenende. © Markus Gehring
Rosenmontag

Rustybar: Wirt hakt Rosenmontag ab und denkt über Umzug im Sommer nach

Was für ein Rosenmontagskontrast in Stadtlohn: Rambazamba im Kettelerhaus vor einem Jahr, gähnende Leere heute. Doch Rustybar-Wirt Thomas Terschluse lässt sich vom Lockdown nicht unterkriegen.

Thomas Terschluse ist Optimist. Und er ist unternehmungslustig. Das sind wohl zwei wichtige Eigenschaften, die Gastronomen in diesen schweren Coronazeiten haben müssen.

Aber trotz aller Zuversicht kommt auch der 22-jährige Wirt der Rustybar im Kettelerhaus an diesem Rosenmontag nicht um die Feststellung herum: „Es ist erschütternd und ganz schön traurig.“ Die Kneipe ist leer, im Festsaal ist es totenstill.

Thomas Terschluse nennt diesen Rosenmontag „ganz schön traurig“. Der Rustybar-Wirt blickt aber optimistisch in die Zukunft.
Thomas Terschluse nennt diesen Rosenmontag „ganz schön traurig“. Der Rustybar-Wirt blickt aber optimistisch in die Zukunft. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Das war vor einem Jahr ganz anders. Thomas Terschluse hat die Bilder im Kopf, andere können sie als Videos auf Instagram sehen. Altweiber, Kinderkarneval, Rosenmontag: Der Saal kocht, Cowboys, Engel und Piloten liegen sich in den Armen, DJ Michael Jansen heizt weiter ein. Die Menge schunkelt, tanzt und singt.

„Das war der Wahnsinn, die Hütte hat gebebt“, sagt Thomas Terschluse. Umso bitterer der Totalausfall in diesem Jahr. Dabei denkt der Wirt zunächst nicht mal an seine Einnahmen. „Das ist bitter für die Rustybar, aber das ist vor allem bitter für ganz Stadtlohn. Der Rosenmontag ist doch der einzige Tag im Jahr, an dem alle Stadtlohner vor die Tür gehen, an einem Fleck zusammenkommen und in Feierlaune sind.“

Über 300 Partygäste haben im vergangenen Jahr die Narrenball-Premiere in der Rustybar im Kettelerhaus gefeiert. © Stefan Hubbeling © Stefan Hubbeling

Am meisten hat es ihm aber um den Kinderkarneval leidgetan, obwohl er an diesem Tag, wie er lachend sagt, 35 Euro Miese gemacht hat: „Mit drei Kisten Cola und einigen Paketen Capri-Sonne kann man ja kein Geld verdienen. Aber die 250 Kinder außer Rand und Band zu sehen, das war es wert.“

Doch der junge Wirt ist natürlich auch in gewisser Weise ein Betriebs-Wirt. Vor gut einem Jahr hat der gelernte Elektriker das traditionsreiche Kettelerhaus an der Grabenstraße übernommen und mit den Karnevalspartys einen Traumstart hingelegt. „Das war der Hammer!“ 28 Menschen beschäftigte Thomas Terschluse damals, damit die Feiermaschine wie geschmiert lief.

Karnevalswochenende bringt einen Monatsumsatz

Natürlich ist der Rosenmontag für viele Wirte in Stadtlohn der wichtigste Tag im Jahr. Aber Thomas Terschluse relativiert: „Viele Leute denken, da machen wir einen Großteil unseres Jahresumsatzes. So ist das aber nicht. Die drei Karnevalstage machen eher einen Monatsumsatz aus.“

Verzweifelt ist der Wirt daher an diesem toten Rosenmontag nicht. Im Gegenteil. Schon nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr zeigte sich Thomas Terschluse findig und schmiss schon nach achtwöchiger Zwangspause wieder eine erste Corona-Sitz-Party, auf der die Tische mit Frischhaltefolie voneinander abgeschirmt waren.

Wirt hat feste Nebenjobs

Doch der zweite Lockdown ließ nicht lange auf sich warten. Wie kommt der junge Wirt da wirtschaftlich über die Runden? „Das geht. Ich habe noch zwei andere berufliche Standbeine: eine feste halbe Stelle und zusätzlich jetzt auch noch einen 450-Euro-Job.“ Thomas Terschluse sagt aber auch: „Ohne die staatlichen Coronahilfen hätte die Rustybar nicht überleben können.“

Weil ihm dieser Rosenmontag „absolut keinen Spaß“ macht, blickt Thomas Terschluse lieber in die Zukunft. Dafür hat er während des Lockdowns vier Wochen lang eigenhändig den ganzen Saal neu gestrichen. In Kürze wird eine komplett neue Lichtanlage installiert.

Der nächste Rosenmontag kommt bestimmt. „Das wird dann ein echter Kracher. Ich werde zusätzlich auch den Biergarten aufmachen und eine Schnapsybar auf der Kegelbahn.“ Und dann schmiedet der junge Wirt noch einen verwegenen Plan: „Ich denke auch über einen Rosenmontag 2.0 im Sommer nach, mit einem Mini-Umzug aus Bollerwagen …“

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Stefan Grothues

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